Friedrich Reimann

Porträt Friedrich Reimann, Foto: Jacobsen, um 1932.
Porträt Friedrich Reimann, Foto: Jacobsen, um 1932. Bauhaus-Archiv Berlin / Margareta Raabe, Nachlass Friedrich Reimann.
  • Geboren am 22.2.1912 in Deuna, Provinz Sachsen (Deutsches Reich) | heute Deutschland
  • Verstorben in 2008 in Duderstadt, Deutschland

  • Tätigkeiten Freischaffender Künstler, Lehrer

    Netzwerke
  • Bauhaus Dessau: Studierender
  • Bauhaus Berlin: Studierender

Netzwerke

  • Bauhaus Dessau: Studierender 4.1931–9.1932: Grundlehre/Vorlehre, Reklamewerkstatt, Druckerei, Fotowerkstatt
  • Bauhaus Berlin: Studierender 10.1932–1.4.1933: Reklamewerkstatt, Fotowerkstatt
    Bauhaus-Diplom der Reklame am 1.4.1933

Friedrich Reimann wurde am 22. Februar 1912 in Deuna/Thüringen geboren und wuchs in Fuhrbach im Landkreis Göttingen auf. Nach einer Steinsetzerlehre nahm er im Sommer 1931 ein Studium am Bauhaus Dessau auf. Der Vorkurs bei Josef Albers umfasste Material-, Werklehre und gegenständliches Zeichnen. Bei Wassily Kandinsky belegte Reimann „Abstrakte Formelemente“ und „Analytisches Zeichnen“, außerdem besuchte er bis zum Ende seines Studiums dessen freie Malklasse. Joost Schmidt erteilte Reimann Schriftlehre, Willi Saemann Mathematikunterricht und Wilhelm Müller Chemie und Technologie. Der Buchdruckermeister Willi Hauswald vermittelte während dieser Grundlehre die Kalkulation von Drucksachen, dazu Typografie, Druck- und Reproduktionsverfahren – Fächer, die sich auch durch das Wintersemester ziehen sollten. Mit diesem 2. Semester begann für Reimann die Ausbildung in der Druck- und Reklamewerkstatt: u. a. besuchte er Kurse bei Joost Schmidt in typografischer Gestaltung, sowie in Figuren- und Aktzeichen. Gegenständliches Zeichnen erlernte Reimann bei Josef Albers, bei Alfred Arndt darstellende Geometrie und in Hinnerk Schepers Unterricht ging es um Farblehre. Gastvorträge in Psychologie hörte Reimann bei Karlfried Graf von Dürckheim. In der Werkstatt für Fotografie war es Walter Peterhans, der ihn in die fotografischen Techniken einwies.
Als das Bauhaus 1932 Dessau verlassen musste, ging auch Reimann mit nach Berlin. Da Joost Schmidt nicht mehr zu den Lehrkräften gehörte, leitete der dritte Bauhausdirektor Mies van der Rohe neben der Architekturklasse nun auch die Reklameabteilung, unterstützt von dem Maler und Grafiker Hanns Thaddäus Hoyer, der für den Schrift-Unterricht verpflichtet wurde. Reimann besuchte Willi Hauswalds Seminare in Reklame- und Plakatbesprechungen, außerdem weiterhin Walter Peterhans’ Fotografieklasse und Hinnerk Schepers Unterricht, der nun auch Aktzeichnen lehrte. Als einer der letzten Studierenden erhielt Friedrich Reimann am 1. April 1933 das Bauhaus-Diplom Nr. 117 der Reklameabteilung. 10 Tage später wurde das Bauhaus von der Gestapo durchsucht, versiegelt und geschlossen, am 20. Juli 1933 löste Mies van der Rohe die Hochschule dann endgültig auf.
Im Frühjahr 1934 wirkte Reimann bei der Ausführung der umfangreichen grafischen Gestaltung eines Standes für die Propagandaschau “Deutsches Volk – Deutsche Arbeit” mit. Entworfen wurde der Bau des Standes der Abteilung „Nichteisenmetalle“ von Walter Gropius und Joost Schmidt, mit der Umsetzung des Entwurfs hatte Gropius den ehemaligen Bauhäusler Werner Funkat beauftragt, der wiederum Reimann anheuerte. Bis 1940 war Reimann als Gebrauchsgrafiker in Berlin tätig, nebenher hospitierte er in Studienateliers und Kunstschulen, u. a. in der Malschule Walter Zuchors. Die ersten drei Jahre seines Militärdienstes verbrachte er als Wetterdienstassistent in Norwegen. Er heiratete 1943, danach war er als Wachsoldat und Funker im Einsatz.
Nach Kriegsende kehrte Friedrich Reimann ins Eichsfeld im südöstlichen Niedersachsen zurück, wo er von 1950 bis 1975 als Kunsterzieher an den Ursulinenschulen und am Gymnasium in Duderstadt wirkte. Daneben arbeitete er als freischaffender Künstler, Grafiker und Plastiker und war Mitglied des Bundes Bildender Künstler.
Öffentliche Arbeiten von Reimann sind das Grabmal für die Ursulinen in Duderstadt, farbige Glasfenster in der Friedhofskapelle Fuhrbach, eine Pieta-Skulptur in Neu-Bösekendorf sowie der Friedensglobus in Duderstadt. Andere Werke Reimanns wie Ölbilder, Zeichnungen, Aquarelle und Kleinplastiken wurden in zahlreichen Gesamtausstellungen und in Ausstellungsbeteiligungen gezeigt, beispielsweise in Berlin, Bremen, Bonn, Dortmund, Duderstadt, Fuhrbach, Göttingen, Hildesheim, Northeim und Combs la Ville/Frankreich. Friedrich Reimann starb am 3. Januar 2008 in Duderstadt.

[BK]

Literatur:

· Ute Brünung (1995): Das A und O des Bauhauses, Berlin.
· Magdalena Droste (1991): bauhaus 1919–1933, Berlin.
· Kulturserver Niedersachsen – Stiftung kulturserver.de gGmbH (1990): Persönliche Aufzeichnungen Friedrich Reimann.
· Friedrich Reimann (um 1991): Sehen ohne Grenzen, Duderstadt.
· Hans M. Wingler (1975): Weimar Dessau Berlin, Schauberg.