Hamburger Architektur Sommer 2019

Kessler/Beierle

Solide bauen – anarchisch feiern

Die Hamburger Kunstszene in den 1920er und frühen 1930er-Jahren war bunt, experimentierfreudig, politisch, gattungs- und grenzüberschreitend – im Aufbruch. Legendär waren die Künstlerfesten im Curiohaus, die damals unter so klangvollen Motti wie  „Dämmerung der Zeitlosen“, „Die gelbe Posaune der Sieben“ oder „Himmel auf Zeit“ gefeiert wurden – Gesamtkunstwerke unter Beteiligung von Künstler*innen aller Disziplinen.

Programm

Das Programmheft zum Download

Initiative Hamburger Architektur Sommer e.V.
Grindelhof 40 | 20146 Hamburg

Ansprechpartner: Stephan Feige,
Irmela Kästner, Lara Kuom

Telefon: +49(0)40 44 184 150
Mail info@architektursommer.de
Web www.architektursommer.de


Förderer: Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen der Freien und Hanestadt Hamburg, Hamburgische Architektenkammer

Solide bauen – anarchisch feiern

Im Tanz passierte Außergewöhnliches: Lavinia Schulz und Walter Holdt erregten mit ihren Maskentänzen großes Aufsehen, Rudolf von Laban inszenierte seine berühmten Bewegungschöre im Stadtpark, Mary Wigman feierte in Hamburg frühe Erfolge. Bühne und Theater waren Experimentierfelder, Fritz Schumacher (Hamburgs erster Oberbaudirektor) entwarf Reliefbühnen für Inszenierungen am Schauspielhaus, Lothar Schreyer (1921-23 Leiter der Bühnenwerkstatt am Bauhaus) zerlegte an der Landeskunstschule (heute HfbK) das klassische Theater, Hans Henny Jahnn rieb sich am Film und erprobte Mischformen unter Einbeziehung dieses modernen Mediums schlechthin.
Architektur und Stadtplanung wurde mit hohem sozialästhetischem technischem Anspruch betrieben, in einer modernen Architektursprache mit hanseatischer Färbung. Mit dem Kontorhaus entwickelten und verfeinerten Hamburger Architekten eine ganz neue und hochmoderne Gebäudetypologie, die strukturell und konstruktiv den Anforderungen einer modernen Handels- und Millionenstadt entsprach. Fotograf*innen (unter ihnen in der Fotografie „dilettierende“ Architekten wie Fritz Block, der Architekt des Deutschlandhauses) und Maler*innen erprobten das „Neue Sehen“. Der Architekt Karl Schneider und der Künstler Naum Slutzky (1921-24 Meister am Bauhaus) schufen mit dem Emelka-Palast das erste moderne Großkino Deutschlands. Sie schufen kein Filmtheater, sondern ein Lichtspielhaus, eine neue, moderne Typologie.

Mehr Bauhäusler*innen als irgendwo

Das historische Bauhaus residierte nicht in Hamburg, doch nach 1945 gab es keine Kunstschule in Deutschland, in der mehr ehemalige Bauhäusler tätig waren als an der Hamburger Landeskunstschule, der späteren Hochschule für bildende Künste, darunter Fritz Schleifer, Gerhard Marcks, Kurt Kranz, Gustav Hassenpflug, Walter Peterhans und Max Bill. Hier wurden Bauhauspraxis und Bauhausideen ganz konkret in personeller Kontinuität fortgeführt.


Grand Tour der Moderne

Architektur und Städtebau wurden in Hamburg mit hohem sozialem und ästhetischem Anspruch betrieben und wirken bis heute nachhaltig stadtbildprägend. Fritz Schumacher, Oberbaudirektor in Hamburg, und der Altonaer Bausenator Gustav Oelsner lenkten und gestalteten in Hamburg und Altona das bauliche Werden der damals noch eigenständigen Städte zu zwei modernen Großstädten.
Entdecken Sie die Orte der Grand Tour der Moderne in Hamburg.

Union Investment Real Estate GmbH, Foto: Andreas Vallbracht

Chilehaus

Das 1922-1924 von Fritz Höger errichtete Chilehaus war eines der ersten Hochhäuser Hamburgs und zählt zu den Ikonen des deutschen Backsteinexpressionismus. Noch immer beeindruckt die UNESCO-Welterbestätte durch ihre besondere Gebäudeform und die detailreichen Klinkerfassaden. Im Erdgeschoss des Chilehauses befindet sich eine lebendige Mischung aus gastronomischen Angeboten und Fachgeschäften.

Katrin Neuhauser / SAGA Unternehmensgruppe

Grindelhochhäuser

Die Grindelhochhäuser in Hamburg sind die erste Hochhaussiedlung der Bundesrepublik. Architektonisch und konzeptuell knüpften die „Grindelberg-Architekten“, die „Hamburgs Manhattan“ 1946-1956 realisierten, an die Vision des Neuen Wohnens der 1920er-Jahre an.

Hamburger Friedhöfe -AöR- 2013, Foto: Lutz Rehkopf

Hamburger Krematorium Ohlsdorf

Fritz Schumacher – Architekt, Werkbund-Gründungsmitglied und langjähriger Baudirektor Hamburgs – realisierte mit dem Neuen Krematorium (1930–1932) einen typisch norddeutschen Klinkerbau. Die symmetrische Anlage war sein letzter Bau für Hamburg.

Berufliche Schule Energietechnik Altona - BEA, Foto: Michael Kottmeyer

Haus der Jugend

Inmitten Altonas Stadtzentrum befindet sich mit dem Haus der Jugend nicht nur ein Zeugnis des Neuen Bauens, sondern auch der Bildungsreformen der Weimarer Republik. Erbaut wurde das Berufsschulzentrum 1928-1930 nach Entwürfen von Gustav Oelsner.

Bezirksamt Hamburg-Nord

Jarrestadt

Die Wohnsiedlung Jarrestadt in Hamburg entstand zwischen 1926 und 1930 durch Fritz Schumacher unter Beteiligung vieler Architekten, darunter Karl Schneider und Fritz Höger. Sie gilt als Muster für das Neue Bauen und den sozialen Wohnungsbau der Weimarer Republik.

Elke Dröscher

Landhaus Michaelsen

Der Architekt Karl Schneider galt einst als Pionier des Neuen Bauens. Mit dem Landhaus Michaelsen realisierte er 1923 in Hamburg Blankenese eines seiner frühen Werke. Das eigenwillige Ensemble aus Kuben und Rundbauten zählt zu seinen berühmtesten Gebäuden.

Weitere Artikel zum Thema