Reine Formsache

Porzellanikon, Fotografin: Angela Francisca Endress

Porzellanikon Selb
Werner-Schürer-Platz 1 | 95100 Selb

Porzellanikon Hohenberg
Schirndinger Straße 48 | 95691 Hohenberg an der Eger

Öffnungszeiten

Di-So 10 – 17 Uhr
feiertags 10 – 17 Uhr
Mo geschlossen

Webseite

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Mit rund 1200 Exponaten ist die Schau die umfangreichste Ausstellung zum Porzellan im Bauhaus-Jahr.
Die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle ist neben dem Bauhaus die einflussreichste deutsche Kunsthochschule auf dem Gebiet der Keramik- und Porzellanausbildung. Bis heute brachte sie eine Vielzahl renommierter Porzellan-DesignerInnen hervor: von den Pionieren Marguerite Friedlaender und Gerhard Marcks in den 1920er Jahren über bedeutende Vertreter der industriellen Formgestaltung in der DDR wie Hans Merz und Hubert Petras bis hin zu Barbara Schmidt, die aktuell eine Vielzahl der Produkte von KAHLA/Thüringen Porzellan verantwortet oder Heike Philipp, die Entwürfe für den weltweit führenden Profiporzellanhersteller BHS tabletop fertigt. Während der Ausstellungsteil in Hohenberg an der Eger herausragende Porzellanentwürfe dieser und anderer bedeutender DesignerInnen von 1915 bis heute zeigt, widmet sich der Ausstellungsstandort in Selb aktuellen, höchst experimentellen Porzellanvisionen junger angehender Designer an der Burg Giebichenstein.

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„Chronik – Porzellanentwürfe 1915 bis heute“ (Hohenberg an der Eger)

Der Ausstellungsteil „Chronik – Porzellanentwürfe ausgewählter Lehrer und Absolventen 1915 bis heute“ vereint 750 Exponate der bedeutendsten DesignerInnen und Design-Ikonen des Bauhaus-inspirierten Porzellans aus den vergangenen 100 Jahren Porzellangeschichte und beleuchtet die Wechselwirkungen zwischen dem Bauhaus in Dessau und der Kunstschule in Halle. Mit dem Umzug des Bauhauses 1925 von Weimar nach Dessau erfolgte entsprechend der Maßgabe von Walter Gropius eine stärkere Orientierung der Bauhaus-Ausbildung in Richtung industrielle Serienfertigung. Die zu dieser Zeit noch sehr handwerklich arbeitende Keramikwerkstatt wurde mit diesem Umzug nicht weitergeführt. So entschlossen sich die damaligen Lehrer, Marguerite Friedlaender und Gerhard Marcks, an die vier Jahre vor dem Bauhaus gegründete Kunstgewerbeschule nach Halle zu gehen. Hier gab es bereits eine gut organisierte und fest ins Lehrprogramm integrierte Töpferwerkstatt, welche dank der guten Verbindungen Marguerite Friedlaenders zur Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin und deren Unterstützung bereits nach kurzer Zeit zur Porzellanwerkstatt ausgebaut wurde. Sowohl Friedlaender als auch Marcks entwickelten in Folge dieser Kooperation Porzellangeschirre für die KPM, die noch heute zum festen Repertoire der Berliner Manufaktur gehören, darunter die Serie „Hallesche Form“ von Marguerite Friedlaender, die in den Jahren 1929-1932 entstand. Ein weiterer Bauhäusler, Wilhelm Löber, war nach der Werkstattschließung erst Modelleur bei der KPM, dann Meisterschüler in Halle bei Marcks.
Die inhaltliche wie räumliche Nähe der Burg Giebichenstein mit dem Bauhaus und der rege Austausch zwischen beiden Schulen prägt die Kunsthochschule in Halle noch heute. Diese brachte eine Vielzahl an Porzellandesignern hervor, die sich zwar von den Bauhaus-Ideen inspirieren ließen, aber dennoch völlig eigene zeitgemäße Design-Lösungen entwickelten. Die „reine Formsache“ als Haltung und Botschaft strahlte aus über Generationen von Lehrenden, überdauerte die Zeit des Nationalsozialismus, legte den Grundstein für ein modernes DDR-Design und spiegelt sich bis heute in den Entwürfen der Absolventen.

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„DesignLab“ – Porzellan der Zukunft (Selb)

Der Ausstellungsteil in Selb „DesignLab – Die Porzellanvisionen heute“ nimmt das Porzellan als experimentellen Werkstoff in den Blick und zeigt, worin angehende DesignerInnen der Kunsthochschule Burg Giebichenstein die Zukunftspotentiale des Porzellans sehen. 450 Ausstellungsobjekte, darunter neueste Formen, Ideen, Anwendungsgebiete und experimentelle Neukombinationen, geben Einblicke in das kreative Schaffen der Porzellanvisionäre. Die Ausstellungsobjekte zeigen den radikalen Wandel der Porzellanindustrie in Europa, aber auch die enormen Veränderungen unserer Ernährungs- und Gebrauchsgewohnheiten. Die jungen DesignerInnen arbeiten am Puls der Zeit, betreiben Materialforschung und experimentieren mit neuen Schnittstellen zu den Materialwissenschaften und neuen Technologien. Neben keramischem 3D Druck werden Modellkerne gedruckt, abgeformt, abgegossen und händisch weiterbearbeitet. Lasern, fräsen, drucken, cuttern, einst untypische Verfahren zur Porzellanherstellung, sind mittlerweile selbstverständliche Gestaltungsmittel in der Keramik. Zudem ermöglicht die Kombination von Porzellan mit anderen Materialien, darunter Beton, Holz, Metall, Textil, neue zukunftsfähige Anwendungsfelder. Eine Vielzahl moderner Leuchtenlösungen, die in der Ausstellung ins rechte Licht gerückt werden, geht beispielsweise auf das Experimentieren mit Transluzenz zurück. Heute verstehen sich die Werkstätten des Keramik-/Glasdesigns der Burg Giebichenstein als „Labs“, als Orte der experimentellen Materialerkundung. Hier werden Materialgrenzen und Möglichkeiten ausgelotet und zur konkreten Form entwickelt.
Multimediastationen und eine sinnliche Ausstellungsgestaltung verorten das Porzellan in seiner jeweiligen kulturellen Verankerung zwischen Tradition und Moderne, Handwerk und Industrie, digital und analog, Experiment und Form und zeigen es mal als zeitloses, mal als visionäres Formengut.

Porzellanikon feiert 100 Jahre Bauhaus

BR/Frankenschau | veröffentlicht am 7.3.2019

Mit der Ausstellung "Reine Formsache" feiert das Porzellanikon in Hohenberg an der Eger und Selb den 100. Geburtstag des Bauhaus-Stils. Das Staatliche Bauhaus wurde 1919 von Walter Gropius in Weimar als Kunstschule gegründet.

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