Unvollendete Metropole:
100 Jahre Städtebau für Groß-Berlin

Berlin | Ausstellung | bis 3.1.2021
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Vor 100 Jahren, am 1. Oktober 1920, wurde die „neue Stadtgemeinde Berlin“, auch Groß-Berlin genannt, geschaffen. Ein Jahrhundertereignis! Über Nacht erhöhte sich die Stadtfläche von 66 auf 878 km² und die Bevölkerung von 1,9 auf knapp 3,9 Millionen Einwohner. Das alte Berlin wurde mit sieben Städten, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken vereinigt. Die Ausstellung fächert Themen anhand exemplarischer Orte, Projekte und Pläne auf, die die Metropole Berlin geprägt und verändert haben.

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(Groß-)Berlin erhielt eine neue Struktur: einen Magistrat und 20 Bezirke. Seither entwickelte sich (Groß-)Berlin politisch, städtebaulich und baulich im weiten räumlichen Rahmen der 1920 geschaffenen Verhältnisse und im umstrittenen institutionellen Rahmen von zentraler und bezirklicher Ebene. Dazu kam das fragile Verhältnis zwischen dem neuen Berlin und Brandenburg. Demokratisch regiert wurde (Groß-)Berlin freilich nicht lange – nur von 1920 bis 1933 und seit 1990. (Groß-)Berlin ist ein mehrfach gebrochenes, unvollendetes politisches wie städtebauliches Projekt.

Vor allem fünf räumliche Faktoren prägten die Entwicklung der Metropole Berlin: Zentrenvielfalt, Wohnungsfrage, Verkehrsfrage, Grünfrage sowie Verteilung von Großprojekten der Infrastruktur, der Industrie und des Militärs. Diese fünf Faktoren erlauben es nicht nur, die Entwicklung und die Einzigartigkeit von (Groß-)Berlin zu verstehen, ihre sinnvolle Kombination ermöglicht es auch, die Metropole nachhaltig zu steuern. Berlin ist freilich von Brandenburg abhängig und Brandenburg ist von Berlin abhängig.

In der Ausstellung werden all diese Themen anhand exemplarischer Orte, Projekte und Pläne entfaltet, die die Metropole Berlin geprägt und verändert haben. Oft sind sie oft von internationaler Bedeutung – als Vorbild oder als Schreckbild. Berlin steht aber nicht allein. Auch andere europäische Metropolen ringen um eine nachhaltige Gestaltung ihres stürmischen Wachstums – in besonderem Maße Moskau, Wien, Paris und London. Wie diese Metropolen ist Berlin nicht nur Großstadt, sondern auch Hauptstadt.

Die Ausstellung

Krisenjahr 1920 Bildung von Groß-Berlin Mitten in der heftigen Krise nach dem Ersten Weltkrieg, am Ende der Spanischen Grippe, nur einen Monat nach dem Kapp-Putsch, in einer Zeit, als Berlins, ja Deutschlands Zukunft völlig unklar war, entstand auf Beschluss der preußischen Landesversammlung zum 1. Oktober 1920 die „neue Stadtgemeinde Berlin“ (Groß-Berlin-Gesetz vom 27. April 1920). ––– In der Spur – Bahn-Verkehrsfrage Groß-Berlin war eine Schöpfung der Eisenbahn. Erst der Schienenschnellverkehr ermöglichte den Bau von Vororten. Die Bildung von Groß-Berlin führte zu einer grundsätzlichen Reform des öffentlichen Verkehrs: 1928 wurde eine einheitliche kommunale Verkehrsgesellschaft geschaffen, die Berliner Verkehrs-AG (BVG). –––   Aus der Spur Auto-Verkehrsfrage Groß-Berlin war zuerst eine Schienenmetropole, dann mehr und mehr eine Autometropole. Erste planerische Grundlagen dafür wurden 1910 im Wettbewerb Groß-Berlin angedacht und in der Weimarer Republik geschaffen.

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–––   Mitten allerorten Zentrenfrage Nach der Gründung von Groß-Berlin veränderte sich das System der Zentren grundlegend: Neben dem unbestrittenen Hauptzentrum zwischen Alexanderplatz und Reichstag gewann das aufstrebende Zentrum des Neuen Westens um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche an Bedeutung. –––   Wirklich sozial? Wohnungsfrage Groß-Berlin war von Anfang an ein Experimentierfeld unterschiedlichster Wohnungs- und Städtebaupolitiken, eine Bühne des Kampfes gegen die größte Mietkasernenstadt der Welt. Wohnungselend und Wohnungsknappheit begleiteten die gesamte Geschichte von Groß-Berlin. –––   Parks Plätze PlatanenGrünfrage Wie kann die ständig wachsende Großstadt gesund bleiben? Durch Straßenbäume und viel, viel Grün! Die erste große Tat zum Schutz der Grünflächen war 1915 der Dauerwaldvertrag. Er reservierte umfangreiche Waldflächen für die Naherholung.

Till Budde
Ausstellungseröffnung "Unvollendete Metropole: 100 Jahre Städtebau für Groß-Berlin" im Kronprinzenpalais Unter den Linden

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–––   Infrastruktur Industrie Militär Parade großer Projekte Während große Pläne die erwünschten Ziele andeuten, prägen Großprojekte den Raum der Großstädte unmittelbar. In Berlin waren das zunächst Industrieanlagen, Häfen, Truppenübungsplätze, Zentren der Wissenschaft und Krankenhausanlagen, später auch Riesenkraftwerke, Flughäfen, ein Messegelände und – jenseits der Grenzen Berlins – eine Filmstadt. –––   Macht und Ohnmacht Parade großer Pläne Große Pläne pflastern den Weg von Groß-Berlin. Den Auftakt bildete der Wettbewerb Groß-Berlin 1908 – 1910. Es folgten die Bemühungen um einen Generalsiedlungsplan für Berlin und einen Entwicklungsplan für Brandenburg-Mitte in der Weimarer Republik, dann die Arbeiten am Generalbebauungsplan unter der Leitung von Albert Speer, unmittelbar nach dem Krieg die Pläne des Planungskollektivs um Hans Scharoun und schließlich die großen Pläne für die geteilte Stadt.

Till Budde
Festakt im Garten des Kronprinzenpalais zur Eröffnung der Ausstellung „Unvollendete Metropole“
Quelle: Landesarchiv Berlin, F Rep. 270, A 9054
Übersichtsplan nach dem Groß-Berlin-Gesetz vom 27. April 1920 mit 20 Verwaltungsbezirken und Dauerwaldflächen.
Bild: Provisorischer Regionalausschuss. Planungsgruppe Potsdam: Grundlagen und Zielvorstellungen für die Entwicklung der Region Berlin. 1. Bericht – 5 / 90 – Kartenteil
Plan des Provisorischen Regionalausschusses 1990. Noch vor der Wiedervereinigung Berlins traf sich eine Gruppe von Fachleuten aus Ost und West, Nach ihren Empfehlungen sollte eine Zersiedelung des Umlands verhindert, Freiflächen gesichert, vorhandene Zentren gestärkt, die städtebaulichen Kulturwerte der Region erhalten, gleichwertige Lebensbedingungen erstrebt und der öffentliche Verkehr verbessert werden – und dies alles ökologisch und sozial verträglich.

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–––   Gefragt wie ungefragt Planungskultur Die städtebauliche Entwicklung der Metropole wurde immer wieder von heftigen Auseinandersetzungen begleitet, an denen sich nicht nur Fachwelt, Politik und Verwaltung, sondern auch Wirtschaft und Zivilgesellschaft beteiligten. Dabei ging es um Ziele, Instrumente, Institutionen und Geld. –––   Ungeliebte Hauptstadt? Schaufenster Deutschlands Im Jahr 1920 war die Stadt Berlin nicht einmal ein halbes Jahrhundert Deutschlands Hauptstadt. Sie war alles andere als die unumstrittene Mitte eines großen europäischen Staates wie etwa London und Paris, sie war eher wie Rom und Moskau eine junge Hauptstadt, deren Ruf nicht immer der beste war. –––   Ach, die liebe VerwandtschaftStadt und Land in Brandenburg Die Metropole war und ist mehr als Berlin! Bereits nach dem Dreißigjährigen Krieg begründete der Große Kurfürst die Ausdehnung der neuen Residenz in die Mark Brandenburg. Den Schlössern in Oranienburg und Potsdam folgte bald Charlottenburg. Vor allem aber bauten die preußischen Könige Potsdam aus – eine einzigartige Schlösser- und Parklandschaft im Südwesten Berlins. –––   Wir sind nicht allein – Blick nach Europa Um 1900 begannen in Europa die Versuche, die rasch expandierenden Großstädte politisch, administrativ und planerisch neu zu ordnen. Das war nicht nur in Berlin ein sehr schwieriger Prozess, der durch widersprüchliche Interessen behindert wurde und daher nur selten erfolgreich war.

Postkarte, Polinna Hauck Landscape + Urbanism/Studio Amore Burke Harmel Jank GbR
Postkarte: Straßenfest am Bundesplatz, dem Herzstück der Bundesallee, initiiert von der Initiative Bundesplatz, Oktober 2015. Die Bundesallee ist nicht irgendeine Straße, der Bundesplatz nicht irgendein Platz. Beide fallen schon durch ihren besonderen Namen auf, sie bilden überdies eine der auffälligsten städtebaulichen Figuren im Berliner Stadtgrundriss. Sie sind beide – neben der Stadtautobahn – die eindringlichsten Zeugen des Umbaus West-Berlins zu einer autogerechten Stadt. Seit 2010 setzt sich die Initiative Bundesplatz, eine der größten Bürgerinitiativen Berlins, für die Wiederbelebung des Platzes als Aufenthaltsort, für die Eindämmung des Autoverkehrs und mittelfristig für die Aufgabe des Tunnels ein – bislang, trotz aller verbalen Unterstützung, mit begrenztem Erfolg.

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Bitte beachten Sie, dass die maximale TeilnehmerInnenzahl auf zehn Personen beschränkt ist. Die Kosten für eine normale Führung betragen 70 €.

Unvollendete Metropole
bis 3. Januar 2021

Kronprinzenpalais
Unter den Linden 3 | 10117 Berlin

täglich 10–18 Uhr,
außer 24.-26.12.20 und 1.1.2021
Eintritt kostenfrei

Metropolengespräche

Antworten auf diese drängenden Gegenwarts-­ und Zukunftsfragen werden im Rahmen städtebaulicher Metropolengespräche gegeben, die die Ausstellung Unvollen­dete Metropole begleiten.

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