Liederhalle Stuttgart

Die 1955-56 ausgeführte, von den Architekten Adolf Abel und Rolf Gotbrod geplante Liederhalle ist einer der hervorragenden Beiträge Baden-Württembergs zur Entwicklung der modernen Architektur im Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Liederhalle mit den hier erstmals realisierten asymmetrischen Sälen gehört zu den akustisch besten Konzerthäusern in Deutschland. Die drei Säle sind als selbstständige Baukörper um den niedrigeren Foyertrakt gruppiert. Sie sind nicht nur nach ihrer Größe differenziert, sondern auch in der Form der Baukörper und in ihrer Oberflächengestaltung mit unterschiedlichen Materialien völlig verschieden ausgebildet. Die am Außenbau deutlichen Kontraste in der  Gestaltung der drei Säle bestimmen auch das Verhältnis der Innenräume zueinander.
Als ausgesprochen exzeptionelle architektonische Lösung nimmt die Liederhalle Gestaltungsprinzipien des Expressionismus auf. Auch einzelne formale Motive sind aus expressionistischen Vorstufen der zwanziger Jahre abgeleitet.
Herbert Medek UDB;
Die 1955-56 ausgeführte, von den Architekten Adolf Abel und Rolf Gotbrod geplante Liederhalle ist einer der hervorragenden Beiträge Baden-Württembergs zur Entwicklung der modernen Architektur im Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Liederhalle mit den hier erstmals realisierten asymmetrischen Sälen gehört zu den akustisch besten Konzerthäusern in Deutschland. Die drei Säle sind als selbstständige Baukörper um den niedrigeren Foyertrakt gruppiert. Sie sind nicht nur nach ihrer Größe differenziert, sondern auch in der Form der Baukörper und in ihrer Oberflächengestaltung mit unterschiedlichen Materialien völlig verschieden ausgebildet. Die am Außenbau deutlichen Kontraste in der Gestaltung der drei Säle bestimmen auch das Verhältnis der Innenräume zueinander. Als ausgesprochen exzeptionelle architektonische Lösung nimmt die Liederhalle Gestaltungsprinzipien des Expressionismus auf. Auch einzelne formale Motive sind aus expressionistischen Vorstufen der zwanziger Jahre abgeleitet.

Erbauung

  • Baujahr / Bauzeit 1955 — 1956
  • Architekt/in Rolf Gutbrod

Gebäudetypologie

Unterhaltung/Kultur (z.B. Theater, Kino, ...)

Dieser herausragende Bau ist Teil des digitalen Vermittlungsformats „100 Jahre Architekturgeschichte zwischen 1900 und 2000“, das ab April 2019 auf dieser Webseite zugänglich sein wird. Der Ort ist nicht Teil der Grand Tour der Moderne und nicht zugänglich.

Die Liederhalle in Stuttgart ist einer der außergewöhnlichsten Kulturbauten der 1950er-Jahre und zählt zu den bekanntesten Gebäuden der Nachkriegsarchitektur in Deutschland. 1956 realisierte der Stuttgarter Architekt und Anthroposoph Rolf Gutbrod die asymmetrische Anlage gemeinsam mit Adolf Abel, einem deutschen Architekten, der in den 1920er-Jahren unter Paul Bonatz arbeitete. 1991 erweiterte der Architekt Wolfgang Henning die aus drei Hauptsälen bestehende Liederhalle mit zwei weiteren Sälen zu einem „Kultur- und Kongresszentrum“.

Schon im Jahre 1864 ließ der Stuttgarter Liederkranz im Stadtzentrum eine Spielstätte errichten, die im Zweiten Weltkrieg jedoch zerstört wurde. Aus dem 1949 von der Stadt Stuttgart ausgeschriebenen Wettbewerb für einen Neubau gingen Gutbrod und Abel als Sieger hervor. Ihr ungewöhnlicher, vielseitiger und künstlerischer Entwurf verbindet Elemente des Expressionismus mit einer organischen Architektursprache. Die Liederhalle ist geprägt von einem kontrastreichen Wechsel von runden und zackigen Formen, einem Nebeneinander unterschiedlichster Baukörper und einem fantasievollen Materialmix. Dieser spielerische Eklektizismus bricht einerseits mit dem nüchternen Funktionalismus der Neuen Sachlichkeit, andererseits mit den Monumentalbauten der Nationalsozialisten.

Der Beethovensaal bildet die Mitte der Anlage. Seine konkaven, beleuchteten Außenwände aus Sichtbeton und seine runde Form bilden einen Kontrast zum sich links befindlichen, rechteckigen Silcher-Saal mit Klinkerfassade. Der Mozart-Saal bildet den rechten Teil des Ensembles und ist mit einer schmuckvollen Mosaikfassade des Münchner Künstlers Blasius Spreng verziert. Innen nehmen die Säle die gestalterischen Motive ihrer Außenwände wieder auf. So finden sich Sprengs Mosaikplatten aus Quarzitsteinen auch an den Wänden und Fußböden wieder. Spielerische Details wie ein Lichtbrunnen, Freitreppen und fließende Übergänge zwischen den verschiedenen Ebenen führen Gutbrods und Abels kunstreiche Komposition konsequent auch im Inneren des Gebäudes fort.

Der Hegel- und der Schillersaal im 1991 durch Architekt Wolfgang Henning daneben erbauten Kongresszentrum fügt sich stilistisch harmonisch an das denkmalgeschützte Hauptgebäude an. Zusammen umfasst das Ensemble 7.000 qm und ist Dreh- und Angelpunkt des Stuttgarter Kultur- und Kongressbetriebs. [KM]

Förderformel

Herbert Medek, UDB Stuttgart
Bildarchiv UDB Stuttgart