Die Moderne in Hamburg

In den 1920er-Jahren entwickelte Hamburg mit dem Backsteinexpressionismus eine eigenständige Spielart der Moderne. Eine Ikone dieses Baustils ist das 1924 von Fritz Höger errichtete Chilehaus. Neben dem international bekannten und zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Kontorhausviertel prägte der Hamburger Oberbaudirektor Fritz Schumacher in seiner Schaffenszeit die Hansestadt durch zahlreiche weitere städtebauliche und architektonische Werke: So sind die in den 1920er-Jahren entstandenen Siedlungen Jarrestadt oder Dulsberg Planungen, die mit Weitblick auch heute noch sozialen und gestalterischen Anforderungen gerecht werden. Architektonisch zählen öffentliche und kulturelle Bauten ebenso zu seinem Oeuvre wie Bildungs- oder Bürogebäude.

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Als Zeitgenosse und Freund Schumachers schuf der Altonaer Bausenator Gustav Oelsner in der damals noch unabhängigen Stadt eines der ehrgeizigsten städtebaulichen Programme der Weimarer Republik: das „Neue Altona“. Kommunaler Wohnungsbau wie der „Wohnblock Lunapark“ oder öffentliche Gebäude wie das „Haus der Jugend“ wurden im Sinne des „Neuen Bauens“ errichtet.

Der Architekt Karl Schneider entwarf in den 1920er-Jahren hochmoderne Landhäuser, Kulturbauten sowie Wohn- und Industrieanlagen Hamburgs, die deutliche Bezüge zum Bauhaus aufweisen. Mit seinem Entwurf zum „Hamburger Kunstverein“ (zerstört) und dem kleinen „Haus Werner“ erreichte er internationales Aufsehen und war 1932 Teil der Ausstellung „Modern Architecture International Exhibition“ im MOMA New York City. Sein „Landhaus Michaelsen“ ist heute Puppenmuseum und weitgehend in seinem originalen Zustand erhalten.

Der Moderne verpflichtet prägten diese und zahlreiche weitere Architekten, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten das Bild der Stadt Hamburg in den 1920er- Jahren baukulturell, ohne den Bezug zur Tradition zu verlieren. Ihr Einfluss ist bis in die heutige Zeit in der Stadtentwicklung ablesbar.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Bauhausschüler wie Kurt Kranz, Otto Lindig oder Gustav Hassenpflug an der Hochschule für bildende Künste eine Anstellung. Der prägende Bauhausgedanke konnte, trotz der Emigration zahlreicher Protagonisten in der Zeit des Nationalsozialismus, in die Kunstausbildung weitergetragen werden.

Zum 100. Gründungsjubiläum des Bauhauses geht es um die Entwicklung der Moderne im Kontext der vielfältigen zeitgleichen Strömungen in Architektur, Städtebau und Design, aber auch um andere Künste, die mit den Konventionen ihrer Zeit brechen oder gebrochen haben. In Hamburg bündeln sich 2019 eine Vielzahl kultureller und baukultureller Ereignisse: darunter der 150. Geburtstag Fritz Schumachers, 100 Jahre Hamburger Sezession und 25 Jahre Architektursommer, aber auch 150 Jahre Gartenschau und 150 Jahre Kunsthalle.

[bauhaus100.de | Andrea Brandis]

Chilehaus

Ort der Grand Tour der Moderne

Das 1922 - 1924 von Fritz Höger errichtete Chilehaus war eines der ersten Hochhäuser Hamburgs und zählt zu den Ikonen des deutschen Backsteinexpressionismus. Noch immer beeindruckt die UNESCO-Welterbestätte durch ihre besondere Gebäudeform und die detailreichen Klinkerfassaden. Im Erdgeschoss des Chilehauses befindet sich eine lebendige Mischung aus gastronomischen Angeboten und Fachgeschäften.

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Union Investment Real Estate GmbH, Foto: Daniel Sumesgutner
Einer der berühmten Bögen des Chilehauses als Verbindung der Chilehäuser A + B

Hamburger Krematorium Ohlsdorf

Ort der Grand Tour der Moderne

Fritz Schumacher – Architekt, Werkbund-Gründungsmitglied und langjähriger Baudirektor Hamburgs – realisierte mit dem Neuen Krematorium (1930–1932) einen typisch norddeutschen Klinkerbau. Die symmetrische Anlage war sein letzter Bau für Hamburg.

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Hamburger Friedhöfe -AöR- 2013, Foto: Lutz Rehkopf
Hamburger Krematorium Ohlsdorf

Haus der Jugend

Ort der Grand Tour der Moderne
heute: Berufliche Schule für Energietechnik Altona

Inmitten Altonas Stadtzentrum befindet sich mit dem Haus der Jugend nicht nur ein Zeugnis des Neuen Bauens, sondern auch der Bildungsreformen der Weimarer Republik. Erbaut wurde das Berufsschulzentrum 1928-1930 nach Entwürfen von Gustav Oelsner.

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Berufliche Schule Energietechnik Altona - BEA, Foto: Michael Kottmeyer
Haus der Jugend (heute: Berufliche Schule Energietechnik Altona): Aktuelle Ansicht des Innenhofes des Gebäudes

Jarrestadt

Ort der Grand Tour der Moderne

Die Wohnsiedlung Jarrestadt in Hamburg entstand zwischen 1926 und 1930 durch Fritz Schumacher unter Beteiligung vieler Architekten, darunter Karl Schneider und Fritz Höger. Sie gilt als Muster für das Neue Bauen und den sozialen Wohnungsbau der Weimarer Republik.

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Bezirksamt Hamburg-Nord
Jarrestadt Hamburg, Fassadendetail

Landhaus Michaelsen

Ort der Grand Tour der Moderne

Der Architekt Karl Schneider galt einst als Pionier des Neuen Bauens. Mit dem Landhaus Michaelsen realisierte er 1923 in Hamburg Blankenese eines seiner frühen Werke. Das eigenwillige Ensemble aus Kuben und Rundbauten zählt zu seinen berühmtesten Gebäuden.

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Elke Dröscher
Landhaus Michaelsen: Die gezielt gesetzten Tür- und Fensteröffnungen sind auch in der Nord-Ansicht als Teil einer ganzheitlichen spannungsreichen Komposition des Bauwerkes erkennbar.