Xanti Schawinsky

Porträt Xanti Schawinsky am Bauhaus Dessau, Foto: Josef Albers, um 1929.
Porträt Xanti Schawinsky am Bauhaus Dessau, Foto: Josef Albers, um 1929. © Bauhaus-Archiv Berlin / The Josef and Anni Albers Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2020.
  • Geboren am 26.3.1904 in Basel, Schweiz
  • Verstorben am 11.9.1979 in Locarno, Schweiz

  • Geburtsname Alexander Victor Schawinsky

  • Ehe mit Irene von Debschitz (∞1936–1962)
    Gisela Hatzky (∞1963)

  • Tätigkeiten Bühnenbildner, Fotograf, Grafikdesigner, Maler

    Netzwerke
  • Bauhaus Weimar: Studierender
  • Bauhaus Dessau: Studierender
  • New Bauhaus Chicago
  • Black Mountain College

Netzwerke

  • Bauhaus Weimar: Studierender Immatrikulationsnr. 16
    4.1924–3.1925: Grundlehre/Vorlehre: Gestaltungslehre, analytisches Zeichnen, Werklehre und Bühnenwerkstatt
  • Bauhaus Dessau: Studierender 4.1925–9.1929: Bühnenwerkstatt
  • New Bauhaus Chicago
  • Black Mountain College

Alexander Victor Schawinsky (genannt Xanti) wurde am 25. März 1904 in Basel in eine jüdisch-polnische Kaufmannsfamilie geboren. 1923 hörte er von der Existenz des Bauhauses und fuhr kurzerhand zur ersten großen Bauhaus-Ausstellung nach Weimar, wo er Josef Albers und Walter Gropius kennenlernte. Im Frühjahr 1924 immatrikulierte sich Schawinsky dann am Bauhaus, besuchte den obligatorischen Vorkurs, erlernte bei László Moholy-Nagy und Wassily Kandinsky die Grundlagen zur Form- und Farbenlehre, nahm am Unterrichtsfach Analytisches Zeichnen bei Paul Klee teil und belegte Kurse in Architektur bei Walter Gropius und Adolf Meyer. Bald nach seinem Eintritt ins Bauhaus wurde er Mitglied in Oskar Schlemmers Bühnenwerkstatt, wo er schon früh begann, eigene Sketche und tänzerische Pantomimen zu erschaffen. Schawinskys erstes Stück „Circus“ wurde 1925 noch in Weimar uraufgeführt. Es folgten die Bühnenstücke „Olga, Olga“, „Tiller Girls“ und „Feminine Repetitionen“ sowie seinen „Stepptänzer versus Steppmaschine“. Bereits am Bauhaus begann Schawinsky das „Spectodrama“ – eine frühe Idee des Totaltheaters – zu entwickeln. Neben Studium, Bühne und eigener Malerei widmete sich der Bauhäusler seiner musikalischen Leidenschaft als Saxofonist der Bauhauskapelle. Bereits 1926 bekam er ein Engagement für eine Spielzeit am Zwickauer Stadttheater, wo er als Bühnenbildner agierte. Nach seiner Rückkehr ans Bauhaus 1927 gab er Kurse über seine gesammelten praktischen Erfahrungen. Mit dem Rücktritt von Walter Gropius als Bauhausdirektor und der Neuanstellung von Hannes Meyer wurde Schawinsky zum Lehrer für Bühnenbilddesign berufen.
1929 verließ Xanti Schawinsky das Bauhaus und ging als Leiter der Grafikabteilung an das Städtische Hochbauamt von Magdeburg. Bis 1932 entwarf er hier Designs für Ausstellungen, Theater und Museen. Mit der politischen Diffamierung als polnischer Jude durch die Nationalsozialisten ging Schawinsky nach Berlin und arbeitete dort weiterhin als Grafiker. 1933 floh er über die Schweiz nach Italien. Bis 1936 arbeitete Schawinsky in Mailand als Werbegrafiker im Studio Boggeri und als freischaffender Grafiker für große Firmen wie Cinzano, Motta und Illy. In der Galerie Il Milione fand seine erste eigene Ausstellung statt.
1935 verließ Schawinsky aus politischen Gründen Italien. Er folgte 1936 dem Ruf Josef Albers' ans Black Mountain College. Bis 1938 arbeitete er hier als Professor für Zeichnen und Farblehre und begründete die „Stage Studies“ (eine Bühnenwerkstatt, die auf den Ideen der Bauhausbühne basierte). Gemeinsam mit seinen Studenten erarbeitete er multimediale Inszenierungen, die sich mit Raum, Bewegung, Licht, Klang und Farbe befassten. Schawinsky brachte so die bahnbrechenden Ideen der avantgardistischen Bauhausbühne in die USA.
1938 berief Moholy-Nagy den ehemaligen Schüler ans New Bauhaus in Chicago; doch kurz vor seiner Ankunft schloss es; eine Rückkehr ans Black Mountain College war unmöglich. Schawinsky ging nach New York, wo er zunächst mit Walter Gropius und Marcel Breuer am Entwurf des Pennsylvania Pavillons für die Weltausstellung 1939 arbeitete.
In den darauffolgenden Jahren unterrichtete der einstige Bauhäusler an verschiedenen Instituten, darunter am New York City College (1943/44, 1945/46) und der New York University (1950–1954). 1961/62 engagierte ihn das Stadttheater Basel als Kostüm- und Bühnenbildner. Bis zu seinem Tod am 11. September 1979 in Locarno, Italien arbeitete Xanti Schawinsky an seiner bisher unveröffentlichten Autobiografie.


[AG 2015]

Literatur:

· Galerie Döbele (1990): Xanti Schawinsky: Werke der Amerika-Zeit, Stuttgart.
· Peter Hahn, Barbara Paul (1986): Xanti Schawinsky: Malerei, Bühne, Grafikdesign, Fotografie, Berlin.
· Hans Heinz Holz (1981): Xanti Schawinsky: Bewegung im Raum, Bewegung d. Raums, Zürich.
· Anke Kempkes: Xanti Schawinsky. I am the Ghost that haunts the Bauhaus..., http://www.schawinsky.com/bio, 10.06.2016.
· Migros Museum für Gegenwartskunst (2015): Xanti Schawinsky, Zürich.
· Schawinsky-Nachlass (1989): Xanti Schawinsky. Foto, Bern.
· Xanti Schawinsky: metamorphose bauhaus, in: Eckhard Neumann (1996): Bauhaus und Bauhäusler. Erinnerungen und Bekenntnisse, Köln.
· Stiftung Bauhaus Dessau (1993): Xanti Schawinsky. Magdeburg 1929–1931, Dessau.