Egon Hartmann (1919–2009) – Stadtplaner in Ost und West

Architekturmuseum der TUM

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Er gilt als Schlüsselfigur des „Städtebaus der Moderne“ im Nachkriegsdeutschland. Egon Hartmann war nicht nur ein bedeutender Architekt der frühen DDR, er gab auch dem heutigen München sein architektonisches Profil. Er plante die Stalinallee in Ostberlin und war später an der Ausarbeitung des größten Städtebauprojekts Westdeutschlands – des Münchner Stadtteils Neuperlach – beteiligt. Hartmanns Herkunft und Jugend in seinem nordböhmischen Geburtsort Reichenberg, seine Kriegsteilnahme und die Vertreibung, der Neuanfang in Thüringen, seine beruflichen Erfolge und Rückschläge in der DDR und sein Wirken in der Bundesrepublik sind die Themen der Ausstellung „Egon Hartmann (1919–2009) – Stadtplaner in Ost und West“, dievom 11. September bis 13. Dezember 2019 im Haus des Deutschen Ostens zu sehen sein wird. Sie präsentiert Dokumente, Fotos, Kunstwerke und persönliche Gegenstände aus dem Privatnachlass des Architekten im Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) sowie aus dem Architekturmuseum der Technischen Universität München.

Die Architekturmoderne prägte bereits sein Studium, erst an der Höheren Staatsgewerbeschule in Reichenberg, dann an der Hochschule für Baukunst und Bildende Kunst (ehemals Staatliches Bauhaus) in Weimar. Seinen Berufsweg begann Egon Hartmann 1938 im Berliner Büro des Architekten Henry König. Nach dem Krieg setzte er seine Karriere fort, zunächst in der DDR, in Weimar, Erfurt und Berlin, seit 1954 in der Bundesrepublik, wohin Hartmann nach politisch motivierten Konflikten mit der damaligen ostdeutschen Führung wechselte. 1959 verlegte er seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in die bayerische Landeshauptstadt. Als Baudirektor im städtischen Baureferat München zeichneteder „Urbanist“ Hartmann unter anderem für den neuen Flächennutzungsplan (1964) und das Konzept der Stadtteile Neuperlach und Freiham verantwortlich.

Maßgeblich an Plänen für den Wiederaufbau und die Neubebauung von Städten in Ost und West beteiligt, hatte er sich in den eineinhalb zurückliegenden Jahrzehnten einen Namen gemacht: Als Chefarchitekt und technischer Leiter des Thüringischen Landesprojektierungsbüros für Stadt- und Dorfplanung war er für den Wieder- und Neuaufbau von 33 Städten dieser Region verantwortlich gewesen. Weitere Vorzeigeprojekte waren das neue Regierungsviertel in Erfurt und das erste Hochhaus der DDR (ebenfalls in Erfurt). 1951 war ihm der erste Preis für die Gestaltung der Ost-Berliner Stalinallee, 1958 derzweite Platz beim internationalen Wettbewerb „Hauptstadt Berlin“ zugesprochen worden, wobei Hartmann sich gegen einen Entwurf des berühmten Architekten Le Corbusier durchgesetzt hatte. 1954 bis 1959 entwarf er ein Konzept für den Wiederaufbau der Stadt Mainz, deren Bausubstanz zu Dreivierteln dem Bombenkrieg zum Opfer gefallen war. Hierbei arbeitete er engst mit Ernst May zusammen, Anfang der 1930er Jahre Stadtbaurat undSchöpfer des „Modernen Frankfurt“.

Renate Beck-Hartmann, München
Egon Hartmann, Brüssel, 1988

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Hartmann erwarb sich mit seinem Wirken nicht nur Lob und Anerkennung. So wurde sein Hochhaus in Erfurt in der DDR als Musterbeispiel für „fremde“, „amerikanische“ Bauweiseangegriffen, und kaum weniger heftig und nachhaltig war im Westen die Kritik an den unter seiner Leitung entstandenen Plänen für Neuperlach.

Die Ausstellung wurde vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS), Erkner, realisiert.

Dauer der Ausstellung: 
11. September bis 13. Dezember 2019

Adresse
Haus des Deutschen Ostens
Am Lilienberg 5
81669 München
Tel.: 089/ 44 99 93 - 0
E-Mail: poststelle@hdo.bayern.de

Öffnungszeiten
Mo - Fr 10 - 20 Uhr
An Feiertagen geschlossen