Moshe Bahelfer

Porträt Moses Bahelfer (Portrait in Doppelbelichtung), Foto: Werner David Feist, 1928.
Porträt Moses Bahelfer (Portrait in Doppelbelichtung), Foto: Werner David Feist, 1928. © Bauhaus-Archiv Berlin.
  • Geboren am 29.6.1908 in Wilna, Russisches Kaiserreich | heute Vilnius, Litauen
  • Verstorben in 1995 in Paris, Frankreich

  • abweichende Schreibweise Moses Bagel
    Moses Bagel-Feryches
    Moses Bagelferyches
  • Spitzname Mejschke


  • Tätigkeiten Bühnenbildner, Grafiker, Maler

    Netzwerke
  • Bauhaus Dessau: Studierender

Netzwerke

  • Bauhaus Dessau: Studierender Immatrikulationsnr. 305
    Grundlehre/Vorlehre, Freie Malklasse, Druckerei, Reklamewerkstatt, Plastische Werkstatt
    Diplom (Nr. 64) der Reklame und Freien Malklasse am 11.2.1932
    Abgang am 11.2.1932 mit seiner Frau Gitel Bahelfer

Moshe Bahelfer (Moses Bagelferyches, Bagel) wurde am 29. Juni 1908 in Wilna in Polen geboren, in der heutigen litauischen Hauptstadt Vilnius, die damals von Russland besetzt war. Nach einer Dekorateur- und Malerlehre in der Gewerbeschule, schloss er ein Grafik-Semester in der Kunstgewerbeschule Wilna an. Bagelferyches wurde Mitglied der Gruppe „Jung-Wilna“, die aus jungen Künstlern, Schriftstellern und jiddischsprachigen Dichtern bestand und an deren gemeinsamen Ausstellungen er sich beteiligte.
Mit der Nummer 305 schrieb er sich zum Wintersemester 1928 am Bauhaus Dessau ein und man nannte ihn fortan Moses Bahelfer. Nach dem Vorkurs absolvierte er eine Ausbildung in der Druck- und Reklamewerkstatt und in der Plastischen Werkstatt bei Joost Schmidt.
Daneben besuchte er ab 1929 die freie Malklasse bei Paul Klee und Wassily Kandinsky. Bahelfer erhielt während der gesamten Ausbildung halbe und ganze Schulgeld-Freistellen zwischen 45 und 75 RM. Während seiner Bauhauszeit wohnte er in Dessau zur Untermiete, zusammen mit seinem Kommilitonen Isaak Butkow, der ebenfalls aus Wilna stammte; wegen ihrer Mittellosigkeit wurden beide von ihren Wirtsleuten mit verköstigt. Moses Bahelfer heiratete Gitel Golde, die sich im Sommer 1930 ebenfalls am Bauhaus Dessau eingeschrieben hatte.
Im Januar 1932 wurden seine Arbeiten am Bauhaus ausgestellt. Am 11. Februar 1932, nach Erhalt des Bauhausdiploms Nr. 64 mit Auszeichnung, verließ Bahelfer das Bauhaus und emigrierte kurze Zeit später mit Gitel Golde nach Paris, wo er sich Moses Bagel nannte.
In Paris arbeitete Bagel als Graphiker und Illustrator für die französische Literaturzeitschrift „NRF“ (Nouvelle Revue Française) und illustrierte Kinderbücher. Für die Agence VU erstellte er Fotoreportagen. 1939 meldete sich Bagel freiwillig zur französischen Fremdenlegion. Die deutsche Besatzungszeit verbrachte er in Toulouse. Er arbeitete für einen Architekten und wurde Mitglied einer französischen Widerstandsgruppe, für die er Personaldokumente fälschte. Bagel kehrte nach der Befreiung nach Paris zurück, illustrierte Bücher und arbeitete für verschiedene jüdische Zeitungen. Für das Yiddish Theatre in Paris entwarf er Bühnenbilder und Kostüme. Von 1947 bis 1968 leitete er die Reklamewerkstatt von 20th Century Fox Paris.
Danach, von 1972 bis 1973, gab er Zeichenkurse an der École des Beaux-Arts Paris. 1959, zum 100. Geburtstag von Shalom Aleichem – dem jüdischen Humoristen und Satiriker, bestellte die UNESCO bei Moses Bagel eine Serie von 15 großen Bildern zum Werk des großen jiddischsprachigen Schriftstellers. Nach der Ausstellung in der UNESCO gab Bagel die Bilder als Schenkung nach Tel Aviv, an die Shalom Aleichem-Foundation. Werke von ihm wurden in der Wanderausstellung „50 Jahre Bauhaus“ des Württembergischen Kunstverein 1968 in Stuttgart gezeigt, die danach Station in London, Paris, Amsterdam, Chicago, Ontario, Toronto, Pasadena, Buenos Aires und Tokio machte. Moses Bagel starb 1995 in Paris.

[BK 2016]

Literatur:

∙ Ute Brüning (1995): Das A und O des Bauhauses, Berlin.
∙ Peter Hahn (1985): Bauhaus Berlin, Berlin.
∙ Nadine Nieszawer, Deborah Princ: Artistes juifs de l'École de Paris 1905–1939, http://www.ecoledeparis.org/artists/view/moses_bagel, 10.06.2016.
∙ Tapetenfabrik Gebr. Rasch, Stiftung Bauhaus Dessau (1995): bauhaustapete. Reklame & Erfolg einer Marke, Köln.

Weitere Informationen zu Moshe Bahelfer

Erwähnung

Folke Dietzsch (1991): Die Studierenden am Bauhaus. Eine analytische Betrachtung zur strukturellen Zusammensetzung der Studierenden, zu ihren Studien und Leben am Bauhaus sowie zu ihrem späteren Wirken, Diss. A, Hochschule für Architektur und Bauwesen, Fak. Architektur, Weimar.

Web