Der Ulmer Hocker

Ulm | Ausstellung | bis 27.2.2022

Mit der Ausstellung "Der Ulmer Hocker: Idee – Ikone – Idol“ stellt das HfG-Archiv Ulm erstmals einen der bekanntesten an der Hochschule für Gestaltung Ulm (HfG) entstandenen Entwürfe in das Zentrum einer ausführlichen Darstellung.

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Aus unterschiedlichen Perspektiven wird der Weg vom schlichten Gebrauchsmöbel an der HfG Ulm (19531968) zum weltweit geschätzten Designklassiker nachgezeichnet. Mittels eines vielfältigen Blicks auf die unterschiedlichen Bedingungen, die den "Ulmer Hocker" ermöglicht haben, wird dieser nicht nur als ein Designklassiker verstehbar, sondern darüber hinaus auch ein originelles Modell von Geschichtsschreibung vorgestellt.

So zeigt die "Idee" den "Ulmer Hocker" in einem weiten Spannungsfeld seiner Entstehung und deutet ihn als ein Erzeugnis unterschiedlicher Faktoren: Max Bill, Hans Gugelot und Paul Hildinger werden als Urheber des 1954 an der HfG Ulm entstandenen "Ulmer Hockers" ebenso beleuchtet wie innovative Technologien, die bei der Fertigung des "Ulmer Hockers" zum Einsatz kamen, sowie die ökonomische und politische Situation der HfG Ulm. Auch Einflüsse aus Malerei- und Designgeschichte, Architektur und Wissenschaft stehen im Zentrum der Betrachtung.

HfG-Archiv.
Max Bill – Hans Gugelot – Paul Hildinger, Ulmer Hocker, 1954, Foto: Ernst Hahn.

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Als "Ikone" wird der "Ulmer Hocker" als einen Klassiker der Designgeschichte präsentiert und als Teil ihres jeweiligen Kanons inszeniert. Der "Ulmer Hocker" ist für viele internationale Gestalter*innen nach wie vor eine Ikone, die bis heute Anlass für eigene Interpretationen gibt. Er wird nachgeahmt, abgewandelt und weiterentwickelt – seine Maße werden geändert, seine Materialien variiert, seine Funktionen erweitert. So werden auch Hocker gezeigt, die entweder zeitgenössische Varianten, Kopien, Variationen, Vorläufer oder Nachfolger des "Ulmer Hockers" sind, die sich sämtlich mehr oder weniger direkt auf diesen beziehen und die Frage aufwerfen, was den "Ulmer Hocker " im Kern eigentlich ausmacht. Einige der präsentierten Modelle greifen die Form auf, um diese zu verbessern oder an weitere Nutzungen anzupassen. Andere Beispiele veredeln den Hocker oder ironisieren ihn. Wieder andere machen anderes anders, versuchen aber, dem ideellen Konzept des "Ulmer Hockers" dabei treu zu bleiben: Sie sind einfach und günstig hergestellt, multifunktional und für alle verfügbar.

HfG-Archiv Ulm
Blick in die Gipswerkstatt, 1960er Jahre.

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In Anlehnung an die Dokumentation der historischen Nutzungen ermunterte ein "Open Call" über die Plattform nextmuseum.io das Publikum den "Ulmer Hocker" als "Idol" mit seiner gegenwärtigen Verwendung sowohl fotografisch als auch in Beiträgen mitzuteilen und damit ein Teil der Ausstellung zu werden. Wo man geht und steht, stößt man nicht nur in Ulm auf den "Ulmer Hocker". Er fand an der HfG Ulm überall dort Verwendung, wo schnell eine Sitzgelegenheit oder ein Sockel, ein Nachttisch oder ein Leiterersatz gebraucht wurde. Das Möbel ist für vielfältige Verwendungen schnell zur Hand, ohne großen Aufwand. Ebenso lautlos verschwindet er wieder von der Bühne. Die eingereichten Bilder und Texte zeigen, dass der "Ulmer Hocker" auch heute noch als multifunktionales Möbelstück nicht wegzudenken ist.

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HfG-Archiv Ulm.
Selbstdarstellungen der HfG, 1966-67.