Gegen die Unsichtbarkeit

GRASSI Museum für Angewandte Kunst, Foto: Esther Hoyer

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Gegen die Unsichtbarkeit. Designerinnen der Deutschen Werkstätten Hellerau 1898 bis 1938 stellt erstmalig 18 Designerinnen und eine Produktfotografin vor, die im frühen 20. Jahrhundert im Kontext der Deutschen Werkstätten arbeiteten. Die Ausstellung wirft ein Schlaglicht auf Gestalterinnen, die trotz reger Entwurfs- und Lehrtätigkeit, zahlreichen Ausstellungen und erfolgreichen Wettbewerbsteilnahmen im Laufe der Zeit in Vergessenheit gerieten: Frauen, die als Möbeldesignerinnen auftraten, obwohl sie – generell zu dieser Zeit ohne Studienberechtigung – oft nur als Zeichenlehrerinnen ausgebildet waren. Frauen, die tradierte gesellschaftliche Muster durchbrachen und mit der Ausübung eines zuvor Männern vorbehaltenen Tätigkeitsbereiches mehr Autonomie und Selbstbestimmung im beruflichen und gesellschaftlichen Alltag erlangten. Frauen, die nicht nur maßgeblich zum Erfolg der noch jungen Werkstätten beitrugen, sondern auch die Reformbewegung in Deutschland entscheidend vorantrieben.

Archiv der Hochschule für Bildende Künste Dresden Bestand Bildarchiv, Sign. 08.01/00015
Schülerinnenklasse von Prof. Margarete Junge an der Kunstgewerbeschule Dresden, 1911

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27 verschiedene Berufsbezeichnungen beschrieben die Frauen unter anderem als Grafikerin, Bildhauerin, Möbeldesignerin, Innenarchitektin, Musterzeichnerin oder Textilgestalterin – ein Versuch, ihren vielfältigen Tätigkeiten und Begabungen gerecht zu werden. Letztlich sind es nach unserem heutigen Verständnis Designerinnen – freischaffende Gestalterinnen, die in unterschiedlichen Materialien und für verschiedene Auftraggeber entworfen haben. Die Ausstellung zeigt die große Bandbreite an Produkten, die über drei Generationen von Designerinnen entstanden ist. Neben Entwurfszeichnungen, die einen Einblick in den Entstehungsprozess der Objekte geben, werden über 270 Werke präsentiert, von denen viele überhaupt das erste Mal einer Öffentlichkeit zugänglich sind. Das beträchtliche Spektrum an Möbeln, Textilien und Tapeten sowie Spielzeugen und Gefäßen eröffnet damit auch neue Einblicke in die Zeit zwischen 1898 und 1938. In der umfangreichen Auseinandersetzung mit den Deutschen Werkstätten und ihren Gestalterinnen fügt die Ausstellung der Designgeschichte der Moderne ein entscheidendes Kapitel hinzu. Die Ausstellung zeigt eine andere, „gemäßigte“ Moderne, die zu Unrecht von der alles überlagernden Geschichte des Bauhauses verdrängt wurde.

SKD, Foto: Robert Vanis
Marie von Geldern-Egmond (1875-1970): Polsterstuhl, um 1905 Hersteller: Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen Dauerleihgabe, SKD, Kunstgewerbemuseum

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Ebenso vielgestaltig wie ihre Produkte waren die Biografien der Frauen. In einer zweiten „Archiv“-Ebene zeichnet die Ausstellung anhand von Briefen, Fotografien und Zeugnissen erstmals die Karrieren und Netzwerke wie auch die privaten Lebensentwürfe der Designerinnen nach. Daneben ermöglichen Magazine, wissenschaftliche Publikationen und Aus-stellungsdokumentationen den Besucher*innen, nachzuvollziehen, wie die Designerinnen zu Beginn des 20. Jahrhun-derts wahrgenommen wurden, noch tiefer in die damalige Zeit einzutauchen und dabei immer wieder der Frage nachzu-gehen: Wie konnten diese Frauen unsichtbar werden?

 

Gegen die Unsichtbarkeit. Designerinnen der Deutschen Werkstätten Hellerau 1898 bis 1938 ist eine Ausstellung des Kunstgewerbemuseums, Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, kuratiert von Klára Němečková.

Dr. Bernhard Schub
Theodor Hilsdorf (1868–1944): Porträt Bertha Senestréy, 1923 Privatbesitz

Die Ausstellung präsentiert die Designerinnen Elisabeth Bertsch-Kampferseck, Margarete von Brau-chitsch, Elisabeth Eimer-Raab, Lotte Frömel-Forchner, Marie von Geldern-Egmond, Margarete Junge, Gertrud Kleinh-empel, Charlotte Krause, Margaret Leischner, Dora Lennartz, Clara Möller-Coburg, Ulla, Schnitt-Paul, Bertha Senestréy, Emmi Seyfried, Lilli Vetter, Else Wenz-Viëtor, Ruth Hildegard Geyer-Raak, Käthe Lore Zschweigert und die Produktfoto-grafin Hedda Reidt.

Die Ausstellung begleitet ein Katalog mit umfangreichen Essays, Objektanalysen und Bildstrecken im Hirmer Verlag. Herausgeber: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Tulga Beyerle und Klára Němečková, mit Beiträgen von
F. Berger, T. Beyerle, C. Bischoff, K. Jebsen, M. Krzykowski, K. Nemeckova, M. Pepchinsky, J. Raum, V. Saccetti,
T. Scheffler, L. Sellers, K. Stöver, U. Thomas, A. Voit, 246 Seiten, 291 Abbildungen in Farbe und S/W, 22 x 30 cm,
Klappenbroschur, 39,90 €, ISBN 978-3-7774-3218-2.

  1. Eine Ausstellung im Rahmen des Hamburger Architektur Sommer 2019.
Im Zeichen von Bauhaus und Moderne

Hamburger Architektur Sommer 2019

Im Zeichen von Bauhaus und Moderne
Hamburg, div. Orte | 7.5.–31.7.2019

Der Hamburger Architektur Sommer wird seit 1994 alle drei Jahre ausgetragen und ist eine feste Größe im Hamburger Kulturleben. Er ist Plattform für eine Vielzahl von Veranstaltungen unterschiedlicher Formate zu Architektur, Landschaftsarchitektur, Innenarchitektur, Stadtentwicklung und Ingenieurbau unter Einbeziehung aller künstlerischen Disziplinen.
Für das Hamburger Programm zu 100 jahren bauhaus bildet der Hamburger Architektur Sommer den Rahmen – mit einer Konzentration auf dessen Laufzeit von Mai bis Juli 2019.

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Kessler/Beierle

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