Gartenstadt Piesteritz

Georgios Anastasiades

Erbauung

  • Baujahr / Bauzeit 1916 — 1919
  • Architekt/in Otto Rudolf Salvisberg, Paul Schmitthenner

Sanierung

  • Baujahr / Bauzeit 2000 — 2000

Gebäudetypologie

Wohnbau/Siedlung

Die Siedlung Piesteritz gilt als musterhafte Umsetzung der sozialreformerischen Ideen der Gartenstadtbewegung. Zwischen 1916 und 1919 errichteten hier der Stadtplaner Georg Haberland und die Architekten Otto Rudolf Salvisberg und Paul Schmitthenner Wohnungen für die etwa 2.000 Beschäftigten der Mitteldeutschen Stickstoffwerke. Die Werksiedlung sollte nicht nur den Bedarf an Wohnraum für die Fabrikarbeiter decken, sondern in städtebaulicher Geschlossenheit ein ausgeglichenes Verhältnis von Wohnen, Erholung und Arbeiten ermöglichen.

So entstand eine eigenständige Stadt, die wirken sollte, als sei sie organisch gewachsen. Im Sinn der Reformarchitektur setzte der Entwurf auf traditionelle Materialien und einen einfachen Baustil, der sich vom Historismus bewusst abwandte und dennoch Tendenzen zum Monumentalen aufwies; stets der Überzeugung folgend, dass die gestalterischen Mittel Einfluss auf Mensch und Gesellschaft nehmen würden. Die Siedlung ist eine Reihenhausanlage, doch jede Straße wirkt anders, etwa durch immer neu variierte Haustüren und Fensterläden. Großes Gewicht liegt auf dem Miteinander der Bewohner: Neben den Wohnhäusern wurden gemeinschaftlich genutzte Plätze, Grünflächen und öffentliche Gebäude errichtet, etwa eine Schule, ein Ärztehaus, ein Kaufhaus und ein Marktplatz.

Die Siedlung bestand aus 363 Reihen- und Einfamilienhäusern. Die größten mit etwa 160 Quadratmetern waren den Betriebsleitern vorbehalten, in unmittelbarer Nähe lagen die circa 50 Quadratmeter großen Arbeiterwohnungen. Im sogenannten Damenheim kamen die im Werk beschäftigten unverheirateten Frauen unter. Alle Wohnungen waren mit eigener Toilette, Waschküche und Badewanne ausgestattet – damals ein ungewöhnlicher Luxus. Darüber hinaus besaß jedes Haus einen eigenen Gemüsegarten für Freizeit und Selbstversorgung.

Die bis heute bewohnte Siedlung gilt noch immer als Vorzeigeprojekt – anders als die für ihren Schadstoffausstoß berüchtigte Stickstofffabrik. Im Rahmen der Weltausstellung Expo 2000 wurde Piesteritz, inzwischen Ortsteil der Lutherstadt Wittenberg, saniert und der Charakter des Originalensembles wiederhergestellt.

Karte

Kontaktdaten und Öffnungszeiten

Adresse

Gartenstadt Piesteritz
Karl-Liebknecht-Platz 20
06886 Wittenberg

Öffnungszeiten

Die Werkssiedlung ist von außen jederzeit frei zugänglich.

Förderformel

Anfahrt mit dem ÖPNV:

Nächstgelegener Bahnhof der Deutschen Bahn: Wittenberg-Piesteritz
Georgios Anastasiades
Georgios Anastasiades

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