Gauforum Weimar

Gauforum Weimar
Von Martin Kraft - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=43725273;
Gauforum Weimar

Erbauung

  • Baujahr / Bauzeit 1936 — 1945
  • Architekt/in Hermann Giesler

Sanierung

  • Baujahr / Bauzeit 2003 — 2007

Gebäudetypologie

Verwaltung/Regierung

Dieser herausragende Bau ist Teil des digitalen Vermittlungsformats „100 Jahre Architekturgeschichte zwischen 1900 und 2000“, das ab April 2019 auf dieser Webseite zugänglich sein wird. Der Ort ist nicht Teil der Grand Tour der Moderne und nicht zugänglich.

Das Weimarer Gauforum ist exemplarisch für den monumentalen Traditionalismus der nationalsozialistischen Architektur. Als Machtzentrale diente es der NS-Elite zu Propaganda- und Verwaltungszwecken. Der Entwurf für die gigantische Anlage, mit deren Bau 1936 begonnen wurde, stammte von Hermann Giesler. Hitler selbst war an den Planungen beteiligt, so wie auch Thüringens Gauleiter Fritz Sauckel, der als „Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz“ u.a. für die Zwangsdeportation und den Tod europäischer Arbeitskräfte für das NS-Regime verantwortlich war.

 

Die rund 40.000 Quadratmeter umfassende Anlage war nicht nur Partei- und Regierungssitz, sondern außerdem ein demonstrativer Ausdruck völkischer Ideologie und nationalsozialistischer Ideen von Arbeit, Leistung und Gemeinschaft. Sie galt als Prototyp für weitere geplante Gauforen in Deutschland, die allerdings nie gebaut wurden. Auch das Weimarer Gauforum blieb unvollendet. Geplant waren ursprünglich fünf Großbauten, zum Teil realisiert wurden drei Verwaltungs- und Repräsentationsbauten, ein Glockenturm, eine große Versammlungshalle, die als „Halle der Volksgemeinschaft“ bis zu 20.000 Stehplätze umfassen sollte und ein Aufmarschplatz in der Mitte der Anlage.

 

Der Bau des Gauforums ging mit gewaltsamen städtebaulichen Umplanungen Weimars zur „Gauhauptstadt“ einher. Große Teile der nördlichen Innenstadt und auch Teile der Altstadt wurden abgerissen. Bis heute sind die Folgen der nationalsozialistischen Einschüchterungsarchitektur deshalb im Weimarer Stadtbild ablesbar.

 

Nach dem Krieg bezog die Sowjetische Militäradministration das Gelände. Danach erfuhr das ehemalige Gauforum verschiedene Nutzungen. Es ist heute Hauptsitz des Thüringer Landesverwaltungsamts. 1999 wurden Teile der Anlage im Rahmen des Kulturstadtjahrs als Ausstellungsort bespielt. Seit 2005 befindet sich in der ehemaligen Versammlungshalle ein Einkaufszentrum. Ab Herbst 2019 wird eine neue Ausstellung über die Geschichte des Gauforums informieren, 2020 eröffnet eine Dauerausstellung zur NS-Zwangsarbeit. Als zentraler Bestandteil des entstehenden Kulturquartiers der Weimarer Moderne soll das Gauforum zu einem Ort der Erinnerung und der kritischen Reflexion werden. [KM]

Förderformel

Bauhaus-Museum Weimar

Am Gründungsort des Bauhauses wird es als moderner Ort der Begegnung, Offenheit und Diskussion an die frühe Weimarer Phase der bedeutendsten Design- und Kunstschule des 20. Jahrhunderts erinnern. Es inszeniert die Schätze der weltweit ältesten Bauhaus-Sammlung und verknüpft Bauhaus-Geschichte mit Fragen zur Lebensgestaltung von Heute und Morgen.

Quartier Weimarer Moderne

Drei Zeitschichten der Moderne in Weimar treffen am Standort des neuen Museums auf historisch einmalige Weise in einer Art Brennpunkt aufeinander: die Grün-, Kultur- und Sportachse westlich des Neubaus als Kultur-Projekt der Weimarer Republik, das nationalsozialistische Staatsprojekt Gauforum, das zugleich das logistische Zentrum der europäischen Zwangsarbeit war, und die unübersehbare Antwort aus der DDR-Zeit auf dieses Gebiet, der Lange Jakob.

Gauforum Weimar: Turm, Südseite
Von Andrzej Otrębski - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72711754
Gauforum Weimar: Turm, Südseite
Gauforum Weimar: Westseite
Von Michael Sander - Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14234215
Gauforum Weimar: Westseite