Ernst-May-Haus

Ernst-May-Haus, Im Burgfeld, Siedlung Römerstadt, Foto: 2013
ernst-may-gesellschaft / Reinhard Wegmann;
Ernst-May-Haus, Im Burgfeld, Siedlung Römerstadt, Foto: 2013

Erbauung

  • Baujahr / Bauzeit 1927 — 1928
  • Architekt/in Ernst May, Carl-Hermann Rudloff

Sanierung

  • Baujahr / Bauzeit 2005 — 2009
  • Architekt/in Claus Giel

Gebäudetypologie

Wohnbau/Siedlung

Auch bekannt als: Siedlungshaus der Siedlung Römerstadt

Das Stadtplanungsprogramm „Das Neue Frankfurt“ sollte ab Mitte der 1920er Jahre den großen Bedarf an Wohnraum decken. Unter der Leitung des Frankfurter Stadtbaurats Ernst May entstanden innerhalb von fünf Jahren mehr als 12.000 Wohnungen. Die Initiative zählt zu den umfangreichsten Bauprojekten im sozialen Wohnungsbau der Weimarer Republik. Eines der 1927/28 entstandenen Häuser ist heute als Ernst-May-Haus in der Römerstadt zu besichtigen.

 

Gemeinsam mit rund 50 Architekten und Gestaltern suchte Ernst May nach neuen Wohn- und Siedlungskonzepten. Dabei ging es nicht allein darum, erschwinglichen Wohnraum mit verbesserten sozialen und hygienischen Bedingungen zu schaffen. Mays erklärtes Ziel war vielmehr die Formung einer neuen, moderneren Gesellschaft in angemessenen Lebensumständen.

 

Die Versuchsbauten des „Neuen Frankfurt“ im Norden der Stadt entstanden mit vergleichsweise geringen Baukosten. May und seine Mitarbeiter setzten auf industrielles Bauen mit vorgefertigten Bauteilen. Für die Umsetzung engagierten sie lokale Firmen und beschäftigten arbeitslose Handwerker. Die Wohnungen waren meist als Reihenhäuser mit eigenem Garten angelegt und mit Bad, Küche und schlichten, funktionalen Möbeln ausgestattet. Die Römerstadt, zu der auch das Ernst-May-Haus gehört, war die erste komplett elektrifizierte Siedlung Deutschlands.

 

Ernst Mays Erneuerung des Wohnens nahm nicht allein funktionale Aspekte in den Blick, auch in ästhetischer Hinsicht erwies er sich als Vorreiter. May arbeitete dabei mit verschiedenen Gestaltern aus Architektur, Industriedesign und Grafik zusammen. Zu ihnen gehörte auch die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky, die in Mays Auftrag eine funktionale Arbeitsküche auf kleinstem Raum entwarf. Die als „Frankfurter Küche“ bekannt gewordene Ausstattung war nach ergonomischen und praktischen Gesichtspunkten gestaltet. Passgenau auf die Häuser zugeschnitten nahm sie nicht mehr als sechs Quadratmeter ein.

 

Mit seinem ganzheitlichen Ansatz gilt das „Neue Frankfurt“ neben dem Bauhaus als eine der einflussreichsten Bewegungen in der Gestaltung im 20. Jahrhundert. Das Bauhaus entwickelte das „Neue Bauen“ in Lehre und Experiment, im „Neuen Frankfurt“ wurde es erstmals im großen Stil umgesetzt – von Anfang an darauf bedacht, das alltägliche Leben der Menschen durch geschickte Planung und bedachte Architektur zu verbessern. Die Siedlungen sind bis heute bewohnt. [DB]

Karte

Kontaktdaten und Öffnungszeiten

Adresse

ernst-may-haus
Im Burgfeld 136
60439 Frankfurt am Main

Öffnungszeiten

  • Montag : geschlossen
  • Dienstag : Uhr
  • Mittwoch : Uhr
  • Donnerstag : Uhr
  • Freitag : geschlossen
  • Samstag : Uhr
  • Sonntag : Uhr

Geschlossen: Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Fronleichnam, Tag der Deutschen Einheit, Allerheiligen, Heiligabend, Weihnachtsfeiertage, Silvester
https://www.forum-neues-frankfurt.de

Förderformel

Anfahrt mit dem ÖPNV:

Nächstgelegener Bahnhof der Deutschen Bahn: Hauptbahnhof Frankfurt am Main
Nächstgelegene Haltestelle ÖPNV (Bus, Straßenbahn o.ä.): U-Bahn U1 Römerstadt
Luftbild der Siedlung Römerstadt, ca. 1928
ernst-may-gesellschaft
Luftbild der Siedlung Römerstadt, ca. 1928
Ernst-May-Haus, Frankfurter Küche, Foto: 2013
ernst-may-gesellschaft / Reinhard Wegmann
Ernst-May-Haus, Frankfurter Küche, Foto: 2013

Dieser Ort ist Teil der Tour:

Tour 1

Vielfalt der Gestaltung erleben

Frankfurt/Main, Mainz und Kindenheim

Mit dem Reformprogramm und Pionierprojekt „Das Neue Frankfurt“ war Hessen in den 1920er-Jahren einer der zentralen Schauplätze des Neuen Bauens. Mit der Frankfurter Küche wurden neue Interieur-Standards gesetzt. Weniger bekannt ist dagegen, dass das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt am Main Teilnachlässe der Bauhäusler Hannes Meyer und Mart Stam beherbergt oder dass die Bauhäusler Gertrud und Alfred Arndt den Großteil ihres Lebens in Darmstadt verbrachten, wo noch heute ihre Erben einen Teil ihres Archivs verwalten. Erste Stätte des Bauhaus-Archivs, das später nach Berlin umzog, war die Mathildenhöhe in Darmstadt. Schon früh galt sie als Künstlerkolonie, wo man Kunst und Handwerk zu verbinden suchte – dasselbe Ziel, das sich auch das Bauhaus bei seiner Gründung 1919 setzte.

Bauhäusler wie Herbert Bayer, László Moholy-Nagy, Josef Albers oder Joost Schmidt  haben mit der „Neuen Typografie“ oder „Elementaren Typografie“ das Grafik- und Kommunikationsdesign revolutioniert und weltweit geprägt. Ihr Wirken thematisiert das renommierte Mainzer Gutenberg-Museum anlässlich des Jubiläums 2019 mit einer umfassenden Typografie-Sonderausstellung. Darüber hinaus sollen in Rheinland-Pfalz zum Bauhaus-Jubiläum die Leistungen des Neuen Bauens vorgestellt werden. Ein Beispiel hierfür ist der kommunale Wohnungsbau in Ludwigshafen, wie die denkmalgeschützte Ebertsiedlung.

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Foto: Tillmann Franzen, tillmannfranzen.com