Ausstellungen in Bremen im Sommer 2019

Zwei Ausstellungen locken Besucher_innen in Bremen diesen Sommer ins Gerhard-Marcks-Haus: Die Austellung "Bildhauerinnen" nimmt das bildhauerische Schaffen von vier Künstlergenerationen im 19. und 20. Jahrhundert in den Fokus, um Entwicklungen und Umbrüche der weiblichen Bildhauerei zu markieren. Das Gerhard-Marcks-Haus und die Museen Böttcherstraße zeigen gemeinsam knapp 100 Werke aus 150 Jahren Bildhauerei von rund 50 Bildhauerinnen. Die Ausstellung "Wir machen nach Halle" präsentiert Arbeiten von Marguerite Friedlaender (1896–1985) und Gerhard Marcks (1889–1981), die sich 1919 am Bauhaus in Weimar kennenlernten.

"Bildhauerinnen"

Die Ausstellung »Bildhauerinnen« erstreckt sich über zwei Bremer Museen. Gemeinsam zeigen das Gerhard-Marcks-Haus und die Museen Böttcherstraße knapp 100 Werke aus 150 Jahren Bildhauerei von rund 50 Bildhauerinnen, die zwischen 1806 und 1948 geboren wurden. Erstmals wird das Schaffen von vier Künstlerinnengenerationen im 19. und 20. Jahrhundert in den Fokus genommen, um Entwicklungen und Umbrüche der weiblichen Bildhauerei zu markieren. Neben den berühmten Pionierinnen wie Käthe Kollwitz, Wegbereiterinnen wie Renée Sintenis und arrivierten zeitgenössischen Künstlerinnen wie Isa Genzken werden u. a. zahlreiche verkannte oder vergessene Bildhauerinnen wie Else Bach, Dorothea Schaper-Barthels, Charlotte Posenenke, Verena Pfisterer und Priska von Martin vorgestellt.

Warum verschwanden so viele frühe Bildhauerinnen aus dem kunsthistorischen Bewusstsein? Im Gegensatz zu Frankreich oder Belgien wurden in Deutschland Werke von Frauen kaum in den Museen gesammelt. Außerdem durften sie erst ab 1919 an den Akademien studieren und Aktstudien lediglich an privaten Schulen betreiben. Dank der gesellschaftlichen Emanzipation erfuhren auch die Bildhauerinnen im Laufe der Zeit eine gleichberechtigte Rolle im künstlerischen Diskurs.

Zahlreiche Plastiken und Skulpturen – thematisch lose gruppiert – werden in dieser gemeinsamen Ausstellung präsentiert: Das Gerhard-Marcks-Haus setzt sich schwerpunktmäßig mit Motiven, Materialien und Porträts auseinander. In den Museen Böttcherstraße sind überwiegend Objekte zu sehen, die sich mit Bewegung und Tanz, Körperbildern und Tierdarstellungen befassen. Es gilt, Werke und deren Qualitäten zu
entdecken. Ergänzend werden Gründe und Kriterien, die ihre Achtung oder Missachtung bestimmten, ebenso aufgezeigt, wie Hürden und Klischees, mit denen Bildhauerinnen konfrontiert wurden. Auf verschiedenen Ebenen dokumentiert die Sonderausstellung, wie sich die Bildhauerinnen den Vorurteilen entzogen.

Privatbesitz
Verena Pfisterer Lutschwürfel 1964, Rekonstruktion 1981 Liebesperlen

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Das Buch »Bildhauerinnen« ist mehr als ein Ausstellungskatalog. Es fasst die wissenschaftlichen Ergebnisse der kunsthistorischen Forschung der letzten Jahrzehnte zusammen und schließt somit eine Lücke. Sieben Autorinnen und Autoren richten den Blick auf die Anfänge der Bildhauerinnen in Deutschland, auf die Ausbildungssituation im 19. Jahrhundert, auf Geschlechterkonstruktionen und fragen, wie sich Frauen heute im Kunstbetrieb durchsetzen und sichtbar bleiben. Die zweisprachige Publikation (Deutsch/Englisch) ist in den jeweiligen Häusern zum Vorzugspreis von 35 Euro erhältlich. Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen den Bremer Museen Böttcherstraße, dem Gerhard-Marcks-Haus und den Städtischen Museen Heilbronn.

»Wir machen nach Halle« - Marguerite Friedlaender und Gerhard Marcks

Marguerite Friedlaender (1896–1985) und Gerhard Marcks (1889–1981) lernten sich 1919 am Bauhaus in Weimar kennen. Marcks war dort Formmeister der Töpferei, Friedlaender seine wichtigste Schülerin. Als das Bauhaus 1925 nach Dessau umzog, wechselten beide an die Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle (Saale). Dort verbrachten sie bis 1933, als beide durch die Nationalsozialisten entlassen wurden, eine sehr erfolgreiche und produktive Schaffenszeit.

Marguerite Friedlaender baute in Halle zunächst eine Keramik- und ab 1929 eine Porzellanwerkstatt auf. Letztere konstituierte sich als Arbeitsgemeinschaft mit der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM), die ein einfaches, aber formal ansprechendes Gebrauchsgeschirr anbieten wollte. In der kurzen Zeitspanne zwischen 1929 und 1931 entwickelte Friedlaender verschiedene Service und Vasen, die heute zu den Inkunabeln des modernen Designs gehören.

 

VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Marguerite Friedländer Teetasse "Hallsche Form", 1930 Porzellan Gerhard Marcks Kuh, an der Giebichensteinbrücke, 1927 Stein

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Marguerite Friedlaender baute in Halle zunächst eine Keramik- und ab 1929 eine Porzellanwerkstatt auf. Letztere konstituierte sich als Arbeitsgemeinschaft mit der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM), die ein einfaches, aber formal ansprechendes Gebrauchsgeschirr anbieten wollte. In der kurzen Zeitspanne zwischen 1929 und 1931 entwickelte Friedlaender verschiedene Service und Vasen, die heute zu den Inkunabeln des modernen Designs gehören.

Gerhard Marcks standen an der Burg optimale Arbeitsbedingungen zu Verfügung, die eine große Kreativität in ihm freisetzten. Er erprobte neue Techniken wie das Arbeiten in Stein, wandte sich anderen Themen zu, wie der antiken Mythologie, und öffnete sich in seinem Schaffen wieder stärker dem Naturvorbild. Daneben schuf auch er einige Entwürfe für die Staatliche Porzellan-Manufaktur Berlin sowie die berühmte »Sintrax« Kaffeemaschine für das Jenaer Glaswerk Schott & Gen.

Foto: Christoph Sandig
Marguerite Friedländer (Entwurf) KPM (Ausführung) Blumenvasen, Halle, 1931 Porzellan weiß Sammlung Joachim Rossow/Privatbesitz

Die Ausstellungen "Bildhauerinnen" und "Wir machen nach Halle" sind noch bis zum 11.8.19 im Gerhard-Marcks-Haus Bremen zu sehen.

Adresse:
Am Wall 208
28195 Bremen

Öffnungszeiten:
Dienstag und Mittwoch, Freitag bis Sonntag 10-18 Uhr
Donnerstag 10-21 Uhr


Böttcherstrasse Bremen

ORT | GRAND TOUR DER MODERNE

Die Bremer Böttcherstraße ist ein eklektisches Gesamtkunstwerk, das Elemente der Backsteingotik, des Expressionismus und des Art Déco vereint. Sie entstand zwischen 1922 und 1931 und gilt als wichtiges Architekturzeugnis der Zwischenkriegsjahre.

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Archiv Böttcherstraße Bremen
Die Böttcherstraße in Richtung Markt gesehen; links das Haus St.Petrus und das Haus der Sieben Faulen (Alfred Runge und Eduard Scotland 1923-26); rechts das Roselius-Haus (frühneuzeitliches hanseatisches Kaufmanns-Haus, 1928 beim Umbau zum Museum mit Treppengiebel versehen, 1944 total zerstört und bis 1954 wiederaufgebaut).
  1. Quelle: Pressemitteilung Gerhard-Marcks-Haus Bremen, Bettina Berg, Presse/PR Museen Böttcherstrasse, Cathrin Janke, Marketing/PR

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