THINGS TO COME

Halle (Saale) | 23.6. bis 25.8.2019
Quedlinburg | 2.10. bis 2.12.2019
Dessau | 14.12.19 bis 12.1.2020

Das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) präsentiert einen weiteren wichtigen Baustein seines Programms im Bauhaus-Jahr: Angela Zumpes Film-Installation THINGS TO COME.
Die Installation thematisiert auf mehreren Projektionsflächen in verschiedenen Szenen Ereignisse aus dem Leben des Bauhaus-Meisters László Moholy-Nagy und seiner Partnerinnen Lucia und Sibyl zwischen 1929 und 1935.

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Die Film-Installation THINGS TO COME thematisiert auf mehreren Projektionsflächen in verschiedenen Szenen Ereignisse aus dem Leben des Bauhaus-Meisters László Moholy-Nagy und seiner Partnerinnen Lucia und Sibyl zwischen 1929 und 1935.


Es ist die Geschichte eines visionären Lichtdesigners, der am Massengeschmack des Kinopublikums scheitert. Inspiriert von Entwürfen László Moholy-Nagys (1895–1946), des experimentellsten unter den Bauhaus-Künstlern, werden mit Projektoren und Lichtquellen Strukturen und Bilder auf Flächen im Raum verteilt. Mit Hilfe heutiger Digitaltechnik sind Momente aus Moholy-Nagys bewegtem Leben in jenem Stil zu sehen, der dem Künstler in den 1930er-Jahren als das Kino der Zukunft vorgeschwebt haben mag. Die Szenen sind als Licht-Bild-Ton-Inszenierung mittels Projektion im Raum angeordnet, die das Publikum in einem Parcours durchwandert.


THINGS TO COME ist ein Projekt der Kunstsammlungen Sachsen-Anhalt an insgesamt 3 Standorten und erlebt im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) seine Premiere an einem Ort, der Anfang des 20. Jahrhunderts einer der führenden für damals zeitgenössische Kunst war und sich auch heute als ein bedeutendes Museum für die Kunst in Deutschland im 20. Jahrhundert versteht und Werke der Bauhaus-Meister, allen voran von Lyonel Feininger, zeigt. Im Herbst/Winter ist die Installation in adaptierter Form in der Feininger-Galerie in Quedlinburg (2.10.-2.12.19) und in der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau (14.12.19-12.1.20) zu sehen.

bpk / Kunstbibliothek, SMB, Photothek Willy Römer / Willy Römer
Willy Römer: László Moholy-Nagy, 1924, Fotografie, Kunstbibliothek, SMB, Photothek Willy Römer

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ls László Moholy-Nagy 1923 von Walter Gropius ans Bauhaus berufen wurde, war er der mit Abstand Jüngste im Lehrkörper. Dies ist sicher einer der Gründe, warum sich Moholy-Nagy mehr als seine Kollegen Klee, Schlemmer und Kandinsky für die damals noch neuen Medien Film und Fotografie interessiert. Als er im Januar 1929 seine Lehrtätigkeit am Dessauer Bauhaus beendet, gilt es für ihn, sich ein neues Betätigungsfeld zu suchen. In Berlin versucht er zunächst als Bühnenbildner, dann als Filmemacher seine künstlerischen Visionen umzusetzen und seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Zugleich ist THINGS TO COME die Geschichte der beiden Ehefrauen des Künstlers, Lucia und Sibyl.

Links: Lucia Moholy: Blick von der Bauhausbrücke © VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Rechts: László Moholy-Nagy: Komposition A19, 1929 und Q1 Suprematistic, 1923, Courtesy of Hattula Moholy- Nagy/Light Cone Paris © VG Bild-Kunst, Bonn 2019 / Verena Walden als Lucia Moholy / Angela Zumpe im Profil © paste up production
Ausstellungsansicht, Standbild aus der Film-Installation »Things to come« von Angela Zumpe im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

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Lucia hatte László Moholy-Nagy bei seiner Berufung ans Bauhaus 1923 zunächst nach Weimar, dann nach Dessau begleitet und mit ihm gemeinsam die Fotogramme entwickelt und maßgeblich bei den theoretischen Schriften mitgewirkt. Sibyl lernte László 1931 in Berlin kennen, folgte ihm ins Exil nach London und wanderte mit ihm 1937 in die USA aus.
Mit  Beginn der 1930er-Jahre wandte sich Moholy-Nagy, der als konstruktivistischer Maler seine Laufbahn begonnen hatte, verstärkt dem damals jungen Medium Film zu. Zunächst in Berlin, später im Londoner Exil versucht er sich an der Verwirklichung seiner utopischen Ideen über ein Neues Sehen.

Tatlin Turm, Lutz Becker, 1941 © paste up production
Ausstellungsansicht, Standbild aus der Film-Installation »Things to come« von Angela Zumpe im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

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Mit seinen Überlegungen und Vorstellungen von einem grundsätzlich anderen Kino, das der gebürtige Ungar unter dem Einfluss der sowjetischen Filmavantgarde in den Jahren 1930 bis 1937 propagierte,  erlitt Moholy-Nagy in einer krisengeschüttelten Zeit Schiffbruch. Seine Ideen galten zwar als künstlerisch wertvoll, aber faktisch realitätsfremd. Anders als in der Architektur, in der das Neue Bauen trotz aller Widerstände schon bald das Erscheinungsbild der internationalen Metropolen prägte, bleibt die Massenattraktion Kino ein Ort kitschiger Gefühlswelten und romantischer Lebensentwürfe.
Von der politischen Linken als „Salonkommunist“ beschimpft, von der politischen Rechten als „Kulturbolschewist“ diffamiert, stellte sich für das Moholy-Trio die Frage einer künstlerischen Moral. Eine Debatte, die bis in unsere Gegenwart andauert.

Angela Zumpe, Frank Marten Pfeiffer (Kamera): Verena Walden (Sibyl) und Floria Denk (László) © paste up production
Ausstellungsansicht, Standbild aus der Film-Installation »Things to come« von Angela Zumpe im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Lucia Moholy: Lászlo Moholy-Nagy Ausstellung in Dresden, 1926; Bauhaus-Archiv Berlin © VG Bild- Kunst, Bonn 2019 / László Moholy-Nagy: Q 1 Suprematistic, 1923, Museum of Modern Art New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2019 / László Moholy-Nagy: Komposition A 19, 1929, Courtesy of Hattula Moholy-Nagy/Light Cone Paris © VG Bild-Kunst, Bonn 2019 © paste up production
Entwurf für die Film-Installation von Angela Zumpe im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Angela Zumpe, Frank Marten Pfeiffer (Kamera): Bei TOBIS: László (Florian Denk), Sibyl (Verena Walden), Standbilder aus „Berliner Stillleben“ von László Moholy-Nagy, Courtesy of Hattula Moholy-Nagy/Light Cone Paris © paste up production
Entwurf für die Film-Installation von Angela Zumpe im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

21.6.-25.8.19: Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

Adresse
Friedemann-Bach-Platz 5
06108 Halle | Saale

Öffnungszeiten
Mo, Di, Do–So und Feiertage: 10–18 Uhr
mittwochs geschlossen

2.10.-2.12.19: Lyonel-Feininger-Galerie Quedlinburg

Adresse
Schloßberg 11
06484 Quedlinburg

Öffnungszeiten
Mo, Mi–So und Feiertage: 10–18 Uhr (ab Nov. 10-17 Uhr)
dienstags geschlossen

14.12.19 – 12.1.20: Anhaltische Gemäldegalerie Dessau

Adresse
Puschkinallee 100
06846 Dessau

Öffnungszeiten
aktuell wegen Sanierungsarbeiten noch geschlossen

 

MAKING OF
Künstlergespräch mit Angela Zumpe, Oliver Held, Ilja Coric
Moderation: Sandra Naumann, Performance-Kuratorin (Werkleitz Gesellschaft, Halle [Saale])

Do | 27.06.2019 | 18 Uhr, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Do | 09.01.2020 | 17 Uhr, Anhaltische Gemäldegalerie Dessau

„Und die Geister nehme ich mit“ – Ein persönlicher Werkstattbericht
Filmgespräch und Buchvorstellung mit Angela Zumpe
Moderation: Peter Zorn (Werkleitz Gesellschaft, Halle [Saale])

Das Buch ist die persönliche Geschichte der Berliner Künstlerin Angela Zumpe, die nach der Wende als Professorin für Audiovisuelle Medien an die Hochschule Anhalt nach Dessau kommt. Sie schildert eine Zeit von Aufbruch, Umbruch und Gründung. Es erscheint im Juni 2019 im Distanz
Verlag.

Do | 11.07.2019 | 18 Uhr, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Fr | 22.11.2019 | 19 Uhr, Lyonel-Feininger-Galerie, Quedlinburg
Do | 19.12.2019 | 17 Uhr, Anhaltische Gemäldegalerie Dessau

Angela Zumpe, Filmemacherin, Mediengestalterin und Malerin
Nach dem Malerei- und Filmstudium entwickelte sie TV-Design für div. Sender. Es folgten Videoinstallationen, künstlerische Kurz- und Langfilme, Publikationen zu neuen Narrationen im Film. Nach Professuren in Stuttgart , Mainz und Essen ist sie seit 1998 Professorin für Audiovisuelle Medien am Fachbereich Design der Hochschule Anhalt in Dessau-Roßlau.

Oliver Held, Freischaffender Autor für Theater und Film
Nach der Realisation des Hörspiels ERWARTUNG nach Motiven von Arnold Schoenbergs gleichnamiger Oper übertrug er Andy Warhols einziges Theaterstück PORK zusammen mit dem Übersetzer Jürgen Kohlmeier ins Deutsche. 2012 inszeniert e er den Low-Budget-Spielfilm PINS+BALLS, 2015 die Neufassung von TOT IN NEW YORK. 2017 hatte das Stück AUNT SALLY im a-trane Premiere.

Ilja Coric, Filmmusikkomponist
Er studierte Jazzgitarre und hat in seiner Laufbahn als Komponist an vielen unterschiedlichen Projekten gearbeitet, sei es die Erfolgsserie DANNI LOWINSKI, zahlreiche Dokumentarfilme für Arte, Radiofeature und Produktionen im Techno-Kontext. Seine eigene Music Library, THERADIOAFFAIR, ging März 2019 online.

  1. Die auf dieser Seite angegebenen Informationen wurden der Medieninformation des Kunstmuseum Moritzburg in Halle (Saale) vom 21.6.2019 entnommen.

BAUHAUS_SACHSEN

Leipzig, GRASSI Museum | Ausstellung | bis 29.9.2019

Im Jahr 2019 heißt es vielerorts „100 Jahre Bauhaus“. Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst punktet im Jubiläumsjahr neben seinen Fenstern vom Bauhausmeister Josef Albers auch mit dem Schwerpunktthema Bauhaus in seiner Dauerausstellung.

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Foto: Thomas Moecker