Margaretha Reichardt

Porträtstudie (Grete Reichardt), Foto: Werner David Feist, 1929–1930.
Porträtstudie (Grete Reichardt), Foto: Werner David Feist, 1929–1930. Bauhaus-Archiv Berlin.
  • Geboren am 6.3.1907 in Erfurt, Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach (Deutsches Reich) | heute Deutschland
  • Verstorben am 25.5.1984 in Erfurt-Bischleben, DDR | heute Deutschland

  • abweichende Schreibweise Margarete Reichardt
    Grete Reichardt
  • Name nach Heirat Grete Wagner

  • Tätigkeiten Textilkünstlerin, Weberin

    Netzwerke
  • Bauhaus Dessau: Studierende

Netzwerke

  • Bauhaus Dessau: Studierende Immatrikulationsnr. 83
    4.1926–9.1931: Grundlehre/Vorlehre, Weberei, Freie Malklasse
    1930: Gesellenprüfung

Zwischen 1921 und 1925 absolvierte Margaretha Reichardt eine Ausbildung an der Staatlich-Städtischen Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Erfurt. Sie bewarb sich 1925 am Bauhaus in Weimar, begann ihr Studium jedoch ab 1926 bereits am Bauhaus in Dessau. Margaretha Reichardt besuchte zunächst den Vorkurs bei Josef Albers und László Moholy-Nagy, später den Unterricht bei Paul Klee, Wassily Kandinsky und Joost Schmidt. Sie spezialisierte sich in der Weberei bei Gunta Stölzl und wurde ab 1930 freie Mitarbeiterin in der Weberei und Hospitantin in der freien Malklasse bei Wassily Kandinsky. 1929 legte sie vor der Handwerkskammer Dessau ihre Gesellenprüfung ab und erhielt im Juli 1931 das Bauhausdiplom Nr. 54 der Weberei.
Im Rahmen ihrer Arbeit in der Weberei des Bauhauses war sie maßgeblich an der Entwicklung des so genannten Eisengarngewebes beteiligt, einer Stoffbespannung für Stahlrohrmöbel. Auch darüber hinaus arbeitete sie an verschiedenen Projekten des Bauhauses mit, unter anderem an der Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) in Bernau bei Berlin und dem Operncafé Dessau. Margaretha Reichardt verließ das Bauhaus 1931, arbeitete zunächst bei dem Grafiker und Designer Piet Zwart in Holland und baute schließlich in Den Haag eine eigene Webereiwerkstatt auf. 1933 kehrte sie nach Erfurt zurück und gründete dort die Handweberei Grete Reichardt. Die Mitgliedschaft in der Reichskulturkammer erlaubte ihr ab 1936 die Teilnahme auf zahlreichen Kunsthandwerks-Ausstellungen, beispielsweise 1936 im Leipziger Grassimuseum. Die Arbeiten der Textilgestalterin wurden mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht. Bei der Weltausstellung in Paris erhielt Reichardt 1937 ein Ehrendiplom, zwei Jahre später wurden ihre Entwürfe zu Industrietextilien auf der Triennale in Mailand mit einer Goldmedaille ausgezeichnet, 1951 verlieh man ihr, ebenfalls in Mailand, für ihre ausgestellten Gobelins ein Goldenes Ehrendiplom.
1953 bekam sie das Angebot einer Dozentur an der Landeskunstschule in Hamburg. Auf der Frühjahrs- und Herbstmesse in Leipzig wurde Magaretha Reichardt 1964 mit der Guten Form ausgezeichnet und erhielt 1969 die Ehrenurkunde des Ministeriums für Kultur, der Handwerkskammer und des Verbandes Bildender Künstler Deutschlands für die Beteiligung „Mit guten Leistungen auf dem Gebiet Textil“. In den 1970er Jahren unterstützte sie die Bauhaus-Erbepflege in Weimar und Dessau.

[AG 2015]

Literatur:

· Angermuseum Erfurt und Arbeitsgruppe M. Reichardt (1995): Margaretha Reichardt 1907–1984. Textilkunst, Erfurt.
· Herbert Eichhorn (2001): KinderBlicke: Kindheit und Moderne von Klee bis Boltanski, Ostfildern-Ruit.
Galerie am Sachsenplatz (1983): bauhaus 6, Leipzig, S. 87.