PAULSKIRCHE – Ein Denkmal unter Druck

Frankfurt/Main | Ausstellung | bis 16.2.2020

Die Ausstellung schildert die Baugeschichte von 1786 bis heute entlang der jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Strömungen. Gezeigt werden zahlreiche historische und aktuelle Fotos sowie Entwurfszeichnungen aus der Sammlung des DAM. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Umbauten in den 1960er- und 1980er-Jahren samt den begleitenden Rufen nach Rekonstruktion eines Vorkriegszustandes, die auch heute anlässlich einer anstehenden Sanierung wiederkehren.

Text

In der Hoffnung auf Frankfurt als neue deutsche Hauptstadt wurde 1947/48 die kriegszerstörte Paulskirche als potenzieller Parlamentssitz wieder aufgebaut. Für diese Bauaufgabe von nationaler Bedeutung wurde eigens eine „Planungsgemeinschaft Paulskirche“ einberufen, der neben dem bedeutenden Kirchenbaumeister Rudolf Schwarz auch dessen ehemaliger Mitarbeiter Johannes Krahn, der Gewinner eines frühen Wettbewerbs Gottlob Schaupp sowie Stadtbaurat Eugen Blanck angehörten. Sie wollten „ein Bild des schweren Weges geben, den unser Volk in dieser seiner bittersten Stunde zu gehen hat“ und schufen einen bewusst nüchternen Raum, der für den demokratischen Neubeginn steht. Inzwischen ist die Paulskirche ein Festsaal, von dem bundesweite Debatten ausgehen.

Deutsches Architekturmuseum (DAM)/Moritz Bernoully
Eindrücke aus der Ausstellung "PAULSKIRCHE – Ein Denkmal unter Druck" im Deutschen Architekturmuseum (DAM), Frankfurt am Main

Text

Als Ort von Veranstaltungen wie dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels schreibt sie ihre politische Geschichte fort, die in der Nationalversammlung 1848/49 ihren Anfang genommen hatte. Die architektonische Qualität des Bauwerks ist bisher selten gewürdigt worden. Derzeit gerät die Paulskirche in den Fokus, da ihre Haustechnik in Kürze saniert werden muss. Dabei kommt auch die seit jeher schwelende Diskussion über den Umgang mit der Wiederaufbaulösung wieder auf, begleitet auch von Rufen nach der Rekonstruktion eines Vorkriegszustandes. In den 1960er- und 1980er-Jahren waren aus ähnlichen Debatten bereits einige – den Gesamteindruck trübende oder ergänzende – Umbauten resultiert.
Die Paulskirche, ein Denkmal. Aber wofür eigentlich? Hier trat 1848 die deutsche Nationalversammlung zusammen, um die erste deutsche Verfassung zu beschließen. Seither gilt das Gebäude als „Wiege der deutschen Demokratie“.

Deutsches Architekturmuseum (DAM)/Moritz Bernoully
Eindrücke aus der Ausstellung "PAULSKIRCHE – Ein Denkmal unter Druck" im Deutschen Architekturmuseum (DAM), Frankfurt am Main

Text

 

Genau einhundert Jahre später wurde die Paulskirche nach starker Kriegszerstörung als Zeichen des demokratischen Neubeginns in einem nüchtern-modernen Stil wieder aufgebaut. So erinnert die Paulskirche heute auch an das Jahr 1948. In der unmittelbaren Nachkriegszeit war Frankfurt Favorit im Rennen um die neue bundesdeutsche Hauptstadt – die Paulskirche galt als künftiger Sitz des Parlaments. Gekommen ist es anders. Heute ist sie der Festsaal, von dem bundesweite intellektuelle und gesellschaftspolitische Debatten ausgehen.
Ihre architektonische Qualität wird dabei selten gewürdigt. Diese Lücke möchte die Ausstellung schließen, indem sie die Bau- und Nutzungsgeschichte von den Anfängen bis heute nachzeichnet. In Kürze soll die Paulskirche technisch saniert werden. Die Rufe nach Rekonstruktion eines Vorkriegszustandes haben ihre gut 70-jährige Nachkriegsgeschichte stets begleitet. Zweimal wurde siebereits modernisiert. Der Erhalt der Wiederaufbau-Lösung war dabei keine Selbstverständlichkeit, wie der Blick in die Geschichte zeigt. So gilt es auch heute wieder, für den Erhalt des Nachkriegsdenkmals zu streiten. Es ist ein weit lebendigeres Zeugnis der deutschen Demokratie und Debattenkultur, als es eine Rekonstruktion je sein könnte.

Adresse & Öffnungszeiten

PAULSKIRCHE – Ein Denkmal unter Druck
7. September 2019 – 16. Februar 2020
im Deutschen Architekturmuseum (DAM)
Schaumainkai 43 | 60596 Frankfurt/Main

Öffnungszeiten
Di, Do — So 10—18 Uhr
Mi 10—20 Uhr
Mo geschlossen

Ausstellungsführungen
jeweils samstags und sonntags um 14 Uhr