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Konzept-Überarbeitung 2011 bis 2013

Die maßgebliche Entscheidung für den Minolplatz als Standort und das Gesamtkonzept der Stiftung Kosmos Weimar 2012 veranlassten die Direktion Museen, das vorhandene Museumskonzept aus dem Jahr 2008/09 zu überprüfen. Wolfgang Holler, der im Juli 2009 seinen Dienst als Generaldirektor der Museen angetreten hatte, initiierte die Überarbeitung des Konzepts nicht nur in Hinsicht auf die Diskussion der Bedeutung der stadträumlichen Situation des Neubaus, sondern regte auch die Überprüfung der fachlichen Darstellung der Bauhaus-Historie an und eine nochmalige Diskussion über die adäquate Einbeziehung der Besucherinteressen.
Neben den Kuratoren waren auch die Vermittler sowie externe Fachkollegen in den Prozess der Überarbeitung einbezogen. Im Laufe des Prozesses erfolgten Präsentationen für unterschiedlichsten Anspruchsgruppen wie Behindertenverbände, Touristiker, Marketingfachleute oder interessierten Laien. Wichtige Rückmeldungen, sei es in Hinsicht auf Aspekte von Barrierefreiheit oder Inklusion, sei es in Hinsicht auf Schlüssigkeit und Vermittelbarkeit des museologischen Narrativs, wurden aufgenommen. Der Direktion Museen oblag es dabei, das museologische Leitbild, das Narrativ und die Themen zu formulieren, wissenschaftlich zu fundieren und anschließend den gesamten Prozess der Ausstellungsentwicklung zu steuern. Museologisch orientierte sich diese Überarbeitung an zeitgleichen Diskursen über die Aufgaben und Inhalte eines Museums: Das angeblich „müde Museum" fand keinesfalls in Weimar statt!

Ansätze zur Neu-Definition der Institution Museum im 21. Jahrhundert werden seit geraumer Zeit allenthalben in vielen Museen diskutiert; manche dieser Überlegungen werden im Zuge der Reformierung bestehender Häuser oder anläßlich der Eröffnungen von Neubauten umgesetzt. Ein erster Beschluss der Kuratorengruppe war, das Bauhaus-Museum Weimar als sozialen Ort, als Plattform für die interaktive Einbeziehung des Besuchers zu verstehen, der sich nicht nur an bestimmten Ausdrucksformen sinnlich-praktisch beteiligt, wie allgemein Usus in der Vermittlungsarbeit, sondern eingeladen ist, Fragen aus seiner Lebenswelt direkt zur Verhandlung ins Museum zu tragen. Andere Überlegungen zur Neujustierung des Bauhaus-Museums vor dem Hintergrund von Globalisierung, Digitalisierung und Ökonomisierung der Gegenwart beschreiben es auch als einen Ort der Erfahrungsgewinnung, als Lernort oder Denkraum; sie verfolgen damit alle thematisch dasselbe Ziel.

Als wesentliche Veränderung in Bezug auf den Inhalt wurde im überarbeiten Konzept festgelegt, dass sich das Museum am Prinzip des offenen Prozesses orientieren soll. Dieses Arbeitsprinzip wird sich im Museum widerspiegeln, insofern, als die Dauerausstellung die Bauahus-Historie nicht chronologisch präsentiert, sondern im Sinne der ›suchenden‹ Vorgehensweise der Frühzeit des Bauhauses erforscht. Aus diesem Grunde soll keine statische oder lineare Erzählung der Bauhaus-Erfolgsgeschichte oder der Entwicklung des Funktionalismus vorgenommen werden, sondern eine themenorientierte Darstellung von Ideen, Prozessen und lebensweltlichen Bezügen. Grundlage dafür sind die Objekte oder Objektgruppen der Sammlung, die medial ergänzt werden können. Ein hauptsächlich digital strukturiertes Bauhaus-Museum wurde abgelehnt, da seitens der Kuratoren die Notwendigkeit gesehen wurde, in Zeiten einer weiter zunehmenden Digitalisierung des Alltags die Vermittlung des realen Objektes in den Mittelpunkt eines lebendigen, für den Gast attraktiven Museumsbesuchs zu stellen. Die Digitalisierung unterstützt und ergänzt die Vermittlung, ersetzt aber keinesfalls das Objekt, so die Haltung.
Es wurde ferner festgelegt, das Narrativ des Museums aus den Ideen des frühen Bauhauses heraus zu entwickeln. Hierfür wurde ein Statement des frühen Bauhauses ausgewählt, das anläßlich einer geplanten Präsentation der Schule auf der Bauausstellung in Stuttgart 1924 formuliert wurde: »die brennendste Frage des Tages überhaupt: wie werden wir wohnen, wie werden wir siedeln, welche Form des Gemeinwesens wollen wir erstreben?« Diese Aussage soll vor allem in der Vermittlungsarbeit auf heutige Aktualität hin diskutiert werden, ohne Modellcharakter zu haben. Fragen heutigen Gemeinschaftsverständnisses oder individueller Lebenskonzepte mit den Themen wie Ästhetisierung des Alltags, Mobilität, Individualisierungstendenzen oder Rückzug, können so kritisch mit dem am Bauhaus propagierten Gemeinschafts-Ideal verglichen werden.
Die inhaltlichen Themen der Dauerausstellung sollen, je nach Objektlage, verschiedene Erzählstränge ›auslegen‹, die sich an unterschiedlichen Stellen querschnittsartig treffen. Ausgehend von den Objekten der Bauhaus-Sammlung und der Sammlung Ludewig wurden folgende Themen für das Konzept als Schwerpunktthemen identifiziert: Die „Historische Bauhaus-Sammlung 1925"; „Der neue Alltag"; „Der Neue Mensch"; „Autoritäre Objekte"; „Luxus"; „Erfolg"; „Experiment" und „Funktionalität". Geplant war und ist, den zeitlichen Schwerpunkt dabei nicht nur auf die Geschichte des Bauhauses in Weimar zu legen, sondern auch auf die Phase in Dessau und Berlin von Mitte 1925 bis 1933 sowie auf ausgewählte Aspekte der Vor- und Nachgeschichte des Bauhauses.
Dem Stiftungsrat wurde am 26. Juni 2013 die Überarbeitung des Konzepts in einer Präsentation vorgestellt, so dass nach dessen Bestätigung die Ausschreibung des Gestalterbüros vorgenommen werden konnte.

  1. Quelle
  2. Klassik Stiftung Weimar, Themendossier Bauhaus-Museum Weimar unter https://www.klassik-stiftung.de/service/presse/themendossiers/bauhaus-museum-weimar/; letzter Zugriff am 26.3.2019