Tradition und Moderne im Stil der Neuen Sachlichkeit

Marc Naroska

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Mit dem Bauhaus-Dinner der Kunststiftung Sachsen-Anhalt in Halle am 4. Dezember 2018 begannen für die KPM Berlin die Feierlichkeiten anlässlich 100 Jahren Bauhaus. Zu Ehren der Bauhausschülerin Marguerite Friedlaender kamen Experten der Kunst-, Design- und Handwerksbranche zusammen, um sich im Rahmen eines thematisch abgestimmten Menüs und Rahmenprogramms auf das Jubiläumsjahr einzustimmen. Die KPM Berlin war mit Porzellanstücken vor Ort, die einst von Friedlaender erdacht wurden und deren Beliebtheit sie noch heute ehrt.

 

Bauhaus-Designer und ihre Entwürfe für die KPM Berlin

Die Lehrenden und Schüler der Burg Giebichenstein in Halle, der wichtigsten Lehreinrichtungen der Bauhauszeit, widmeten sich für die materialgerechte, funktionale Form aller Dinge verschiedensten Materialien, auch Porzellan wurde von ihnen als Werkstoff eingesetzt. Aus der intensiven Auseinandersetzung mit diesem Material resultierte im November 1929 die Gründung der Schuleigenen Porzellanwerkstatt unter Leitung von Marguerite Friedlaender, die, zunächst am Bauhaus und seit 1925 an der Burg tätig, als erste Frau in der Position einer keramischen Werkstattleitung eingesetzt wurde. Gemeinsam mit ihrem späteren Ehemann Franz Rudolf Wildenhain leitete sie das „künstlerische Versuchslaboratorium“, in dem sie auch für die KPM Berlin kreativ wurde. Hervor ging als erster Entwurf für die Berliner Porzellan-Manufaktur und, unterstützt durch die Freundschaft zum damaligen KPM-Direktor Günther von Pechmann, bereits ein Jahr später das Kaffee- und Mokkaservice „Halle´sche Form“. 1931 folgten mit der Vasenserie HALLE weitere Stücke, die sich hinsichtlich ihrer Formsprache an die Produktbedingungen der Bauhausjahre hielten. Parallel dazu erschien mit dem Konfektschalensatz auch der erste Auftragsentwurf von Gerhard Marcks für die Manufaktur.

KPM Berlin
Vasen HALLE von Marguerite Friedlaender
KPM Berlin
Kaffee- und Mokkaservice „Halle´sche Form“

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Materialgerechte, handwerkliche Verarbeitung

Die Entwürfe der Bauhauszeit folgten dem Wunsch nach funktionaler Klarheit und technischer Zweckform. Puristische Architektur, reduzierte Kunst und formgerechtes Design verbalisierten den Wunsch nach Struktur und funktionsgerechtem Minimalismus. Die Zweckmäßigkeit der Dinge wurde bei allen Entwürfen klar in den Vordergrund gestellt. Auch bei der KPM Berlin folgte die Form der Funktion, wie beispielsweise die Vase HALLE von Friedlaender beweist. Ohne unnötige Details machen ihr bauchiger Rumpf und kegelförmiger Hals sie zu einem hochfunktionalen Designobjekt nach Bauhaus-Ästhetik. Auch das Mokka- und Kaffeeservice HALLE´SCHE FORM sowie das HALLE TABLEAU entsprechen diesem zurückgenommenen, an geometrischen Formen orientiertem Design.

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Bauhaus-Designs der Jetztzeit

Gemäß des Anspruchs, Kunst und Handwerk in neuer Einheit zu präsentieren, sucht die KPM Berlin für das 100-jährige Bauhausjubiläum den Schulterschluss mit der Tapetenfabrik Gebrüder Rasch, die sich als einer weniger Hersteller mit dem Bauhauslogo von Oskar Schlemmer schmücken darf. Vor fast 90 Jahren kam die erste Kollektion der Bauhaus Tapete auf den Markt. In diesem Jahr stellt Rasch Entwürfe der neu aufgelegten Bauhaus Tapete, angelehnt an Originaldesigns von Bauhaus-Absolventen, zur Verfügung.
Anlässlich des Jubiläumsjahres editierte das Design-Team rund um KPM Berlin Chef-Designer Thomas Wenzel auf Basis dieser Tapeten den Bauhaus-Klassiker HALLE Vase sowie das im Bauhausstil gestaltete Service URBINO neu. Angelehnt an die damalige Zeit, zieren die Stücke in neuem b100 Dekor jetzt geometrisch anmutende Bauhaus-Muster. „Es freut uns sehr, dass wir durch die Zusammenarbeit mit der Tapetenfabrik Gebrüder Rasch die Möglichkeit bekommen, Porzellanklassiker der Bauhausära nun eine neue Optik zu geben, die eindeutig auf die Zeit verweist“, so KPM Berlin Geschäftsführer Bernd Lietke, der maßgeblich an der kreativen Zusammenarbeit beteiligt ist.
Ähnlich zur früheren Zusammenarbeit mit der Burg arbeitet die KPM Berlin pünktlich zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum in diesem Jahr darüber hinaus auch mit der Universität der Künste Berlin zusammen und lässt in interdisziplinärem Austausch heutiges KPM-Porzellan im Bauhaus-Stil interpretieren.


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Seit über 250 Jahren steht die KPM Berlin für Design „Handmade in Berlin“. Die pulsierende Metropole war schon immer das Zuhause der Manufaktur. Im Herzen der Hauptstadt arbeiten rund 200 Manufakturisten an zeitlosen Entwürfen mit höchstem Qualitätsanspruch. Nur wer sein Handwerk perfekt beherrscht, schafft vollkommene Meisterwerke von bleibendem Wert.
Es benötigt 29 Arbeitsschritte, die in 14 Arbeitstagen von 25 Manufakturisten ausgeführt werden, um ein Porzellanstück mit dem Anspruch der KPM zu fertigen. Mit zehn Qualitätskontrollen wird dabei jedes Objekt von Hand verlesen.

KPM Berlin
Vase HALLE von Marguerite Friedlaender
  1. [Quelle:] Pressemitteilung der KPM – Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin