DIE UMBAUTEN DER 1960ER-JAHRE

Als 1960 erste Überlegungen für eine Sanierung und teilweise Rekonstruktion eines Vorkriegszustands laut wurden, machte die Planungsgemeinschaft ihr Urheberrecht geltend. In der Denkschrift zur Fortsetzung des Wiederaufbaus der Paulskirche definierten sie nötige Maßnahmen. Umgesetzt wurden diese nur zum Teil – und zudem verspätet im Jahr 1966. Rudolf Schwarz war 1961 verstorben. Unter der Leitung von Johannes Krahn wurde nun erste Kosmetik betrieben: Anstelle des provisorischen Rohglases wurden große Mattglas-Scheiben in die Fenster eingesetzt. Nach innen sorgten sie tatsächlich für wärmeres Licht, nach außen wirkten sie jedoch abweisend. Die Wandelhalle frischte man mit weißem Rauputz sowie neuer Beleuchtung und Vitrinen in den Fensternischen auf. Im Plenarsaal sorgte ein neuer Anstrich der Wände und der Bestuhlung für einen besseren Gesamteindruck. An den Wänden aufgehängte Fahnen der Bundesländer sollten den Veranstaltungen einen feierlichen Rahmen geben und gleichzeitig die mangelhafte Akustik verbessern. Zu guter Letzt wurde dem Gebäude durch eine gründliche Reinigung „seine Würde“ zurückgegeben.

Erbengemeinschaft Buschulte
Paulskirche mit Mattglasfenstern (1966), Foto ca. 1986

ERSTER STÄDTEBAULICHER WETTBEWERB, 1975

Die Gestaltung des umgebenden Paulsplatzes war bereits seit dem Wettbewerb 1946 ein Thema. Im Krieg waren viele der Nachbargebäude zerstört worden, sodass sich die Paulskirche auf einem überdimensionierten Platz wiederfand – die Planungsgemeinschaft sprach 1960 von einem „vergessenen Senftopf auf dem Wirtschaftstisch“.Den ersten städtebaulichen Wettbewerb gewannen 1975 Bartsch, Thürwächter und Weber, die Architekten des Technischen Rathauses, mit einem abgetreppten Gebäude um einen Innenhof. Der zweite Preis ging an Klaus Walter und Christoph Rohde, die vielfältige Attraktionen unter einer Dachkonstruktion vorsahen. Den dritten Preis erhielt die Stuttgarter Studentengruppe ASPLAN unter der Leitung von Johannes Strelitz. Sie schlugen einen streng angeordneten Hain aus Platanen vor, zur Berliner Straße hin abgeschlossen von einer Wand aus Wasserfontänen. Realisiert wurde der ASPLAN-Entwurf, jedoch ohne Wasserspiele. Diese Lösung sollte für die Zukunftalle Möglichkeiten offenhalten, erfreute sich bei der Bevölkerung zunehmender Beliebtheit und besteht bis heute unverändert fort.

ZWEITER STÄDTEBAULICHER WETTBEWERB, 1983

Oberbürgermeister Wallmann träumte 1983 davon, die Wahl des Bundespräsidenten in der Paulskirche stattfinden zu lassen, und wünschte daher eine Aufwertung ihrer Umgebung. Die Stadt bat sechs Architekturbüros, die zu jener Zeit für Spielarten postmoderner Formensprache standen, um einen städtebaulichen Vorschlag. Auf ein Nutzungsprogramm verzichtete man, schloss jedoch ausdrücklich „nicht finanzierbare öffentliche Einrichtungen“ aus. So blieb nicht viel mehr übrig als Einzelhandel im Erdgeschoss sowie Büros und Wohnungen darüber. Der Entwurf von Bartsch, Thürwächter und Weber sah einen mächtigen, geschlossenen Baublock vor, während Alexander Freiherr von Branca die Paulskirche mit einem weiten Kreissegment umfing. Jourdan und Müller schlossen den Platz mit einem schmalen Gebäuderiegel, der im Innern die Bäume bewahrte. Oswald Mathias Ungers präsentierte eine Zeile aus Stadthäusern und ein Hochhaus über der Berliner Straße. Hans Hollein schlug eine Bogenwand vor, als symbolische Abwicklung der elliptischen Paulskirchenwand. Jede Öffnung stand dabei für eines der damals zehn Bundesländer und eine halbe für das geteilte Berlin. Ein ähnliches Motiv fand sich auch bei Goldapp und Klumpp, die den gesamten Platz mit einer formal an die Kirchenfassade angelehnten Mauer umrahmten, an die sich ein Gebäude anschloss. Dies war der einzige Entwurf, der auch die Rekonstruktion des historischen Daches der Paulskirche vorsah. Die Ideen verebbten bald darauf in der hitzigen Debatte über die Form der Paulskirche selbst.