Holstentorhalle

Holstentorhalle, Lübeck
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Holstentorhalle, Lübeck

Erbauung

  • Baujahr / Bauzeit 1926
  • Architekt/in Friedrich Wilhelm Virck

Gebäudetypologie

Unterhaltung/Kultur (z.B. Theater, Kino, ...)

Dieser herausragende Bau ist Teil des digitalen Vermittlungsformats „100 Jahre Architekturgeschichte zwischen 1900 und 2000“, das ab April 2019 auf dieser Webseite zugänglich sein wird. Der Ort ist nicht Teil der Grand Tour der Moderne und nicht zugänglich.

Das markante Spitzbogendach macht schon von Weitem auf dieses Gebäude aufmerksam: Die Lübecker Holstentorhalle ist ein herausragendes Beispiel für den norddeutschen Backsteinexpressionismus in Schleswig-Holstein. Sie entstand 1926 nach Plänen des Architekten Friedrich Wilhelm Virck, der gleichzeitig auch Lübecks Oberbaurat war. Mit der Eröffnung der Halle feierte die Stadt damals das 700-jährige Jubiläum der „Lübecker Reichsfreiheit“. Heute wird die einstige „Volkshalle“ von der Musikhochschule genutzt.

 

Das hohe Dach der Halle ist im Spitzbogen geformt und erinnert so einerseits an Kirchenbauten der Gotik. Andererseits zeugt die kunstreiche Konstruktion vom Einfluss des Expressionismus. Die Stirnseiten des Gebäudes, bestehend aus großen, vierstufigen Treppengiebeln, sind mit halbrunden Fassadenvorsprüngen versehen. Markant ist auch das Eingangsportal, das in der Mitte der Längsseite hervorspringt. Es besteht aus vier Torbögen, in die leuchtend rote Türen eingefasst sind. Das Portal ist gekrönt von einem Fries aus dunklem Klinker, der das Symbol des Doppeladlers zeigt.

 

Schmale, raumhohe Fenster, mit weißen Rahmen und Querstreben unterteilt, sind über die Längsseiten der Halle in einer Reihe angeordnet. Von außen strukturieren sie die Backsteinfassade und bilden mit ihrer modernen, an das Bauhaus angelehnten Gestaltung einen interessanten Kontrast zum traditionellen Mauerwerk. Innen sorgen sie für maximalen Lichteinfall. Auch an den Stirnseiten wird die bänderartige Anordnung der Fenster weitergeführt. Hier sind die Fenster jedoch nicht bodentief, sondern unterteilt und dem Fassadenvorsprung entsprechend abgerundet.

 

Um Platz für ein Kaufhaus zu schaffen, plante die Stadt Lübeck in den 1970er-Jahren den Abriss. Eine Bürgerinitiative verhinderte dies und erwirkte, dass die Halle 1990 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Von 2005 bis 2007 wurde sie saniert und ihr Inneres durch den Lübecker Architekten Kuno Dannien grundlegend umgestaltet. Mit einem Haus-in-Haus-Konzept zog er zwei Etagen ein, die heute die Musikhochschule als Unterrichts- und Übungsräume nutzt. Das Erscheinungsbild im Äußeren blieb weitestgehend unverändert – das charakteristische Spitzbogendach lenkt auch heute noch die Blicke aus weiter Entfernung auf den expressionistischen Bau. [KM]

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