Haus auf der Alb

Gerd Jütten Ɩ Fotodesign

Erbauung

  • Baujahr / Bauzeit 1929 — 1930
  • Architekt/in Gustav Adolf Schneck

Sanierung

  • Baujahr / Bauzeit 1989 — 1992
  • Architekt/in Werkgemeinschaft Nürtingen, Eberhard Weinbrenner, Hellmut Kuby, Martin Rehm

Sanierung

  • Baujahr / Bauzeit 2013 — 2020

Gebäudetypologie

Gemeinwohl

Auch bekannt als: Kaufmannserholungsheim der Deutschen Gesellschaft für Kaufmannserholungsheime

Dieser herausragende Bau ist Teil des digitalen Vermittlungsformats „100 Jahre Architekturgeschichte zwischen 1900 und 2000“, das ab April 2019 auf dieser Webseite zugänglich sein wird. Der Ort ist nicht Teil der Grand Tour der Moderne und nicht zugänglich.

Das Haus auf der Alb in Bad Urach zählt zu den seltenen Denkmälern der Architekturmoderne in Süddeutschland. Der Architekt Adolf Gustav Schneck hatte sich bereits einen Namen gemacht, als er mit zwei Häusern an der Weissenhofsiedlung in Stuttgart mitwirkte. Das eindrucksvolle Erholungsheim auf der Schwäbischen Alb, das Schneck 1929-1930 realisierte, schließt bruchlos an die am Weissenhof vertretene, radikal-moderne Ästhetik des Neuen Bauens an.

Mit seinen weißen Kuben, Fensterbändern und Flachdächern ist das Erholungsheim ein Musterbeispiel für die nüchterne Formensprache der klassischen Moderne. Ganz im Sinne des Credos des Neuen Bauens, nach dem „die Form der Funktion folgt“, sind die vier Gebäudeteile klar durch ihre jeweilige Nutzung definiert. Der viergeschossige Gästezimmertrakt ist nach Südosten ausgerichtet und mit großzügigen Balkonen ausgestattet. Dies gewährt für alle Gäste einen gleichwertigen Zugang zu Luft und Sonne. Im stumpfen Winkel angeschlossen befinden sich ein zweigeschossiger Wirtschaftsflügel und ein flacher, vorspringender Bauwürfel mit Gesellschafts- und Speisesaal sowie einer großen Sonnenterrasse. Das turmartig erhöhte Treppenhaus fungiert als verbindendes und repräsentatives Bauelement.

Schneck hatte seit 1921 die Professur der Abteilung für Innenarchitektur und Möbelbau an der Kunstgewerbeschule Stuttgart inne. Sein Sinn für funktionales Wohnen ist in der spartanischen, aber dennoch überaus modernen Inneneinrichtung des Hauses klar zu erkennen: So designte Schneck nicht nur Stühle, Sessel und sogar einen Flügel, sondern stattete alle Gästezimmer mit modernen Waschgelegenheiten aus.

Das Ferienheim sollte Arbeitern nicht nur zur Erholung dienen, sondern sie auch soziale Unterschiede vergessen lassen. Diese sozialpolitischen Ziele wurden während der Zeit des Nationalsozialismus gleichgeschaltet, das Haus zu einem „Kraft-durch-Freude-Heim“ umfunktioniert. Im Anschluss wurde es u.a. als Reservelazarett genutzt. 1986 kaufte das Land Baden-Württemberg die vom Verfall bedrohte Anlage. Nach umsichtigen Sanierungsarbeiten in den Jahren 1989-92, für die der verantwortliche Architekt Hellmut Kuby mit Preisen ausgezeichnet wurde, wird das Haus heute als Tagungszentrum der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg genutzt. [KM]

 

 

Förderformel

Gerd Jütten Ɩ Fotodesign
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Stuttgart, Ulm und Karlsruhe

Erleben Sie unter dem Motto „Die moderne Großstadt neu gedacht“ die Weissenhofsiedlung in Stuttgart, Zeugnisse des modernen Hochschulbaus in Ulm und die Siedlung Dammerstock in Karlsruhe.

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