BAU [SPIEL] HAUS

Joost Siedhoff / Foto: Roman März

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Das Spiel hat bis heute großen Einfluss auf das kreative Arbeiten. Die Bauhaus-Meister erkannten in der experimentellen Auseinandersetzung mit dem Material ein zentrales Moment. Besonders in den Anfangsjahren pflegte man am Bauhaus bewusst das Spiel (im weitesten Sinne) mit aller Lust und Ernsthaftigkeit als Grundlage für jede Art von Gestaltung. Die vielen Feste wurden zum heiteren Zeremoniell, die Bühne zum Labor ungebremster Fantasie mit geistigem und sozialen Klebstoff. Das Potenzial des Spiels im kreativen Prozess kann bis in die Gegenwart hinein verfolgt werden. In den Arbeitswelten der New Economy ist das Spiel zum Kreativitäts- und dadurch Produktivitätsmotor geworden und seine Rolle für die Zukunft ist ausschlaggebend.

Foto: Klassik Stiftung Weimar
Nürnberg, Neues Museum, Ausstellung BAU [SPIEL] HAUS, 22. März bis 16. Juni 2019: Rudolf Lutz, Unser Spiel, unser Fest, unsere Arbeit, 1919

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Die AusstellungBAU [SPIEL] HAUS verfolgt die Bauhaus-spezifische und bis heute bewährte Einbindung von Spielkonzepten und Spielräumen in die gestalterische Entwicklung anhand thematischer Cluster. Der narrative Faden macht nicht nur historische Spielkonzepte, sondern auch deren vielschichtige Auswirkungen bis hinein in virtuelle Sphären greifbar. Konzeptuelle Gegenüberstellungen und visuelle Analogien sind gewollt: Die Puppenstube von Ludwig Hirschfeld-Mack trifft auf ein aus farbigem Plexiglas gestaltetes Puppenhaus der Künstlerin Laurie Simmons (mit Peter Wheelwright). Alma Siedhoff-Buschers Wurfpuppen setzen sich mit einer Nerf Gun auseinander, ihr berühmtes Spielzimmer für das Musterhaus Am Horn mit Basketballcourts auf den Büroetagen im Silicon Valley. Maria Montessoris Sprachkasten mit verschiedenfarbigen Elementen trifft auf bunte Post-its. Eine Abbildung von Friedrich Fröbels mit einem Gitternetz überzogenen Kindertisch gesellt sich neben eine gerasterte Utopielandschaft von Superstudio und LEGO® Architecture. Weitere Highlights aus dem Bauhaus wie das ikonische Bauhaus-Schach von Josef Hartwig oder Lyonel Feiningers Stadt am Ende der Welt, wie auch Anni Albers textile Entwürfe sind zu sehen, die einen Einblick in die stilprägende Weberei geben. Oskar Schlemmers Homo stützt die These des „Neuen Menschen“. Das Konzept des Ankerbaukastens setzt sich in modularen Kapselhäusern und aktueller Container-Architektur fort. Einfache Schaumzucker-Stab-Konstruktionen sind neben Buckminster Fullers geodätischen Kuppeln anzutreffen, das Zometool-Steckspiel bei der Amazon Sphere. Der Netzwerkgedanke des Bauhaus mündet ultimativ in das gemeinsame Arbeiten, die Co-Kreativität von Zukunftslaboren.

Parallel dazu sind zum Bauhaus zeitgleiche Entwicklungen wie etwa Bruno Tauts Glasspiel Dandanah oder Hermann Finsterlins modularer Baukasten namens Stilspiel vertreten. Auch das prominente Erbe der Hochschule für Gestaltung in Ulm darf nicht fehlen – historische Entwicklungen mit prägenden Elementen werden durchdekliniert: Der Itten-Hocker, als einfacher Holzkubus mit Schlitz, trifft auf den Ulmer Hocker, dieser wiederum auf Hans Gugelots modulares Spielmöbel-System und Van Bo Le-Mentzels Hartz-IV-Möbel, seinen sogenannten Berliner Hocker.

Joost Siedhoff, Foto: Roman März
Nürnberg, Neues Museum, Ausstellung BAU [SPIEL] HAUS, 22. März bis 16. Juni 2019: Alma Siedhoff-Buscher, Wurfpuppen, um 1924 (Reproduktion, 1990er-Jahre)

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Die Ausstellung BAU [ SPIEL ] HAUS folgt dem dialogischen Prinzip der Kuratoren Thomas Hensel und Robert Eikmeyer. Es ist ein fließendes Miteinander von klassischen Exponaten und neueren Beiträgen mit einer Resonanz zeitgenössischer künstlerischer Beiträge auf Einladung. Liam Gillick hat das Ausstellungsdisplay entworfen, eine Reminiszenz an das Baukastenprinzip und Josef Albers experimentelle Papierfaltungen. Zu den zeitgenössischen Beiträgen gehört auch Eva Grubingers Problem #6, ein im Maßstab stark vergrößertes Geduldsspiel, das die taktile Manipulation unmöglich macht und nur kognitiv entschlungen werden kann. Yto Barrada beweist mit ihrer Installation Tree Identification for Beginners, dass komplexe Vorgänge – hier kritische politische Auseinandersetzungen ihrer Mutter in den 1960er Jahren – durch einfache Grundelemente eines Montessori-Baukastens aufgestellt werden und ihre Visualisierung finden können. Filmausschnitte aus Goshka Macugas Installation To the Son of Man Who Ate the Scroll zeigen einen Roboter frappierend menschlichen Aussehens, wobei die Faszination wie auch die Kritik am System der Künstlichen Intelligenz kritisch beleuchtet wird. Ein für die Ausstellung neu produzierter Film zeigt wie Joost Siedhoff in einer Hommage an sein Kinderfoto aus dem Musterhaus Am Horn – in dem von seiner Mutter Alma gestalteten Interieur – fast 100 Jahre später spielt.

Insgesamt sind in der Ausstellung keine chronologischen Abfolgen entstanden, sondern Assoziationsketten, die beim Bauhaus-Plakat zur Antrittsvorlesung Johannes Ittens Unser Spiel, unser Fest, unsere Arbeit anfangen und bei Olaf Nicolais Arbeit … PARTY ... GAME … WORK ... PARTY … GAME … WORK … PARTY … aus Lettern seines A-New-Font-Alphabets als zeitgenössische Antwort darauf in Form eines Leuchtkastens enden.

VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Neues Museum Nürnberg (Annette Kradisch)
Nürnberg, Neues Museum, Ausstellung BAU [SPIEL] HAUS, 22. März bis 16. Juni 2019: Anni Albers, Black White Gray, 1927 (Reproduktion, Gunta Stölzl, 1964)

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Mit Werken u. a. von Friedrich Fröbel, Maria Montessori, Gustav und Otto Lilienthal, Lyonel Feininger, Bruno Taut, Walter Gropius, Hermann Finsterlin, Johannes Itten, Oskar Schlemmer, Anni Albers, Ludwig Hirschfeld-Mack, Alma Siedhoff-Buscher, Georg Weidenbacher, Max Bill, Hans Gugelot, Hans Brockhage, Renate Müller, Laurie Simmons, Liam Gillick, Olaf Nicolai, Yto Barrada, Goshka Macuga, Eva Grubinger und Thomas Hawranke.

Kuratiert von Prof. Dr. Thomas Hensel und Dr. Robert Eikmeyer,
Präsentation von Liam Gillick.

Foto: Roman März
Nürnberg, Neues Museum, Ausstellung BAU [SPIEL] HAUS, 22. März bis 16. Juni 2019: Laurie Simmons und Peter Wheelwright, Kaleidoscope House, 2001

21.3.2019 | 19 Uhr

Es sprechen:

Dr. Eva Kraus, Direktorin Neues Museum
Dr. Rolf-Dieter Jungk, Amtschef Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
Friederike Zobel, Kulturstiftung des Bundes
Prof. Dr. Thomas Hensel und Dr. Robert Eikmeyer, Lehrstuhl für Kunst- und Designtheorie, Hochschule Pforzheim

22.3.–5.5.2019

Ein offenes Experiment, das alle Besucher einlädt, mitzugestalten: Mit einfachen Materialien wird im Unteren Foyer des Neuen Museums ein gigantisches Architekturgebilde entstehen – eine endlose Konstruktion…

23.3. – 16.6.2019
jeden Samstag, 15 Uhr,
Kosten: 3 Euro zusätzlich zum Eintrittspreis.

jeden Sonntag, 11 Uhr,
Kosten: 3 Euro zusätzlich zum Eintrittspreis.

Do, 28.3.2019, 18 Uhr
Direktorenführung mit Dr. Eva Kraus.
Kosten: 3 Euro zusätzlich zum Eintrittspreis.

Mi, 3.4.2019, 17-19 Uhr
100 Jahre Bauhaus – Wir feiern in Nürnberg. Kombiführung im Neuen Museum und der Kunstvilla (Start im Neuen Museum) mit Günther Braunsberg.
Kosten: 10 Euro, ermäßigt 9 Euro (inkl. KPZ Gebühr).

Do, 11.4.2019, 15 Uhr
Kuratorenführung mit Prof. Dr. Thomas Hensel und Dr. Robert Eikmeyer.
Kosten: 3 Euro zusätzlich zum Eintrittspreis.

Mo, 22.4.2019, 15 Uhr
Kosten: 3 Euro zusätzlich zum Eintrittspreis.

Mi, 8.5.2019, 17-19 Uhr
100 Jahre Bauhaus – Wir feiern in Nürnberg. Kombiführung im Neuen Museum und der Kunstvilla (Start im Neuen Museum) mit Günther Braunsberg.
Kosten: 10 Euro, ermäßigt 9 Euro (inkl. KPZ Gebühr).

So, 26.5.2019, 16 Uhr
Kuratorenführung mit Prof. Dr. Thomas Hensel und Dr. Robert Eikmeyer.
Kosten: 3 Euro zusätzlich zum Eintrittspreis.

Mo, 10.6.2019, 15 Uhr
Kosten: 3 Euro zusätzlich zum Eintrittspreis.

Do, 13.6.2019, 18 Uhr
Themenführung 100 Jahre später – Zeitgenössische Positionen mit Sophia Rösch.
Kosten: 3 Euro zusätzlich zum Eintrittspreis.

 27.3.2019

Zu jeder aktuellen Ausstellung im Neuen Museum findet eine kostenlose Informationsveranstaltung für Lehrerinnen und Lehrer statt.
Nach einer Führung durch die Ausstellung wird das hierfür entwickelte museumspädagogische Programm für Schulklassen vorgestellt.
Unabhängig von aktuellen Ausstellungen können Führungen mit oder ohne ästhetische Praxis sowie die Vorstellung des museumspädagogischen Programms für Kollegien gebucht werden.

31.3.2019

Eine Collage aus Künstlerbriefen
mit Adeline Schebesch, Kammerschauspielerin Staatstheater Nürnberg und Prof. Dr. Friedhelm Kröll

Die Geschichte des Bauhaus bildet sich in ebenso eindrucksvoller wie erhellender Weise im Briefverkehr der Bauhaus-Künstler ab. In den Briefen, etwa von Georg Muche, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Tut und Oskar Schlemmer oder Walter Gropius spiegeln sich facettenreich Hoffnungen und Enttäuschungen, Freund­schaften und Animositäten, Cliquenbildung und Fehden, vor allem aber auch Ansichten und Einsichten über die Zukunft der Kunst ab.

Der Eintritt ist frei.

Sa, 6.4.2019

11-13 Uhr
Für Kinder ab 8 Jahren. Kosten: 10 Euro.

15-17 Uhr
Für Erwachsene. Kosten: 10 Euro.

Workshops zur Ausstellung BAU [SPIEL] HAUS

Mit Anmeldung.
Begrenzte Teilnehmerzahl

Info und Anmeldung
Telefon +49(0)911 240 20 36
E-Mail museumspaedagogik@nmn.de

Do, 11.4.2019, 15-21 Uhr
Der Eintritt ist frei.

15 Uhr Kuratorenführung
mit Prof. Dr. Thomas Hensel und Dr. Robert Eikmeyer, Lehrstuhl für Kunst- und Designtheorie, Hochschule Pforzheim

16 Uhr Vortrag
Gutes Spielzeug braucht das Kind – Spielzeugdesign im Spiegel der Moderne
von Dr. Urs Latus, Spielzeugmuseum Nürnberg

17 Uhr Vortrag
Was können wir aus Spielen für die Arbeit der Zukunft lernen?
von Prof. Dr. Thomas Voit, Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

18 Uhr Vortrag
Bauhaus und Spiel – Eine Einführung
von Prof. Dr. Thomas Hensel und Dr. Robert Eikmeyer, Lehrstuhl für Kunst- und Designtheorie, Hochschule Pforzheim

18.30 Uhr Vortrag
Alma Siedhoff-Buscher. Die Bauhaus-Künstlerin in Briefen und Texten
von Joost Siedhoff

ab 19.30 Uhr Book Launch
mit Olaf Nicolai

Fr, 10.5.2019, 19 Uhr

Denken an Schnittstellen. Gastvorträge am Bauhaus
Prof. Dr. Peter Bernhard, wiss. Mitarbeiter der Stiftung Bauhaus Dessau

Wie das Bauhaus den Designer erfand. Eine Beispielsammlung moderner Gestaltung
Dr. Marian Wild

Kosten: 4 Euro, ermäßigt 2 Euro.

Sa, 11.5.2019

11-13 Uhr
Für Kinder ab 8 Jahren. Kosten: 10 Euro.

15-17 Uhr
Für Erwachsene. Kosten: 10 Euro.

Workshops zur Ausstellung BAU [SPIEL] HAUS

Mit Anmeldung. Begrenzte Teilnehmerzahl
Info und Anmeldung
Telefon +49(0)911 240 20 36
E-Mail museumspaedagogik@nmn.de

Do, 16.5.19, 19 Uhr

Das Bauhaus in Weimar
Die erste Hoch­schule des Erfindens

Referent: Michael Siebenbrodt, ehemaliger Leiter des Bauhaus-Museums Weimar und Bauhaus-Experte

Eintritt: 4 Euro, ermäßigt 2 Euro.

Sa, 1.6.2019

11-13 Uhr
Für Kinder ab 8 Jahren. Kosten: 10 Euro.

15-17 Uhr
Für Erwachsene. Kosten: 10 Euro.

Mit Anmeldung. Begrenzte Teilnehmerzahl

Info und Anmeldung
Telefon +49(0)911 240 20 36
E-Mail  museumspaedagogik@nmn.de

 

Mi, 5.6.19, 19 Uhr

Das Endziel allen Schaffens
Bauhaus-Archi­tektur damals und heute

Referent: Dr. Marian Wild

Kosten: 4 Euro, ermäßigt 2 Euro.

Mi, 12.6. – Fr, 14.6.19

Bau mit!
Kinderwoche im Neuen Museum

Workshopzeiten
10-12 Uhr, Workshop für Kinder ab 6 Jahren.
11-13 Uhr, Workshop für Kinder ab 6 Jahren.
14-16 Uhr, Workshop für Kinder ab 6 Jahren.
15-17 Uhr, Workshop für Kinder ab 6 Jahren.


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Öffnungszeiten
Di–So 10-18 Uhr | Do 10-20 Uhr | Mo geschlossen
An Feiertagen gelten gesonderte Öffnungszeiten.

Eintritt
Sammlung 5 Euro | erm 4 Euro | sonntags 1 Euro.
Ausstellung (inkl. Sammlung) 7 Euro, erm 6 Euro.
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei.


Die Ausstellung ist gefördert im Fonds Bauhaus heute der Kulturstiftung des Bundes und eine Co-Organisation mit der Hochschule Pforzheim.

Neues Museum
Staatliches Museum für Kunst und Design Nürnberg

Eingang Klarissenplatz | 90402 Nürnberg

Telefon +49(0)911 240 20 69
E-Mail  info@nmn.de
Webseite

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