Festspielhaus Hellerau

Lothar Sprenger

Erbauung

  • Baujahr / Bauzeit 1910 — 1912
  • Architekt/in Heinrich Tessenow

Sanierung

  • Baujahr / Bauzeit 2004 — 2006
  • Architekt/in Josef-Peter Meier-Scupin & Partner

Gebäudetypologie

Unterhaltung/Kultur (z.B. Theater, Kino, ...)

Das Festspielhaus in Dresden-Hellerau war ein radikaler Gegenentwurf zu traditionellen Theaterbauten jener Zeit und revolutionierte das Tanztheater des 20. Jahrhunderts. Als „Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus“ wurde es 1911/12 nach Plänen des Architekten Heinrich Tessenow errichtet. Das Festspielhaus löste jene harmonische Verbindung von Wohnen, Arbeiten und Kultur in einem naturnahen Umfeld ein, die die europäische Lebensreformbewegung in der sächsischen Gartenstadt Hellerau seit 1909 anstrebte.

Das Festspielhaus war das Zentrum des kulturellen Lebens in der Siedlung. In seiner Klarheit und funktionalen Struktur war Tessenows Entwurf richtungsweisend. Mit dem Ensemble aus Theater, Vorplatz, Freiluftarena und umlaufenden Licht- und Sonnenhöfen setzte der Architekt die Visionen des Musikpädagogen Émile Jaques-Dalcroze und des Bühnenbildners Adolphe Appia in einem futuristischen Raumgefüge um. Mit dem Orchestergraben, frei installierbaren Zuschauerreihen und dem Verzicht auf Bühne und Vorhang nannte Appia das Festspielhaus eine „Kathedrale der Zukunft“. Hier sollten Zuschauer und Darsteller zu einer geistigen Einheit verschmelzen. Im Mittelpunkt stand der „bewegte Mensch“, der durch die Ausbildung seiner rhythmischen Fähigkeiten zu einem ganzheitlichen Individuum werden sollte.

Mit weltberühmten Schülern wie Mary Wigman ging von Hellerau eine grundlegende Erneuerung des Theaters und der Tanzbewegung aus. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs endete der vielversprechende Start jedoch abrupt, mehrfache Versuche einer Neubelebung scheiterten. Von der Machtübernahme der Nationalsozialisten an, nach 1945 dann durch die Sowjetarmee, wurde das Festspielhaus jahrzehntelang militärisch genutzt.

1992 ging der Bau zurück an den Freistaat Sachsen, der ihn in seiner ursprünglichen Form wiederherstellen ließ. Heute zählt das Festspielhaus als Bühne der Landeshauptstadt Dresden wieder zu den wichtigsten interdisziplinären Zentren zeitgenössischer Künste. Das Gesamtensemble von Hellerau ist als Flächendenkmal geschützt. [DB]

Karte

Kontaktdaten und Öffnungszeiten

Adresse

Festspielhaus Hellerau
Karl-Liebknecht-Straße 56
01109 Dresden

Öffnungszeiten

Das Festspielhaus ist je nach Spielplan bei Veranstaltungen geöffnet oder kann im Rahmen einer angemeldeten Führung besichtigt werden. Es können außerdem spezielle Fürungen für Familien, Kinder und Senioren gebucht werden.

Förderformel

Anfahrt mit dem ÖPNV:

Nächstgelegener Bahnhof der Deutschen Bahn: Bahnhof Dresden Neustadt, Dresden Hbf
Nächstgelegene Haltestelle ÖPNV (Bus, Straßenbahn o.ä.): SB Linie 8, Haltestelle Am Festspielhaus

Förderformel

Bühne der Landeshauptstadt Dresden.

Foto: Joerg R. Oesen

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Tour 1

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Ob Josef Albers im Leipziger Grassimuseum, Oskar Schlemmer im Zwenkauer Haus Rabe, Scharouns Haus Schminke in Löbau, das Dieselkraftwerk in Cottbus sowie das Festspielhaus und die Gartenstadt Hellerau – Sachsen und Brandenburg bieten zahlreiche Kleinode der Bau- und Wohnkultur des Bauhauses und der Moderne.

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Tillmann Franzen, tillmannfranzen.com