Wohnstadt Carl Legien

Anja Steinmann

Erbauung

  • Baujahr / Bauzeit 1928 — 1930
  • Architekt/in Bruno Taut, Franz Hillinger

Sanierung

  • Baujahr / Bauzeit 1995 — 2004

Gebäudetypologie

Wohnbau/Siedlung

Auch bekannt als: Siedlung der Berliner Moderne

Ab Mitte der 1920er Jahre entstanden im Rahmen eines Wohnungsbauprogramms zahlreiche neue Siedlungen. Sie sollten der damals herrschenden Wohnungsnot entgegenwirken und eine Alternative zur beengten Mietskaserne bieten. Eine der bekanntesten dieser Siedlungen ist die Wohnstadt Carl Legien in Berlin-Prenzlauer Berg. Sie wurde zwischen 1928 und 1930 nach Plänen von Bruno Taut und Franz Hillinger erbaut. Benannt ist sie nach Carl Legien, dem ersten deutschen Gewerkschaftsführer.

Taut hatte bereits drei Großsiedlungen in Berlin realisiert. Sein viertes Projekt ist das innerstädtischste. Ausgehend von der zentralen Lage und den dadurch teureren Grundstückspreisen war eine Bebauung mit hoher Dichte gefordert. Taut reagierte darauf mit sechs langen u-förmigen Wohnblöcken mit jeweils vier bis fünf Geschossen. Aufbauend auf dem engen Raster des Hobrecht-Plans, der seit 1862 die Bebauung Berlins vorgab, schaffte er mit Zeilenbauten und Blockrändern viel Wohnraum auf begrenzter Fläche.

Begrünte halböffentliche Innenhöfe ließen die Siedlung jedoch nicht beengt, sondern einladend erscheinen. Unterstrichen wurde dies durch den für Taut typischen Einsatz von Farbe. Während die Straßenfassaden in einem hellen Gelb gehalten sind und den Straßenraum optisch erweitern, erhielten die Fassaden der sich gegenüberliegenden Höfe jeweils ein eigenes Farbkonzept. Damit sollte Monotonie vermieden und zugleich ein Kontrast zur Begrünung erzeugt werden.

Die Wohnungen sind jeweils zu den ruhigen Innenhöfen ausgerichtet. Jede Wohnung verfügte – dies war für damalige Verhältnisse bemerkenswert – nicht nur über ein eigenes Bad und eine Küche, sondern auch eine Loggia zum Hof. An den Kopfbauten sind diese zu geschwungenen Balkonen ausformuliert, was die ansonsten rechtwinklig ausgerichtete Architektur auflockert.

2008 wurde die Wohnstadt Carl Legien mit fünf weiteren Siedlungen in die Welterbe-Liste der UNESCO aufgenommen. Sie alle sind herausragende Beispiele für den Siedlungsbau der Weimarer Republik, der in den 1920ern neue Maßstäbe setzte. [KS]

Karte

Legende

  • UNESCO Weltkulturerbe

Kontaktdaten und Öffnungszeiten

Adresse

Wohnstadt Carl Legien
Erich-Weinert-Straße 102
10409 Berlin

Förderformel

Anfahrt mit dem ÖPNV:

S-Bahnhof Prenzlauer Allee (S41, S42, S8, S85)
Anja Steinmann
Anja Steinmann

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