Technisches Verwaltungsgebäude der Hoechst AG

Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar gGmbH, Grafik: Lauthals GmbH

Erbauung

  • Baujahr / Bauzeit 1920 — 1924
  • Architekt/in Peter Behrens

Sanierung

  • Baujahr / Bauzeit 1998 — 2002

Instandsetzung

  • Baujahr / Bauzeit 2005 — 2007

Gebäudetypologie

Büro- und Dienstleistungsgebäude, Verlagsgebäude

Auch bekannt als: Peter-Behrens-Bau

Dieser herausragende Bau ist Teil des digitalen Vermittlungsformats „100 Jahre Architekturgeschichte zwischen 1900 und 2000“, das ab April 2019 auf dieser Webseite zugänglich sein wird. Der Ort ist nicht Teil der Grand Tour der Moderne und nicht zugänglich.

Als „Kathedrale des Lichts“ gilt das Technische Verwaltungsgebäude des Hoechts-Konzerns in Frankfurt als Meisterwerk der Industriearchitektur. Das komplett in Backstein ausgeführte Bürogebäude entstand 1920 bis1924 nach Entwürfen von Peter Behrens. Besonders beeindruckend ist die farbige Innengestaltung der Haupthalle. Der auch als „Peter-Behrens-Bau“ bekannte Komplex ist Teil der Route der Industriekultur im Rhein-Main-Gebiet.

 

Das 185 Meter lange Gebäude mit zweifarbiger Klinkerfassade ist in drei Teile gegliedert, von denen sich der mittlere Kubus besonders hervorhebt. Er ist mit einem Glockenturm versehen, der an eine Bogenbrücke anschließt. Zusammen erinnern die beiden markanten Bauelemente an eine mittelalterliche Burg. Turm und Brücke zierten lange das Firmenlogo der Hoechst AG.

 

Für seine Auftraggeber, damals die Farbwerke Hoechst, wählte Behrens ein passendes Leitmotiv: In der einer Basilika ähnelnden, rund 40 Meter hohen Haupthalle erwartet Besucher ein expressives Farbenspiel. Die tropfsteinartig gestalteten Säulen und Wände bestehen aus über 50.000 bemalten Ziegelsteinen, die einen changierenden Wechsel der Spektralfarben verzeichnen – Grün und Kobaltblau dominieren an den unteren Bereichen der Pfeiler, nach oben hin folgt sattes Rot, Violett, Orange und schließlich Gelb. Drei große kristallartige Oberlichter unterstreichen zusammen mit den Buntglasfenstern den sakralen Charakter der leuchtenden Kuppelhalle.

 

Behrens machte das Industriegebäude zu einem Gesamtkunstwerk. Primärfarben verwendete er auch in einem an die Halle anschließenden Veranstaltungssaal und in einem Hörsaal, der im Zweiten Weltkrieg zerstört und in den 1950er Jahren wiederaufgebaut wurde. Der auch als Designer tätige Architekt gestaltete jedes Detail, von den Mosaiken auf dem Fußboden über die Lampen bis hin zu den Türklinken. Mit Einflüssen des Jugendstils und der De-Stijl-Kunstrichtung gilt das Gebäude als Musterbeispiel für den Backsteinexpressionismus.

 

1925 schlossen sich die Hoechst Werke mit der I. G. Farben zusammen. Nach der Neugründung des Hoechst-Konzerns in den 1950er Jahren wurde der Peter-Behrens-Bau wieder zum repräsentativen Firmensitz. Heute gehört das 2007 originalgetreu restaurierte Gebäude der Firma Infraserv Höchst. [KM]

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