DIE BAU- UND NUTZUNGSGESCHICHTE VOR DER ZERSTÖRUNG

Die Ursprünge der Paulskirche reichen zurück ins Jahr 1786. Damals beschloss die protestantische Gemeinde, ihre baufällige mittelalterliche Barfüßerkirche durch einen Neubau zu ersetzen. Dieser erhielt einen ungewöhnlichen ovalen Grundriss, um von möglichst vielen Plätzen aus freie Sicht auf den Pfarrer zu ermöglichen – ein wichtiger Aspekt in der protestantischen Liturgie, die das Wort in den Mittelpunkt stellt. Die Bauarbeiten dauerten beinahe 50 Jahre. Zuerst kamen sie nicht in Gang, weil sich die Verantwortlichen in stilistischen Fragen nicht einigen konnten. Dann wurden sie von den Napoleonischen Kriegen unterbrochen. Die entstehende Kirche verkam zur Bauruine und wurde zwischenzeitlich gar als Lagerhalle genutzt. Zahlreiche Kompromisse und Umplanungen führten zu der Paulskirche, die 1833 schließlich fertiggestellt wurde. Mit dem typischen roten Mainsandstein und dem Steildach (statt einer italienisch anmutenden Kuppel) prägte der Bau den Frankfurter Klassizismus.Der Innenraum war lichtdurchflutet, verstärkt noch durch die weißen Wände. Diese wurden, ebenso wie die Decke, aus finanziellen Gründen nicht bemalt. Der auffälligste Schmuck war die von zwanzig ionischen Säulen getragene, umlaufende Empore mit Platz für nahezu 2.000 Menschen.

Historisches Museum Frankfurt
Innenansicht der historischen Paulskirche mit Empore, ca. 1833, Tuschezeichnung