Hutfabrik Friedrich Steinberg Herrmann & Co.

Hutfabrik, Luckenwalde
Thomas Kemnitz

Erbauung

  • Baujahr / Bauzeit 1922 — 1923
  • Architekt/in Erich Mendelsohn

Sanierung

  • Baujahr / Bauzeit 2010 — 2010

Gebäudetypologie

Industrie/Produktion

Auch bekannt als: Hutfabrik von Mendelsohn

Der expressionistische Industriebau der ehemaligen Hutfabrik Steinberg Herrmann & Co gehört zu den bedeutendsten Entwürfen von Erich Mendelsohn. Die 1923 in Betrieb genommene Anlage zählt zu den Vorreitern des Neuen Bauens. Sie wurde durch die markante Dachkonstruktion der Färberei, die an einen stilisierten Hut erinnert, zum Wahrzeichen der Stadt Luckenwalde.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte das 50 Kilometer südlich von Berlin gelegene Luckenwalde zu den wichtigsten Standorten deutscher Hutfabrikation. Im Zuge der Fusion zweier Familienunternehmen entstand hier ein neuer Industriekomplex aus vier Produktionshallen, einem Kessel- und Turbinenhaus, zwei Torbauten und der Färbereihalle. Mit ihm bewies Mendelsohn, dass auch ein reiner Zweckbau Anspruch auf Schönheit hat. In konsequenter Symmetrie schuf er eine Einheit zwischen funktionalem Produktionsablauf und einem bis ins Detail durchkomponierten Bauorganismus.

Der langgestreckte Bau der Färberei, der auch unter dem Namen „Mendelsohnhalle“ bekannt ist, hat eine fast sakrale Ausstrahlung. Die rund 10.000 Quadratmeter große Halle ist in vier Schiffe unterteilt, die von spitz zulaufenden Dächern mit Oberlichtern bedeckt sind. Die schachtförmige Konstruktion enthielt eine moderne Entlüftungsanlage, über die die Dämpfe des Färbeprozesses abziehen konnten. Dazwischen breitet sich der Raum in seiner ganzen Größe aus, ohne Unterbrechung durch Wände oder zusätzliche Stützen. Die verbauten Materialien – Stahlbeton, Glas und Holz – waren für die Zeit ungewöhnlich und innovativ, auch produktionstechnisch war die Fabrik auf dem neuesten Stand.

Mitte der 1930er-Jahre eigneten sich die Nationalsozialisten die Gebäude an, um hier Munition herzustellen. Um nicht Ziel von Luftangriffen zu werden, wurde der auffällige Hut der Färberei abgetragen. Nach dem Krieg diente die ehemalige Hutfabrik zunächst als Reparaturhalle, dann als Wälzlagerwerk. Nach der Wende lag der Komplex brach und zerfiel zunehmend. Zwischen 2006 und 2011 wurde die Anlage schließlich rekonstruiert und die charakteristische Dachhaube wiederhergestellt. Heute steht die Industrieanlage unter Denkmalschutz und als Mendelsohnhalle bekannt. [DB]

Karte

Kontaktdaten und Öffnungszeiten

Adresse

Hutfabrik von Mendelsohn
Industriestraße 1c
14943 Luckenwalde

Öffnungszeiten

Gebäude ist nur von außen zugänglich. Es kann im Rahmen von angemeldeten Führungen auch von innen besichtigt werden.

Förderformel

Anfahrt mit dem ÖPNV:

Nächstgelegener Bahnhof der Deutschen Bahn: 700 m ; Nächstgelegene Haltestelle ÖPNV (Bus, Straßenbahn o.ä.): 100 m
Hutfabrik, Luckenwalde
Thomas Kemnitz
Hutfabrik, Luckenwalde
Hutfabrik, Luckenwalde
Thomas Kemnitz
Hutfabrik, Luckenwalde