Ellen Auerbach

Ellen Auerbach, ohne Titel (Portrait Ellen Auerbach), 1936–37, Sammlung der Akademie der Künste Berlin: Ellen Auerbach. Fotografisches Werk.
Ellen Auerbach, ohne Titel (Portrait Ellen Auerbach), 1936–37, Sammlung der Akademie der Künste Berlin: Ellen Auerbach. Fotografisches Werk. © VG Bild-Kunst © Akademie der Künste Berlin, Identifikationsnr.: KS-Auerbach-640, CC BY-NC-ND 4.0.
  • Geboren am 20.5.1906 in Karlsruhe, Großherzogtum Baden (Deutsches Reich) | heute Deutschland
  • Verstorben am 30.7.2004 in New York, USA

  • Ehe mit Walter Auerbach (∞25.2.1937–1945)

  • Tätigkeiten Fotografin, Therapeutin, Werbegestalterin

    Netzwerke
  • Emigration (Palästina)
  • Emigration (Nordamerika)

Netzwerke

  • Emigration (Palästina) 1933–36
  • Emigration (Nordamerika) 1937

Ellen Rosenberg wurde am 20. Mai 1906 in Karlsruhe in ein jüdisches Elternhaus geboren. Sie studierte von 1924 bis 1927 in ihrer Heimatstadt an der Badischen Landeskunstschule Bildhauerei und Zeichnen bei den Professoren Paul Speck und Karl Hubbuch. 1928 wechselte sie nach Stuttgart an die Kunstakademie Am Weißenhof 1, wo sie sich verstärkt mit Fotografie beschäftigte. Es folgten erste fotografische Studien beim renommierten Fotografen Walter Peterhans in Berlin und das Zusammentreffen mit Grete Stern. Beide Frauen übernahmen nach Peterhans’ Berufung durch Hannes Meyer ans Bauhaus Dessau sein Atelier und eröffneten 1930 das Fotostudio ringl+pit, benannt nach ihren Spitznamen aus Kindertagen – Grete Stern (Ringl) und Ellen Rosenberg (Pit). Sie etablierten ihr Studio mit Porträts, darunter der Dichterin Marieluise Fleisser und der Tänzer Claire Eckstein (Abb.1) und Edwin Denby, sowie Sach- und Werbefotografien, die sich durch Humor, Ironie und die eine oder andere Provokation von gängigen Fotos der Zeit unterschieden. Für ihre Werbeaufnahme Komol (Abb.2) erhielten sie bei der Deuxième Exposition Internationale de la Photographie et du Cinema in Brüssel 1933 den ersten Preis. Neben der Fotografie experimentierte die Künstlerin auch mit 16-mm-Filmen. Sie drehte die Kurzfilme Heiterer Tag auf Rügen und Gretchen hat Ausgang.

Ende 1933 emigrierte Ellen Rosenberg nach Palästina (Abb.3), wo sie Arbeiten für den Jüdischen Nationalfonds fertigte und 1934 mit Liselotte Grschebina das auf Kinderporträts spezialisierte Fotostudio Ishon – das im Hebräischen Pupille, Augapfel oder kleiner Mann bedeuten kann – in Tel Aviv gründete. Nach arabischen Aufständen verließ Rosenberg 1936 zusammen mit ihrem Partner, dem Bühnenbildner Walter Auerbach (Abb.7), Palästina und reiste zu Grete Stern nach London. Die Hoffnung, sich dort niederzulassen und als Fotografin arbeiten zu können, zerschlug sich. So heirateten Ellen und Walter Auerbach 1937 und emigrierten als Ehepaar in die USA. Ellens Bruder Walter Rosenberg erhielt 1936 ein Visum für Argentinien. Ihre Eltern wurden 1943 als deutsche Juden im Konzentrationslager Gurs in Frankreich interniert, später befreit und entschieden sich nach Kriegsende zur Rückkehr nach Karlsruhe.

Das Paar Auerbach lebte zunächst in Elkins Park, einem Vorort von Philadelphia, wo Ellen weiterhin als Fotografin tätig war; eines ihrer Kinderporträts wurde 1938 auf dem Cover des Life Magazine publiziert. Zwischen 1939 und 1942 dokumentierte sie Werke der privaten Kunstsammlung Lessing-Rosenwald, experimentierte mit Infrarot- und Ultraviolettlicht und erlernte die Technik des Carbro-Drucks.

1940 siedelte das Ehepaar nach New York über, lernte Künstler wie Willem de Kooning und Fairfield Porter kennen. Ellen Auerbach arbeitete als freie Fotografin, die u.a. für das Time Magazine und Columbia Masterworks Landschafts-, Natur- und Tanzfotos (Abb.5) sowie Porträts (Abb.4) produzierte. 1945 trennte sich das Ehepaar Auerbach.

Zwischen 1946 und 1949 arbeitete Ellen Auerbach mit der Kinderpsychologin Dr. Sybil Escalona an der Menninger School of Psychiatry in Topeka, Kansas. Sie fotografierte und produzierte zwei Filme über differenzierte Verhaltensweisen und -abläufe von Kleinkindern und Säuglingen. 1953 wurde sie Dozentin für Fotografie am Junior College for Art and Crafts in Trenton, New Jersey. Die Fotografin reiste weiterhin viel, u.a. nach Mallorca, Argentinien, Griechenland, Norwegen sowie 1955/56 mit Eliot Porter nach Mexiko (Abb.6). Dabei entstanden eindrückliche Reise- und Straßenimpressionen.

Mit 60 Jahren begann Ellen Auerbach eine neue Karriere: Bis 1984 arbeitete sie als pädagogische Therapeutin mit lernbehinderten Kindern am Educational Institute for Learning and Research in New York. Sie fotografierte nur noch gelegentlich. 

In den 1980er-Jahren wurden die Arbeiten von ringl+pit sowie das fotografische Werk von Ellen Auerbach und Grete Stern wiederentdeckt. Es folgten eine Reihe von Einzel- und Gruppenausstellungen in den USA und Deutschland, so u.a. die Ausstellungen „Emigriert“ (1988, Karlsruhe) und „Die Fotografin Ellen Auerbach. Retrospektive“ (1998, Berlin, Akademie der Künste). In Folge ihrer Retrospektive übergab Ellen Auerbach den Großteil ihres fotografischen Werks der Akademie der Künste und stiftete das Ellen-Auerbach-Stipendium für Fotografie, das seit 2006 alle zwei Jahre durch die Akademie vergeben wird.
Ellen Auerbach verstarb im Alter von 98 Jahren am 30. Juli 2004 in New York. [AHo, 2021]

Literatur:

· Ute Eskildsen, Jean-Christophe Ammann, Renate Schubert, Susanne Baumann (1998): Ellen Auerbach: Berlin, Tel Aviv, London, New York, München, Prestel.
· Antonia Lerch (2007): Drei Fotografinnen: Ilse Bing, Grete Stern, Ellen Auerbach, Berlin, Absolut Medien.
· Digitale Sammlungen der Akademie der Künste: Ellen Auerbach. Fotografisches Werk, www.digital.adk.de, 8.11.2021.
· Clara Sandler, Juan Mandelbaum: Ellen Auerbach, https://jwa.org/encyclopedia/article/auerbach-ellen, 8.11.2021.