Neufert Haus

Neufert Haus in Gelmeroda bei Weimar
Gunter Binsack, Leipzig;
Neufert Haus in Gelmeroda bei Weimar

Erbauung

  • Baujahr / Bauzeit 1929
  • Architekt/in Ernst Neufert

Sanierung

  • Baujahr / Bauzeit 1991

Gebäudetypologie

Wohnbau/Siedlung

Dieser herausragende Bau ist Teil des digitalen Vermittlungsformats „100 Jahre Architekturgeschichte zwischen 1900 und 2000“, das ab April 2019 auf dieser Webseite zugänglich sein wird. Der Ort ist nicht Teil der Grand Tour der Moderne und nicht zugänglich.

Das Neufert-Haus entstand 1929 nahe Weimar in Gelmeroda. Ernst Neufert entwarf den Holzversuchsbau als Wohn- und Atelierhaus für seine Familie. Der damals revolutionäre Bau ist ein Exempel für die von ihm eingeführten Normierungen und Standardisierungen im Baubereich. Heute befindet sich hier der Sitz der Neufert-Stiftung.

Ernst Neufert war einer der ersten Studenten am Weimarer Bauhaus. Später arbeitete er in Gropius’ Bauatelier und leitete dort u. a. die Arbeiten am Bauhausgebäude Dessau. Wie kaum ein anderer verkörpert Neufert die normierte Baukultur. Sein Maßsystem ermöglichte u. a. die rationalisierte industrielle Fertigung von Bauteilen. Mit der „Bauentwurfslehre“ (1936) lieferte er ein bis heute weltweit genutztes Standardwerk für die Entwurfs- und Planungspraxis. Seine Biografie verdeutlicht allerdings auch die Ambivalenz der Moderne, denn er arbeitete später mit Hitlers Chefarchitekten Albert Speer zusammen. Nach 1945 lehrte Neufert an der Technischen Universität Darmstadt Baugestaltungslehre.

Der Prototyp in Gelmeroda brachte die von Neufert entwickelte Holzskelettbauweise mit vorfabrizierten Elementen erstmals zur Ausführung. Industrielle amerikanische Holzrahmenbauweisen wurden auf deutsche Verhältnisse übertragen und die Vorteile schneller Montage durch wirtschaftliche Holzquerschnitte und Vorfertigung genutzt. Nach nur zweieinhalb Tagen konnte bereits Richtfest gefeiert werden, nach sechs Wochen war das Haus bezugsfertig.

Modernität, hohe Funktionalität sowie Wirtschaftlichkeit und Ökologie in der Ausführung wie im Unterhalt prägen Neuferts Entwurf auf einer Grundfläche von 10 x 10 Metern. Das zweigeschossige Wohn- und Atelierhaus entwickelte Neufert mit seinem Meter-Maßsystem, aus dem sich Raumgrößen und das Konstruktionsraster ableiten. Gemeinschaftsräume – wie Wohnzimmer und Bücherei sowie Arbeitszimmer und Küche – befinden sich im Erdgeschoss, die Schlafzimmer im Obergeschoss. Vorratsräume und Dienstzimmer sind im Sockelgeschoss untergebracht.

Neufert lebte nur wenige Jahre mit seiner Familie in Gelmeroda. Seit 1991 ist das Haus wieder in Familienbesitz und wurde aufwändig restauriert. Zum 100. Geburtstag Neuferts wurde 1999 im Garten die „Neufert-Box“ als Ausstellungsgebäude  errichtet. Das Haus beherbergt neben der Neufert-Stiftung das Transferzentrum Design der Bauhaus-Universität Weimar. [KL]

 

 

Förderformel

Neufert- Haus in Gelmeroda bei Weimar:  Ostansicht, ca. 1930
Neufert Stiftung Weimar
Neufert- Haus in Gelmeroda bei Weimar: Ostansicht, ca. 1930
Neufert-Haus in Gelmeroda bei Weimar: Bauentwurfslehre nach Neufert
Neufert -Stiftung Weimar
Neufert-Haus in Gelmeroda bei Weimar: Bauentwurfslehre nach Neufert