32 | 1938 | 0 – Die Synagogen in Thüringen

Arnstadt | Ausstellung | bis 14.11.2021

Sichtbar machen, was aus dem Blick geraten ist und Jahr für Jahr unsichtbarer wird, das ist das Ziel der Ausstellung "32 | 1938 | 0 – Die Synagogen in Thüringen" von Judith Rüber und Jan Kobel im Milchhof Arnstadt.

Quelle: stadtrandnotiz.de, Konzeption und Text: Judith Rüber, Fotos: Jan Kobel.

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Denn die Zerstörung der Synagogen am 9. November 1938 erweist sich als dauerhafte und bis heute fortschreitende Auslöschung der Orte der Erinnerung jüdischen Lebens in Deutschland. Nur wenige Bürger wissen noch, wo „ihre“ Synagoge stand und wie sie aussah. Diese einst wichtigen, zentralen und prägenden Gebäude sind nicht mehr Teil des kollektiven Gedächtnisses.

Studiert man die Geschichte der Auslöschung der jüdischen Gemeinden in Thüringen ab 1933 und das Schicksal der jeweiligen Immobilien und Grundstücke, so fällt auf, dass kein Fall wie der andere beschaffen ist. Von der totalen Zerstörung und Überbauung des Geländes mit Profanbauten, über den Verzicht auf jeden Hinweis auf die Geschichte dieser Liegenschaft, bis zum wundersamen Überleben und aktuell gedenkender Pflege der Architektur scheint jeder Fall vertreten.

Fotos: Jan Kobel, Konzeption und Text: Judith Rüber.
Einblick in die Ausstellung "32 | 1938 | 0 – Die Synagogen in Thüringen", bis zum 14. November 2021 im Milchhof Arnstadt.

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Die Fotografien von Jan Kobel zeigen die Orte der 32 ehemaligen Synagogen in Thüringen, deren Grundstücke und unseren heutigen Umgang mit ihnen. Jedes Foto wird durch sorgsam recherchierte Texte von Judith Rüber begleitet und holt die Bedeutung jüdischen Lebens in den vielen Stadt- und Landgemeinden Thüringens wieder in das Bewußtsein.

In der BRD trugen die neuen jüdischen Gemeinden bis 1958 zum 20. Jahrestag der Pogromnacht die Erinnerungs- und Mahnveranstaltungen, oft unterstützt von anderen Gruppen Betroffener, wie der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Mit dem 25. Jahrestag 1963 begannen die ersten Kommunen, in denen bis 1938 eine Synagoge stand, ein Gedenken zu organisieren. Eines der frühen Mahnmale schuf Herbert Peters im Jahr 1969 für die Münchner Hauptsynagoge. Diese war von den Nationalsozialisten bereits im Juni 1938 abgerissen worden.

Fotos: Jan Kobel, Konzeption und Text: Judith Rüber.
Einblick in die Ausstellung "32 | 1938 | 0 – Die Synagogen in Thüringen", bis zum 14. November 2021 im Milchhof Arnstadt.

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Zum 40. Jahrestag 1978 nahmen mit der differenzierenden Aufarbeitung des Nationalsozialismus durch die 68er- und Folgegeneration die Veranstaltungen und Publikationen deutlich zu. Zum 50. Jahrestag 1988 führten die Rede von Bundestagspräsident Philipp Jenninger und dessen Weigerung, den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Heinz Galinski (1912–1992), im Bundestag reden zu lassen, zum Eklat und zu Jenningers Rücktritt. Galinski wiederum folgte der Einladung Erich Honeckers in die Volkskammer und erhielt den „Stern der Völkerfreundschaft in Gold“.

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Fotos: Jan Kobel, Konzeption und Text: Judith Rüber.
Einblick in die Ausstellung "32 | 1938 | 0 – Die Synagogen in Thüringen", bis zum 14. November 2021 im Milchhof Arnstadt.

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Auf 32 Bild- und Texttafeln wird die Geschichte der Synagogen und des jüdischen Lebens in Thüringen vergegenwärtigt.

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Öffnungszeiten

freitags: 14–16 Uhr
sonntags: 11–16 Uhr
sowie nach Vereinbarung
Der Eintritt ist frei.

Milchhof Arnstadt
Quenselstraße 16 | 99310 Arnstadt