Quartier Weimarer Moderne

Drei Zeitschichten der Moderne in Weimar treffen am Standort des neuen Museums auf historisch einmalige Weise in einer Art Brennpunkt aufeinander: die Grün-, Kultur- und Sportachse westlich des Neubaus als Kultur-Projekt der Weimarer Republik, das nationalsozialistische Staatsprojekt Gauforum, das zugleich das logistische Zentrum der europäischen Zwangsarbeit war, und die unübersehbare Antwort aus der DDR-Zeit auf dieses Gebiet, der Lange Jakob.

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Die Klassik Stiftung Weimar hat, in enger Kooperation mit den Gedenkstätten Buchenwald/Mittelbau-Dora der Stadt Weimar, der Bauhaus-Universität Weimar und weiteren Partnern das Konzept eines »Quartiers Weimarer Moderne« entwickelt. Ausgehend vom Bauhaus-Museum Weimar bezieht es dessen gesamtes Umfeld, vor allem aber das ehemalige Gauforum ein, wo weitere museale Einrichtungen in Planung sind: Im Südflügel des ausladenden NS-Komplexes wird ab 2020 die internationale Wanderausstellung Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg ihren endgültigen Standort finden. Für das Neue Museum Weimar, als ehemaliges Landesmuseum 1863-69 im Stil der Neo-Renaissance erbaut,
wurde ein neues Ausstellungskonzept entwickelt, das die Moderne-Entwicklung vom späten 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert, also vor Gründung des Bauhauses in den Blick nimmt. Die Ausstellung im Neuen Museum wird zeitgleich mit dem Bauhaus-Museum Weimar, also zum 6. April 2019 eröffnet.

Inhaltlich eng verbunden, aber räumlich separiert in der Innenstadt gelegen, wird im freigewordenen Museumspavillon am Theaterplatz ein Haus der Weimarer Republik eröffnet. Mit Blick auf das doppelte Jahrhundertjubiläum für Bauhaus und Weimarer Verfassung 2019 erhofft sich die Stadt Weimar von einem solchen Quartier neben den fachlich-inhaltlichen Korrespondenzen nicht zuletzt auch neue touristische und wirtschaftliche Perspektiven.

Klassik Stiftung Weimar, Visualisierung: bloomimages GmbH
Weimar, Bauhaus-Museum Weimar, Eingangsportal mit Museumsvorplatz, Visualisierung
Klassik Stiftung Weimar, Foto: Jens Hauspurg
Weimar, Neues Museum

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Kernstück in musealer Hinsicht ist die enge inhaltliche Korrespondenz von Neuem Museum und Bauhaus-Museum: In beiden Häusern wird die widersprüchliche Entwicklung von Kunst, Kultur und Gestaltung im Rahmen eines sich wandelnden Lebensverständnisses thematisiert. Geht es im Neuen Museum um die Zeit vor und nach 1900 (Weimarer Kunstschule, Neues Weimar, Friedrich Nietzsche, Henry van de Velde und Kunstgewerbeschule, Werkbund, konkurrierende moderne Stile), so wird im Bauhaus-Museum Weimar die Geschichte des Weimarer Bauhauses 1919-1925 sowie einige Pfade seiner Rezeption bis in die Gegenwart verhandelt. In der Zusammenschau lässt sich so die komplexe Entwicklung der Moderne, von der Industrialisierung in der Gründerzeit bis weit in das 20. Jahrhundert und stets im Kontext europäischer und internationaler Entwicklungen, anschaulich thematisieren. Andere bereits museal genutzte historische Adressen Weimars, wie das Liszt-Haus, das Nietzsche-Archiv, das Haus Hohe Pappeln und das zum Bauhaus-Erbe gehörendeHaus Am Horn werden auf je eigene Weise das Thema des damals zeitgemäßen Wohnens und Repräsentierens vermitteln und so die beiden musealen Schwerpunkte ergänzen. Diese breite historische Vernetzung stellt ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal für Weimar dar. Sie stellt das historische Bauhaus in den Kontext internationaler kultureller Reformbewegungen um 1900 und betont somit die Weimarer Besonderheiten im Kontrast zu den Partnerhäusern in Dessau und Berlin.

  1. Quelle
  2. Klassik Stiftung Weimar, Themendossier Bauhaus-Museum Weimar unter https://www.klassik-stiftung.de/service/presse/themendossiers/bauhaus-museum-weimar/; letzter Zugriff am 26.3.2019