Mart Stam

*Bauhaus-Archiv Berlin.

Text

Mart Stam (eigentliche Martinus Adrianus Stam) absolvierte zunächst zwischen 1917 und 1919 eine Tischlerlehre und besuchte danach die Staatliche Schule für Zeichenunterricht in Amsterdam, wo er das Diplom als Zeichenlehrer erwarb. Bis 1922 arbeitete Stam als Zeichner im Büro des Architekten Marinus Jan Granpré Molière in Rotterdam und trat der holländischen Architektenvereinigung „Opbouw“ bei. Noch im selben Jahr ging er nach Berlin, wo er bis 1923 in verschiedenen Architekturbüros arbeitete, unter anderem bei Max Taut und Hans Poelzig. Im Bereich „Internationale Architektur“ war er bereits 1923 auf der Bauhaus-Ausstellung in Weimar vertreten.

In den folgenden zwei Jahren war Stam bei dem Schweizer Architekten Karl Moser in Zürich und Arnold Itten in Thun beschäftigt. Gemeinsam mit den Architekten Hans Schmidt und Emil Roth initiierte er 1924 die erste Schweizer Avantgardezeitschrift „ABC-Beiträge zum Bauen“. 1926 kehrte Stam nach Holland zurück und arbeitete bis 1928 in Rotterdam im Architekturbüro bei Brinkmann en Van der Vlugt. Für die Werkbundausstellung in Stuttgart-Weißenhof errichtete er 1927 ein Reihenhaus und erfand den hinterbeinlosen Kragstuhl – den ersten "Freischwinger", den Marcel Breuer schließlich weiterentwickelte. Gemeinsam mit dem Architekten Gerrit Rietveld nahm Mart Stam als Vertreter der Niederlande am 1. CIAM-Kongress (Congrès Internationaux d'architecture moderne, Internationale Kongresse für modernes Bauen) in La Sarraz teil.

Ab dem Wintersemester 1928–1929 lehrte Mart Stam als Gastdozent für Städtebau am Bauhaus Dessau. Parallel zu seiner Arbeit am Bauhaus war Stam als freier Architekt für Das Neue Frankfurt tätig und realisierte dort unter anderem mit Werner Moser den Neubau eines Altenheims. Mit der Brigade May ging er 1930 nach Moskau und war dort neben anderen Aufgaben auch an den Planungen der Industriestädte Magnitogorsk, Makejewka und Orsk beteiligt. Mart Stam heiratete am 14. Oktober 1934 in Moskau die ehemalige Bauhausstudentin Lotte Beese, die Ehe wurde jedoch etwa zehn Jahre später geschieden.

1934 kehrte Stam in die Niederlande zurück, gründete 1935–1936 in Amsterdam eine Bürogemeinschaft mit W. van Tijen und wurde Redaktionsmitglied der Zeitschrift „De 8 en Opbouw“. 1939 erfolgte Stams Ernennung zum Direktor der Amsterdamer Kunstgewerbeschule (Instituut voor Kunstnijverheidsonderwijs), der späteren Rietveld-Akademie. Ab 1948 beteiligte er sich in Dresden an der Neuorganisation der Staatlichen Hochschule für Werkkunst und der Akademie für Bildende Künste, die später zur Hochschule für Bildende Künste zusammengeschlossen wurden. 1950 wurde Stam als Direktor an die Kunsthochschule nach Berlin-Weißensee versetzt. Im September 1952 erhielt er dort jedoch Hausverbot und kehrte am Neujahrstag 1953 nach Amsterdam zurück, wo er ab 1955 ein eigenes Büro betrieb. Ab 1966 zog er sich zunehmend aus dem öffentlichen Leben zurück und lebte bis zu seinem Tod 1986 in der Schweiz.

  1. Literatur:
  2. Möller, Werner (1997): Mart Stam 1899–1986. Architekt – Visionär – Gestalter; sein Weg zum Erfolg 1919–1930, Tübingen/Berlin.
  3. Oechslin, Werner (1991): Mart Stam. Eine Reise in die Schweiz 1923–1925, Zürich.
  4. Scharnhorst, Anke (2010): Mart Stam, in: Wer war wer in der DDR?, 5th Edition, Vol. 2, Berlin.