Karl-Marx-Allee

Karl-Marx-Allee, Berlin: Blick auf Frankfurter Tor
Von Marek Śliwecki - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73123330;
Karl-Marx-Allee, Berlin: Blick auf Frankfurter Tor

Erbauung

  • Baujahr / Bauzeit 1951 — 1958
  • Architekt/in Egon Hartmann, Richard Paulick, Kurt W. Leucht, Hanns Hopp, Karl Souradny

Erbauung

  • Baujahr / Bauzeit 1959 — 1964
  • Architekt/in Werner Dutschke, Edmund Collein

Gebäudetypologie

Wohnbau/Siedlung

Auch bekannt als: Stalin-Allee

Dieser herausragende Bau ist Teil des digitalen Vermittlungsformats „100 Jahre Architekturgeschichte zwischen 1900 und 2000“, das ab April 2019 auf dieser Webseite zugänglich sein wird. Der Ort ist nicht Teil der Grand Tour der Moderne und nicht zugänglich.

Die Karl-Marx-Allee ist ein bedeutendes Baudenkmal und wichtiges Zeugnis der Städtebaukunst der DDR. Über 2,3 Kilometer führt sie vom Alexanderplatz über den Straußberger Platz zum Frankfurter Tor. Sie entstand ab Anfang der 1950er-Jahre in zwei Bauabschnitten mit einer Vielzahl heute unter Denkmalschutz stehender Einzelbauten als Prachtstraße der Hauptstadt der DDR.

Die Bauten des Bauabschnitt I (1951 bis 1958) zwischen Straußberger Platz und Frankfurter Tor orientieren sich am Sozialistischen Klassizismus der Sowjetunion, auch „Zuckerbäckerstil“ genannt. Zwar hatte Hans Scharoun mit seinem „Generalplan zum Wiederaufbau Berlins“ bereits 1949 eine Planung für das Areal geliefert. Diese war aber als „westlich-dekadent“ verworfen wurden, so dass lediglich zwei Laubenganghäuser aus Scharouns Planungen Umsetzung fanden. Realisiert wurde stattdessen ab 1951 der Bebauungsplan von Egon Hartmann, Richard Paulick, Hanns Hopp, Karl Souradny und Kurt W. Leucht. Sie waren zuvor beim Gestaltungswettbewerb für den damals noch „Stalinallee“ genannten Boulevard prämiiert worden. Hermann Henselmann gestaltete die städtebaulichen Dominanten Strausberger Platz und Frankfurter Tor. Sein neungeschossiges Hochhaus an der Weberwiese von 1951/52, das erste „sozialistische Haus in Berlin“, wurde zum Prototyp für die Bebauung aus Trümmersteinen mit Meißner Fliesenverkleidung.

Das Baumaterial für die Stalinallee – damals größte Baustelle der DDR – stammte zu 70 Prozent aus Kriegstrümmern. Fünf sieben- bis zehnstöckige Arbeiterpaläste von 100 bis 300 Metern Länge, zwei Turmhochhäuser am Frankfurter Tor sowie Läden, Kultur- und Gastronomieeinrichtungen entstanden in kürzester Zeit auf dem repräsentativen Boulevard mit markanten Torplätzen und vorgelagerten Pavillonbauten. Alle Bauten zeigen ihre Verwandtschaft zu Henselmanns Hochhaus, u.a. durch angedeutete ionische Säulen und Friese. Die modern ausgestatteten Wohnungen gingen zu zwei Dritteln an Trümmerfrauen, Bauarbeiter und Aufbauhelfer, der Rest an Angestellte und Akademiker.

Abschnitt II (1959 bis 1964) zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz vollzieht eine klare städtebauliche Abgrenzung und Hinwendung zur schlichten und kostengünstigeren Industriebauweise. Nach Stalins Tod war die reduzierte Architektursprache auch ein deutliches Zeichen der Distanzierung und städtebaulichen Neuorientierung. Aus der Stalinallee wurde 1961 die Karl-Marx-Allee. Die Kollektive Werner Dutschke und Edmund Collein lieferten die Bebauungsplanung. Neben Wohngebäuden mit mehr als 5.200 Wohnungen entstanden markante Bauten der Nachkriegsmoderne. Dazu zählen u. a. das Café Moskau (1961–64 von Josef Kaiser und Horst Bauer) und das Kino International (1961–63 Josef Kaiser und Heinz Aust). Seinen Abschluss findet das Ensemble wieder durch ein Gebäude von Henselmann: Das Haus des Lehrers entstand als Stahlskelettbau mit Vorhangfassade (1961- 64) und war mit zwölf Geschossen das erste Hochhaus am Alexanderplatz. Es steht heute wie auch die dazugehörige Kongresshalle unter Denkmalschutz. [KL]

Förderformel

Kino International, Berlin
Cornelius Bartke, Flickr, https://flic.kr/p/5BLhh8, CC BY-NC-ND 2.0
Kino International, Berlin