urbainable – stadthaltig.

Positionen zur europäischen Stadt für das 21. Jahrhundert

Berlin | Ausstellung | bis 22.11.2020

Ihre Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft hat die „europäische Stadt“ seit der Antike zum Erfolgsmodell gemacht. Ist sie heute noch imstande, den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu begegnen?

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Die Defizite liegen zunächst auf der Hand: Städte belasten Umwelt und Gesundheit, sie sind Schauplatz sozialer Konflikte wie der Verteilung von Arbeit, Wohnraum und Vermögen. Doch wäre es denkbar, dass die Stadt nicht nur Teil des Problems, sondern auch Teil der Lösung ist?

Bereits mit ihrem Titel spielt die Akademie-Ausstellung „urbainable – stadthaltig“ auf die Hypothese an, dass Nachhaltigkeit und Stadt nicht unabhängig voneinander gesehen werden können. Sie setzt sich mit der Rolle der europäischen Stadt in Zeiten der Klimaerwärmung, der Digitalisierung, des demografischen Wandels und der Auflösung traditioneller sozialer Netzwerke auseinander.

urbainable – stadthaltig
5. September – 22. November 2020

Di – So 11–19 Uhr
Eintritt 9/6 Euro erm.
Bis 18 Jahre Eintritt frei

Der Kauf eines Zeitfenster-Tickets unter adk.de/tickets wird empfohlen.

 

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Die Ausstellung „urbainable – stadthaltig“ besteht aus zwei Teilen. Eine Rauminstallation aus Bildern des Berliner Fotografen Erik-Jan Ouwerkerk bildet ein urbanes Panorama, das – durch Fakten aus den Recherchen des Instituts für Entwerfen und Städtebau der Leibniz Universität Hannover ergänzt – in das Thema einführt. Im Hauptteil der Ausstellung zeigen 34 Mitglieder der Sektion Baukunst und ihre Gäste, wie diese Potenziale konkret genutzt werden können. Ihre Projekte, Visionen und Initiativen aus den Bereichen Architektur, Ingenieurwesen, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung zeigen ein breites Spektrum an Ideen für die Stadt der Zukunft, vom konstruktiven Detail bis zur stadtplanerischen Vision, von der Gebäudetechnik bis zum politischen Diskurs. Entstanden ist ein Kaleidoskop der Konzepte, eine Tour d’Horizon durch die aktuelle europäische Architektur und Stadtplanung entlang der drängenden Themen unserer Zeit wie Digitalisierung, Mobilität, neue Technologien, Verdichtung der Städte, Umgang mit der Natur oder Bauen im Bestand.

Erik-Jan Ouwerkerk
Bahnhof Estação do Oriente, Lissabon, 2016

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Die aktuelle Schau wurde bereits vor der Corona-Krise geplant und konzipiert, doch bei ihrer Durchführung wurde die Erfahrung der Pandemie einbezogen. Schon jetzt zeigen sich die enorme Anpassungsfähigkeit und das kreative Potenzial unserer Städte. Dieses Potenzial zu nutzen, anstatt nur die Defizite der Städte zu beheben, ist das Plädoyer dieser Ausstellung.

Beteiligte Mitglieder
Fritz Auer, Thomas Auer, Klaus Bollinger, Michael Bräuer, Arno Brandlhuber, Winfried Brenne, Kees Christiaanse, Annette Gigon, Almut Grüntuch-Ernst, Guido Hager, Peter Haimerl, Thomas Herzog, Regine Keller, Karla Kowalski, Anne Lacaton, Pierre Laconte, Regine Leibinger, Hilde Léon, HG Merz, Günter Nagel, Florian Nagler, Irina Raud, Ian Ritchie, Matthias Sauerbruch, Jörg Schlaich, Helmut C. Schulitz, Thomas Sieverts, Enrique Sobejano, Volker Staab, Christiane Thalgott, Kjetil T. Thorsen, Marco Venturi, Jörn Walter, Wilfried Wang

Erik-Jan Ouwerkerk
Nothing to see here, Berlin, 2007

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Introtext Foyer     Die große Aufgabe des 21. Jahrhunderts lautet Nachhaltigkeit. Globalisierung und Digitalisierung sowie Klima- und Mobilitätswende haben oberste Priorität. Im Mittelpunkt dieser Herausforderung stehen die Städte, denn hier wird die meiste Energie verbraucht, die meisten klimaschädlichen Gase erzeugt, die meisten Ressourcen verschlungen, am meisten Boden versiegelt, die meisten Abfälle generiert. Sie sind der Schauplatz der großen sozialen Konflikte – der Verteilung von Wohnraum, von Arbeit und Vermögen. Hat das Erfolgsmodell „europäische Stadt“ ausgedient oder kann es einmal mehr seine Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft unter Beweis stellen? Ist es ein Hindernis auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft oder könnte es gar Teil der Lösung sein? Die Ausstellung umfasst zwei Teile: eine Text-Foto-Installation zu den zahlreichen Nachhaltigkeitspotenzialen der Städte und eine Präsentation von 33 Projekten aus den Bereichen Architektur, Ingenieurwesen, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung von Mitgliedern der Sektion Baukunst und ihren Gästen.
Für die großzügige Unterstützung dieser Ausstellung danken wir allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, ihren Gästen sowie der Leibniz Universität Hannover, der Wüstenrot Stiftung, der Euroboden GmbH und insbesondere der Firma PERI, die ihr System PERI DUO zur Verfügung gestellt hat. Wir haben dieses mehrfach verwendbare Schalungssystem als Grundmodul für die Ausstellungsarchitektur gewählt, da es nach dieser Zwischennutzung vollständig seiner eigentlichen Bestimmung auf dem Bau zugeführt werden kann.
Tim Rieniets, Matthias Sauerbruch, Jörn Walter


Text Halle 1     Egal ob in der Fachwelt, in den Medien oder im politischen Diskurs – wir sind es gewohnt, dass man die vielen Vorteile der Stadt als selbstverständlich hinnimmt, aber ihre Defizite umso mehr betont: ihren Mangel an bezahlbarem Wohnraum, die Konzentration von Feinstaub und anderen Umweltgiften, die hohen Lebenshaltungskosten, den Lärm, den Stress, die Gefahren. Wollen wir unseren Städten eine Zukunftschance geben, so die einhellige Meinung, müssen diese Probleme gelöst werden. Dabei wird allzu leicht übersehen, welche Vorteile die Stadt für ihre Bewohnerinnen und Bewohner Tag für Tag hat – und welche Potenziale sie darüber hinaus für die nachhaltige Entwicklung der gebauten und der sozialen Umwelt bereithält.

Erik-Jan Ouwerkerk
Baum vor Brandwand, Berlin, 2007
Erik-Jan Ouwerkerk
Paris, 2017
Erik-Jan Ouwerkerk
Ehemalige Landebahn Tempelhofer Feld, Berlin, 2017

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Text Halle 1     Der Fotograf Erik-Jan Ouwerkerk und das Institut für Entwerfen und Städtebau der Leibniz Universität Hannover haben sich auf die Suche gemacht. Mithilfe von Fotografien, Zeichnungen und Texten haben sie nach intensiver Recherche eine Vielzahl verborgener Potenziale in unseren Städten aufgespürt. Das Ergebnis dieser Suche ist so vielfältig, überraschend und bisweilen widersprüchlich wie die Städte selbst. Es ist ein Plädoyer für den urbanen Raum, der – allen Defiziten zum Trotz – schon heute ungeahnte Möglichkeiten des Wandels und der Reform anzubieten hat.


Text Halle 2     Die Mitglieder der Sektion Baukunst fühlen sich seit langem der nachhaltigen Architektur und Stadtentwicklung verpflichtet. Nun präsentieren sie – mit geladenen Gästen aus dem In- und Ausland und erstmals in einer gemeinsamen Ausstellung – Ideen, Projekte und Erfahrungen aus ihrer vielfältigen Praxis. Ihre Beiträge umfassen das gesamte Spektrum des nachhaltigen Bauens, vom konstruktiven Detail bis zur stadtplanerischen Vision und von der Gebäudetechnik bis zum politischen Diskurs. Manche Mitglieder werfen einen kritischen Blick in die Vergangenheit und auf die Gegenwart, andere wagen einen visionären Blick in die Zukunft. Allen Projekten gemeinsam sind die Kontinuität der Veränderung und eine Verpflichtung gegenüber dem Gemeinwohl. Es ist ein Kaleidoskop der Konzepte entstanden, eine Tour d’Horizon durch die Studios europäischer Architektinnen und Architekten zu Beginn der Zwanzigerjahre des 21. Jahrhunderts.
Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der Ausstellungsarchitektur, die gemeinsam mit den Mitgliedern entwickelt wurde. Sie gleicht einer Stadt – voller ungeahnter Wege und überraschender Entdeckungen. Sie widersetzt sich der Versuchung, Patentrezepte und einfache Botschaften zu präsentieren, sondern möchte dazu ermutigen, sich auf die Zukunft unserer Städte einzulassen. Denn wie in der Vergangenheit wird die Erneuerungsfähigkeit der europäischen Stadt weniger durch Idealkonzepte „von oben“ vorangetrieben als von den vielfältigen Initiativen ihrer Bürgerinnen und Bürger.

Erik-Jan Ouwerkerk
Breite Straße Ecke Leipziger Straße (ehem. Ministerium für Bauwesen der DDR) mit Street Art The Wrinkles of the City von JR, Berlin, 2014

Talkshop Museum

Berlin | Gesprächsreihe | bis 31. Oktober 2020

Das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung bekommt einen Neubau. In der Gesprächsreihe Talkshop Museum geht es um Fragen, die sich das Haus auf dem Weg zum neuen Museum stellt: Wie erreicht man Menschen, die bisher nicht ins Museum kommen? Sollten Museen sich einen jugendlichen Beirat holen? Wie stellt man inklusiv aus? Und wie gestaltet man Ausstellungen nachhaltig?

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