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Historie des Bauhaus-Museums in Weimar seit 1990

Das Bauhaus-Museum Weimar ist das jüngste der Museen der Klassik Stiftung Weimar, am 8. Mai 1995 in den Räumen der ehemaligen Kunsthalle am Theaterplatz eröffnet, jedoch mit einer Sammlungstradition verbunden, die auf das Gründungsjahr des Bauhauses 1919 zurückgeht. Im Mai 1919 übergaben Studierende des Bauhauses zwei Ausgaben ihrer Schrift Der Austausch an die damals Staatlichen Kunstsammlungen. Dass das mediale Organ der Studierenden zu den ersten Objekten der Bauhaus-Sammlung in Weimar gehört, zeigt auf eindrucksvolle Weise die schon früh vorhandene enge Verbindung zwischen Schule und Museum. Walter Gropius als Gründungsdirektor hat, wie mittlerweile oft kommuniziert, beim politisch erzwungenen Weggang des Bauhauses nach Dessau rd. 168 Arbeiten an die Kunstsammlungen zu Weimar übergeben, die den Grundstock der Bauhaus-Sammlung an der Klassik Stiftung darstellen. Das Konvolut sollte Leistungen, aber auch Irrwege der schulischen Entwicklung dokumentieren. Die Geschichte, oder besser das Schicksal der Weimarer Bauhaus- und Moderne-Sammlungen während der Weimarer Republik, der Zeit des Nationalsozialismus, der DDR und der Nachwendezeit ist an vielen anderen Stellen ausführlich dargestellt worden und muss hier nicht wiederholt werden.

Als erster erhob Michael Siebenbrodt, von 1992 bis 2016 Bauhaus-Kustos an den Kunstsammlungen, dann an der Klassik Stiftung, die Forderung nach einem Bauhaus-Museum für Weimar. Im Dezember 1990 diskutierte er im Zuge einer Besprechung zur Klärung der Nutzungs- und Eigentümerfragen vom Haus Am Horn die Gründung eines Museums, „das zeitlich/ inhaltlich die Vorgeschichte und Wirkungen des Bauhauses Weimar einschließt (von van de Velde bis zur Entwicklung der HAB) und auf produktive, lebendige Aneignung und schöpferische Auseinandersetzung mit den historischen Sachzeugen und Kunstwerken zielt". Die Gründung dieses Museums mit dem Schwerpunkt Bauhaus sei ein wesentlicher Baustein für die Profilierung der Stadt Weimar.

Es ist das bleibende Verdienst von Rolf Bothe, Direktor der ehemaligen Kunstsammlungen von 1992 bis 2002, das Bauhaus-Museum im Zusammenhang mit der Neu-Strukturierung der Häuser der Kunstsammlungen schließlich begründet und realisiert zu haben. Bothe legte großen Wert auf den Sammlungsschwerpunkt Moderne insgesamt, um die Kunstsammlungen wieder an die Tradition fortschrittlicher Museumspolitik anzubinden. In seinem Museums-Entwicklungsplan, den er 1993 vorlegte, fordert er nicht nur gegen viele Widerstände eine ständige Präsentation der Bauhaus-Sammlung in der bis dato als Wechselausstellungsraum genutzten Kunsthalle, sondern perspektivisch auch einen Ergänzungsbau für dieses provisorische Bauhaus-Museum. In Zusammenarbeit mit Michael Siebenbrodt wurde ein Themenschwerpunkt für das Haus entwickelt, der es im Verhältnis zu den Bauhaus-Sammlungen in Dessau und Berlin profilierte. Ohne großes Budget wurde das Museum quasi ›handstreichartig‹ eröffnet. Es vermittelte insbesondere die Weimarer Jahre des Staatlichen Bauhauses mit seinem pädagogischen Konzept und den verschiedenen Werkstätten. Darüber hinaus wurde van de Veldes Kunstgewerbeschule als Vorgängerinstitution des Bauhauses sowie die Staatliche Bauhochschule unter Otto Bartning in der Zeit von 1926 bis 1930 als dem Bauhaus nachfolgende Einrichtung vorgestellt. Für die Präsentation wurde die von Klaus-Jürgen Sembach für die vorangegangene Wechselausstellung Johannes Itten und das frühe Bauhaus auf Grundlage des Plakatentwurfs von Joost Schmidt für die Bauhaus-Ausstellung 1923 entworfene, kongeniale Ausstellungsarchitektur übernommen. Das Bauhaus-Museum war in Weimar endlich angekommen und entwickelte sich zu einem wichtigen Anlaufpunkt insbesondere für auswärtige Besucher.

Der von Bothe prognostizierte Erweiterungsbau sollte sich bald als notwendig herausstellen; die Bauhaus-Sammlung konnte immer nur in Ausschnitten im alten Bauhaus-Museum gezeigt werden und die klimatischen und ausstellungstechnischen Bedingungen waren im Grunde unter heutigen Standards nicht akzeptabel. Das Haus hatte keine eigene Vermittlung, geschweige denn Vermittlungsräume, kein eigenes Depot, keine ausreichenden Räume für einen einladenden Besucherservice mit Café oder Shop. Die Kunstsammlungen und dankenswerterweise auch der Freundeskreis der Kunstsammlungen (heute Freundeskreis des Bauhaus-Museums mit dem Namen „Bauhaus-Weimar-Moderne. Die Kunstfreunde e.V.") haben aufgrund dessen seit Frühjahr 2002 offensiv auf die Notwendigkeit der Erweiterung hingewiesen. Eine Machbarkeitsstudie für eine Erweiterung des Gebäudes am Theaterplatz wurde eigens vom Freundeskreis finanziert und herausgegeben. Entgegenkommen wurde von der Politik signalisiert, scheiterte letztendlich aber an den Trägerstrukturen, da die Kunstsammlungen als städtischer Eigenbetrieb zu dem Zeitpunkt keine direkte Förderung vom Bund erhielten. Der Bund engagierte sich zu der Zeit schwerpunktmäßig in Dessau. Noch bei seiner offiziellen Verabschiedung im August 2002 forderte Rolf Bothe eindringlich, dass ein Erweiterungsbau nach der geplanten Fusion der Stiftung Weimarer Klassik mit den Kunstsammlungen Vorrang haben müsse.

Es sollte noch sechs weitere Jahre vergehen, bis die Realisierung eines Neubaus möglich wurde. Die Probleme der 2003 fusionierten Einrichtung Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen (SWKK), später Klassik Stiftung Weimar, waren nach dem verheerenden Brand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek am 2. September 2004 grundsätzlich andere, da der Fokus aller Aktivitäten zunächst auf die Sicherung des historischen Erbes gelegt werden musste. Das Gutachten der Strukturkommission, die die Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen 2004/2005 evaluierte, wies mit Nachdruck ebenfalls auf die Notwendigkeit entweder eines Erweiterungsbaus oder eines Neubaus für die Bauhaus-Sammlungen hin. Zum inhaltlichen Konzept führte das Gutachten aus: „U.E. ist das Bauhaus-Museum von allen vergleichbaren Einrichtungen der SWKK diejenige Institution, die die historische Rückbesinnung mit der Reflexion zeitsymptomatischer Probleme verknüpfen kann. Auch die Erörterung von lebensweltlichen Fragen mit Ausblicken auf die Zukunft sozialer Praxis und ästhetischer Einstellungen fände hier ihren Ort. [...]."

Erst mit der Auflage eines Sonderinvestitionsprogramms und der Verabschiedung eines Masterplans für die Klassik Stiftung im Jahr 2008 konnte die Realisierung des Neubaus auf den Weg gebracht werden. Anläßlich des 90-jährigen Gründungsjubiläums wurde als wichtiger Zwischenschritt die Ausstellung Das Bauhaus kommt aus Weimar vom 1. April bis 5. Juli 2009 an den fünf Orten Bauhaus-Museum Weimar, Neues Museum, Goethe-Nationalmuseum, Schiller-Museum und Haus Am Horn gezeigt. Im Martin Gropius-Bau in Berlin wurde vom 22. Juli bis 4. Oktober 2009 als Kooperationsprojekt mit den Institutionen in Dessau und Berlin die Ausstellung Modell Bauhaus präsentiert, die in veränderter Form anschließend Station im Museum of Modern Art in New York und im Barbican Centre in London machte. Der Stiftungsrat legte in seiner Sitzung vom 8. Juli 2008 fest, dass ein Konzept für ein neues Bauhaus-Museum in enger Abstimmung mit einem zu berufenden Fach-Kuratorium entwickelt werden solle. Das Konzept, dessen Inhalt im Folgenden kurz zusammengefasst wird, wurde in der Sitzung des Stiftungsrates am 15. Juli 2009 beschlossen, zusammen mit der Empfehlung, es am Standort Theaterplatz umzusetzen. Dieser Standort hatte sich bei einer Standortanalyse von zehn möglichen Orten neben zwei weiteren (Minolplatz, Frauenplan) als zu dem Zeitpunkt bester Platz für den Bau erwiesen. Der nächste Schritt in der Planung, so der Stiftungsrat, solle die Diskussion des Standortes im Weimarer Stadtrat sein. So klar diese Entscheidung war, so schwierige Folgen zeitigte sie, denn es schloss sich auf lokaler Ebene eine auch emotional geführte Standortdiskussion an, die erst im Jahr 2011 für den heutigen Standort entschieden wurde.

  1. Quelle
  2. Klassik Stiftung Weimar, Themendossier Bauhaus-Museum Weimar unter https://www.klassik-stiftung.de/service/presse/themendossiers/bauhaus-museum-weimar/; letzter Zugriff am 26.3.2019