weiß. nullpunkt der moderne.

Jan Kobel

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Wie keine andere Farbe steht die Farbe weiß für den Aufbruch in die Moderne. weiß ist die Farbe des Lichts, die Farbe der reinen Form, die Farbe des Neustarts und des leeren, erst noch zu beschreibenden Blattes Papier. Die Farbe weiß hat aber auch eine politische Dimension. weiß steht für Unschuld in dem Sinne, wie die Ideologen der Moderne sich von Tradition und gestalterischen Werten absetzen wollten. Diese Ideen waren von einer künstlerischen Avantgarde bereits um die Jahrhundertwende in ganz Europa formuliert worden, zum Beispiel durch den De Stijl-Künstlerbund in Holland. Für ihren Durchbruch bedurfte es jedoch des Zusammenbruchs der Alten Welt, den zuerst das Jahr 1918, dann, verschärft, das Jahr 1945 verkörperte.

Erst ein von Krieg, Leid und Schuld erschüttertes Land bot den Resonanzkörper für die radikale Idee eines architektonischen, gestalterischen und städteplanerischen Neustarts. weiß – in aller Unschuld und befreit vom Ballast der Väter. Das Bauhaus in Weimar als erste avantgardistische Ausbildungsstätte des modernen Gestaltens war DER Durchlauferhitzer für diese Idee. Nicht zufällig entstand das Bauhaus am gleichen Ort und zur gleichen Zeit wie die Gründung der Weimarer Republik: Als Walter Gropius im April 1919 das Staatliche Bauhaus in Weimar gründete, rang nebenan noch die Deutsche Nationalversammlung um die neue Reichsverfassung.

weiß. nullpunkt der moderne

Kuratorin: Judith Rüber

Ausstellungen / Diskussionen / Konzerte / Lesungen / Puppenspiel / Mitmach-Werkstatt

Öffnungszeit Ausstellung:
täglich bis 31.8.19, 10 bis 18 Uhr

Eintritt:
Ausstellung 8,00 € / ermäßigt 0,00 €
Veranstaltungen: 0,00 bis 14,00 € (je nach Veranstaltung)

Adresse:
Quenselstraße 16
99310 Arnstadt

Weitere Informationen

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Die Ausstellung  weiß. nullpunkt der moderne. geht diesen gestalterischen, ideologischen und diskursiven Fragen nach. Dabei soll die Farbe weiß sowohl in ihrer sinnlichen Vielfalt erfahrbar werden – denn weiß ist nicht einfach weiß –, als auch die mit weiß konnotierte Programmatik des absoluten Neustarts hinterfragt werden. Denn die mit der modernen Architektur einhergehende Industrialisierung des Bauens bedeutet zugleich die Zerstörung des Handwerks und der lokalen Baukulturen überall auf der Welt. Der Purismus der Moderne dient dieser Bauindustrie bis heute als ästhetisches Deckmäntelchen für die Tristesse und Ödnis ihrer Resultate. Der Milchhof Arnstadt dagegen ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie sich moderne Formensprache, sinnliches Erleben und soziales Bauen miteinander vereinbaren lassen. Die Ausstellung will dies anhand des Gebäudes und seines Architekten Martin Schwarz (1885 – 1945) dokumentieren.

Die Ausstellung zeigt und bietet darüber hinaus: Malerei, Skulptur, Fotografie und Videos zeitgenössischer Künstler. Interaktive Installationen, die Fragen des Bauens und Gestaltens thematisieren. Neun Veranstaltungen an den Wochenenden mit Lesungen, Konzerten, einem Puppenspiel und Podiumsdiskussionen.

Samstag, 15.06.2019, 18:00 Uhr: Ornament als Verbrechen / die Ornamentverachtung der Moderne
Podiumsdiskussion mit María Ocón Fernández, Amandus Sattler , Thomas Weil, Thomas Laubert und Jan Kobel

Samstag, 22.06.2019, 15:00 Uhr: Hannes Meyer und das Bauhaus als soziale Bewegung
Podiumsdiskussion mit Werner Möller, Thomas Flierl, Hans-Rudolf Meier und Judith Rüber

Samstag, 22.06.2019, 19:00 Uhr: Paris-Weimar-Tokio / Neue Musik von Auric, Varese, Domeniconi, Böttger, Terashima, Fukushima, Wolschina und Wecks.
Konzert mit Uraufführung. Mit Reinhard Wolschina, Chris Bilobram, Joy Dutt und Romeo Wecks

Freitag, 05.07.2019, 18:00 Uhr: Gropius – der Architekt seines Ruhms / zum 50. Todestag von Walter Gropius
Lesung mit Bernd Polster

Freitag, 12.07.2019, 18:00 Uhr: Die Abenteuer des kleinen Buckligen / Die Marionetten des Oskar Schlemmer
Puppentheater mit Musik von Paul Hindemith. Mit Christian Georg Fuchs und Reinhard Schmiedel

Freitag, 19.07.2019, 18:00 Uhr: Phönix aus der Asche / Das Quartier am Milchhof
Podiumsdiskussion mit Sabine Wosche, Petra Wollenberg, Dieter Blase, Heinrich Böll, Daniel Woite sowie Unternehmern und Vertretern der Stadt Arnstadt

Samstag, 10.08.2019, 18:00 Uhr: 300 Jahre Moderne Musik / von Bach über Cage bis zu Reich und Shai
Konzert mit Uraufführung / Ensemble Tamuz

 

weiß. nullpunkt der moderne.
Eine Ausstellung im Milchhof Arnstadt
von Judith Rüber

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Milchhof Arnstadt

ORT | GRAND TOUR DER MODERNE

Der 1928 von Martin Schwarz errichtete Milchhof Arnstadt veranschaulicht, wie sich im Industriebau der Moderne Funktionalität und soziale Verantwortung zu einer architektonischen Einheit verbanden. Das in Sanierung befindliche Baudenkmal soll als Kulturzentrum wiederbelebt werden.

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