DIE NATIONALVERSAMMLUNG 1848/49 UND IHR 75. JUBILÄUM

Nur 15 Jahre nach ihrer Fertigstellung wurde die Paulskirche 1848/49 zum Tagungsort der Nationalversammlung, dem ersten demokratischen Parlament Deutschlands. Ausgewählt wurde der Bau wegen seiner Größe und Modernität. Die Sitzordnung im ovalen Halbrund etablierte die Bezeichnungen „links“ und „rechts“ in der deutschen Politik. Das Publikum nahm auf der Empore Platz. Um die schwierige Akustik zu verbessern, wurde eine Zwischendecke eingezogen, die fortan die obere Fensterreihe verdeckte. Nachdem die Nationalversammlung bereits 1849 gewaltsam aufgelöst worden war, machte sich die Kirchengemeinde den Raum wieder zu eigen und ließ die Schalldecke mit Engelmotiven bemalen. Eine offizielle Erinnerung an die liberale Geschichte des Ortes vermieden die konservativen Regierungen im Deutschen Bund und im anschließenden Kaiserreich. Erst während der Weimarer Republik unter Präsident Friedrich Ebert bekannte man sich dazu und feierte 1923 das 75. Jubiläum der Nationalversammlung in der Paulskirche. Dafür erhielt Ebert an der Fassade ein Denkmal, das die Nationalsozialisten nur wenige Jahre später wieder demontieren sollten. Am 18. März 1944 zerstörten Brandbomben die Paulskirche bis auf ihre Außenmauern.

Historisches Museum Frankfurt
Eröffnung der Nationalversammlung in der Paulskirche (mit abgehängter Zwischendecke), 18. Mai 1848, Kreidelithografie
Institut für Stadtgeschichte
Historische Paulskirche mit Steildach, 1925, Foto: Gottfried Vömel