dreiklang im westen

dreiklang im westen

Die drei Städte Hagen, Essen und Krefeld sind durch ihre Kulturgeschichte vor der Bauhauszeit eng miteinander verbunden. Hagen, die Wirkungsstätte des Folkwang-Museumsgründers und Mäzens Karl Ernst Osthaus, ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts für die Geschichte des Bauhauses von Bedeutung gewesen: Hier hat Osthaus Walter Gropius, den Gründer des Bauhauses, nicht nur mit Projekten bedacht, sondern auch seinen Weg nach Weimar befördert. Nach Osthaus‘ frühem Tod 1921 zog seine Kunstsammlung nach Essen um, während die Designsammlung in Krefeld ihre neue Heimat fand.
Unter dem Motto „Hagener Impuls – Essener Aufbruch - Krefelder Perspektive“ bilden die drei Städte im Bauhausjahr einen „Dreiklang im Westen“. Gemeinsam wird die herausragende Baukultur der Moderne erschlossen und vermittelt.

hagener impuls

Der „Hagener Impuls“ bezeichnet die Zeit von 1900 bis 1921, als Hagen eines der wichtigsten Zentren für die künstlerische Reformbewegung war und der Ort, an dem die Avantgarde der Architekten mit ihren Bauten eine Weiterentwicklung des Jugendstils in sachliche Gestaltungsformen betrieben hat, die zum Bauhaus führten.
Zu den Baukünstlern zählen Henry van de Velde, Peter Behrens, J.L.M. Lauweriks, Richard Riemerschmid, Leopold und Heinrich Ludwigs sowie Fritz Schumacher, denen der Folkwang-Gründer Karl Ernst Osthaus ein Experimentierfeld bot.
Osthaus bezog die Umgestaltung des gesellschaftlichen Lebens durch Kunst auf die ganze Stadt. So sind die Zeugen für den Hagener Impuls über das Stadtgebiet verteilt: das historische Folkwang-Museumsgebäude, das Gesamtkunstwerk Hohenhof, elegante Villenbauten in der Gartenvorstadt Hohenhagen, eine Muster-Arbeitersiedlung und ein außergewöhnliches Krematorium.

Birgit Andrich © HAGENagentur
Von Henry van de Velde erbaut, von Karl Ernst Osthaus bewohnt, von Walter Gropius besucht: Der Hohenhof ist das Highlight unter den Bauten der Villenkolonie Hohenhagen in Hagen. Als eine Abteilung des Osthaus Museums Hagen beherbergt das Haus heute, neben den in der ursprünglichen Form erhaltenen und rekonstruierten Räumen, u.a. Objekte von Peter Behrens und J. L. M. Lauweriks.
Tobias Roch © Osthaus Museum
Das Krematorium in Hagen-Delstern wurde 1907/08 durch den Architekten Peter Behrens erbaut und geht auf eine Initiative Karl Ernst Osthaus zurück. Es gilt als erste Anlage der Feuerbestattung in Preußen. Aufgrund der damaligen Gesetzgebung konnte sie erst 1911 in Betrieb gehen. Entgegen dem damals üblichen Sakralbau ist dieser in einer strengen, geometrischen Formensprache gehalten.

essener aufbruch

Folkwang – dieser Name steht in Essen nicht nur für das gleichnamige Museum von Weltruf und die Universität der Künste, sondern für eine ganze Bewegung. Es beginnt 1922 mit der Verlagerung der bedeutenden Kunstsammlung von Karl Ernst Osthaus von Hagen nach Essen. Ab Mitte der 1920er Jahre entwickelt sich die Stadt immer stärker zu einem aufstrebenden kulturellen und künstlerischen Zentrum des industriellen Westens und Schwerpunkt des modernen Architekturschaffens. Davon zeugen die vielen personellen Verflechtungen zwischen der Folkwang-Stadt Essen, dem Deutschen Werkbund und dem Bauhaus.
Unter dem Titel „Essener Aufbrüche“ feiern zahlreiche Essener Institutionen 2019 unter Federführung der Volkshochschule Essen die Weimarer Verfassung von 1919 und die vielen Aufbrüche und herausragenden Entwicklungen der 1920er Jahre, und dies mit vielen Ausstellungen und unterschiedlichsten Veranstaltungen.
Die besonderen Verbindungen zum Bauhaus und die architektonischen Highlights der 1920er sind in der „Architekturroute der Moderne“ sowohl digital als auch als gebuchte Führung zu erkunden.

Jochen Tack
1932 setzten die Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer mit dem Bau der Zentralschachtanlage Zollverein XII neue architektonische Maßstäbe. Die im Stil der Neuen Sachlichkeit errichteten Stahlfachwerkgebäude sind ein herausragendes Beispiel für die Anwendung der Gestaltungskonzepte der Bauhaus-Architektur in einem industriellen Zusammenhang und wurden ganz nach der Bauhaus-Maxime "form follows function" errichtet.
Wolfgang Kleber © EMG - Essen Marketing GmbH
Die Auferstehungskirche in Essen gilt als Leitbau des modernen Kirchenbaus. Nach Plänen des Architekten Otto Bartning wurde sie 1929/30 erbaut. Mit den Werkstoffen Stahl, Beton und Klinker bekannte sich Bartning sowohl zur Moderne als auch zum Ruhrgebiet.

krefelder perspektiven

Ludwig Mies van der Rohe, Johannes Itten, Lilly Reich, Georg Muche und viele andere - wie keine andere Stadt in NRW zog Krefeld seit Mitte der 1920er Jahre ehemalige Lehrer und Absolventen des Bauhauses an. Mehr als 25 „Bauhäusler“ wirkten und lebten in der rheinischen Textilstadt. Sie hinterließen bedeutende Architekturen, prägten das Textildesign und revolutionierten die Ausbildung der Gestalter.
Die Stadt Krefeld präsentiert im Rahmen des Krefelder Perspektivwechsels gemeinsam mit der Initiative Projekt MIK e.V., den Kunstmuseen Krefeld, dem Mies van der Rohe Business Park und weiteren Akteuren einerseits diesen spezifischen Teil der Stadtgeschichte und andererseits die aus der Baukultur resultierenden Impulse für die Stadtidentität und das Stadtimage. Ausstellungen wie „Anders wohnen“ in den Häusern Lange und Esters, erbaut von Mies van der Rohe oder „Folklore & Avantgarde“ im Kaiser Wilhelm Museum veranschaulichen dies.
Die Ausstellung „Bauhaus und Industrie in Krefeld“ – im eigens für das Jubiläumsjahr eingerichteten Pavillon von Thomas Schütte – beleuchtet das außergewöhnliche Zusammenspiel von Avantgarde, Industrie und Stadtentwicklung aus verschiedenen Perspektiven. Der digitale Architekturguide „map2019 – Bauhaus in Krefeld entdecken“ erzählt von den Wirkungsstätten und Personen des Krefelder Bauhaus-Netzwerks anhand herausragender Gebäude der Architekturmoderne.


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bauhaus im westen

2019 findet das 100-jährige Gründungsjubiläum des Bauhauses statt, der bedeutenden Hochschule für Gestaltung, die 1919 in Weimar von dem Architekten Walter Gropius gegründet wurde. Was das Bauhaus in Weimar, Dessau und Berlin an zukunftsweisenden Projekten und Visionen der Moderne mit internationaler Ausstrahlung entwickelt hat, fußt auf Anregungen, die seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert die europäische Reformbewegung an verschiedenen Orten vorgedacht hat. Dazu gehören auch das Ruhrgebiet und das Rheinland, die zum Nährboden für die Moderne wurden.

 

Der „Dreiklang im Westen“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von HAGENagentur, Essen Marketing GmbH und dem Stadtmarketing Krefeld.

Tourismus NRW
www.dein-nrw.de/bauhaus
Ruhr Tourismus
www.ruhr-tourismus.de/reisen.html
Hagen
www.hagen-online.de/bauhaus100
Essen
www.visitessen.de/Bauhaus100
Krefeld
www.bauhaus100-in-krefeld.de