Bruno Taut

Bruno Taut, Portrait, 1934, Fotograf:in unbekannt.
Bruno Taut, Portrait, 1934, Fotograf:in unbekannt. © Akademie der Künste, Berlin, Bruno-Taut-Archiv, Nr. 402 F.2., CC BY-NC-ND.
  • Geboren am 4.5.1880 in Königsberg, Provinz Ostpreußen (Deutsches Reich) | heute Kaliningrad, Russland
  • Verstorben am 24.12.1938 in Istanbul, Türkei

  • Geburtsname Bruno Julius Florian Taut

  • Eltern Julius Josef Taut (1844–1907)
    Henriette Auguste Bertha Taut, geb. Müller (1858–1933)
  • Geschwister Richard Carl Eduard Taut (1876-um 1927)
    Max Taut
  • Ehe mit Hedwig Taut, geb. Wollgast (1879–1968) (∞27.4.1906–um 1916, keine Scheidung)
  • Lebenspartner von Erica Wittich (1893–1975) (∞1917–1938)
  • Kinder Heinrich Taut (1907–1995)
    Elisabeth Taut (1908–1999)
    Clarissa Wittich (1918–1998)

  • Tätigkeiten Architekt, Autor, Gestalter, Stadtplaner, Architekturtheoretiker

Büropartner
  • Taut & Hoffmann (8.1909–1933)

    Netzwerke
  • Novembergruppe
  • Arbeitsrat für Kunst
  • Deutscher Werkbund
  • Die Gläserne Kette
  • Bund Deutscher Architekten
  • Preußische Akademie der Künste

Netzwerke

  • Novembergruppe
  • Arbeitsrat für Kunst 1918
  • Deutscher Werkbund 1914
  • Die Gläserne Kette 1919–1920: Initiator
  • Bund Deutscher Architekten
  • Preußische Akademie der Künste 1931–1934

Bruno Julius Florian Taut wurde am 4. Mai 1880 in Königsberg geboren. Nach seinem Abschluss an der Königsberger Baugewerbeschule und ersten Anstellungen bei Bruno Möhring (1863–1929) in Berlin und Theodor Fischer (1862–1938) in Stuttgart kehrte er 1908 nach Berlin zurück, um an der Technischen Hochschule Charlottenburg Kunstgeschichte und Städtebau zu studieren. Ein Jahr später gründete er gemeinsam mit Franz Hoffmann die Bürogemeinschaft „Taut & Hoffmann“, der sich 1912 sein jüngerer Bruder Max Taut anschloss. Das Trio erhielt viel Aufmerksamkeit für seine expressionistischen Entwürfe wie das „Monument des Eisens“, den Pavillon des Deutschen Stahlwerksverbandes und des Verbandes Deutscher Brücken- und Eisenbaufabriken auf der Internationalen Baufachausstellung in Leipzig (1913) und „Das Glashaus“, den Pavillon der Deutschen Glasindustrie zur Ausstellung des Deutschen Werkbundes in Köln (1914).
Im Jahr 1912 erhielt Taut den Auftrag im Berliner Südosten eine Wohnsiedlung zu planen. Der mit dem Landschaftsarchitekten Ludwig Lesser entwickelte Gesamtplan sah für die Gartenstadt Falkenberg 1.500 Wohnungen für rund 7.000 Einwohner vor. Der Erste Weltkrieg unterbrach die Bautätigkeit und bildete eine Zäsur: Bruno Taut veröffentlichte seine Schrift „Die Stadtkrone“ (1919) sowie die Bildzyklen „Alpine Architektur“ (1917/18) (Abb. 1, 2) und „Die Auflösung der Städte“ (1920), in denen er seine Utopie eines Weltumbaus durch Verschmelzung von Architektur und Natur skizzierte. Des Weiteren war Taut 1919 Mitbegründer des Arbeitsrats für Kunst, Mitglied der Novembergruppe und des Deutschen Werkbundes sowie 1920 Initiator des Briefwechsels „Die Gläserne Kette“. Hier tauschten sich überwiegend Architekten, wie Walter Gropius, Hans Scharoun, Carl Krayl sowie die Brüder Hans und Wassili Luckhardt, über die „Auflösung der bisherigen Grundlagen“ der Architektur und das „Verschwinden der Persönlichkeit“ des Künstlers aus.
1921 wurde Taut von Magdeburgs Oberbürgermeister Hermann Beims zum Stadtbaurat berufen. Zusammen mit seinen Mitarbeitern, zu denen auch Johannes Göderitz und Carl Krayl zählten, erstellte er einen Generalsiedlungsplan für die „Stadt des Neuen Bauens“. Dieser sah Wohn- und Bürobauten, darunter die Gartenstadt-Kolonie Reform, Messehallen sowie mit Rathaus und Kristallturm eine „Stadtkrone“ als neue Mitte vor. Die farbige Gestaltung der Innenstadt sollte den Umbau einleiten. Mit der Aktion „Bunte Stadt Magdeburg“ wurden nicht nur das barocke Rathaus, sondern auch 80 Hausfassaden, u.a. in der Otto-Richter-Straße, farbig gestaltet. In den folgenden zwei Jahren wurden die Halle „Land und Stadt“ (1921–23) und der Generalsiedlungsplan für die Stadtentwicklung (1922–23) vollendet.
Im April 1924 kehrte Bruno Taut nach seiner Berufung als Architekt der GEHAG (Gemeinnützige Heimstätten-, Spar- und Bau-Aktien-Gesellschaft) nach Berlin zurück. Unter seiner Leitung entstanden zwischen 1924 und 1931 zahlreiche (Groß-)Siedlungen und Ergänzungen innerstädtischer Bauten: Tauts Werk umfasst in Berlin somit über 10.000 Wohnungen in u.a. der Gartenstadt Falkenberg, der Schillerpark- und Hufeisensiedlung, der Wohnstadt Carl Legien und der Waldsiedlung „Onkel Toms Hütte“.
1930 erhielt Taut den Ruf als Honorarprofessor für Wohnungs- und Städtebau an die Technische Hochschule Berlin-Charlottenburg (heute: TU Berlin). Neben seiner Lehr- und Architektentätigkeit publizierte er weiterhin Aufrufe, Artikel und theoretische Abhandlungen. Ab 1926 reiste er regelmäßig nach Moskau für Beratungen zu Wohnungs- und Hotelbauten in der Metropole.
Am 1. März 1933 verließ er mit seiner Lebensgefährtin Erica Wittich (1893–1975) fluchtartig Berlin, um über die Schweiz, Frankreich, das Mittelmeer und die Sowjetunion nach Japan zu emigrieren. In Sendai war Taut Berater am Staatlichen Lehr-Gewerbeinstitut kogei shidosh (1933–34), entwarf Gebrauchsgegenstände für das Kunstgewerbeinstitut der Präfektur Gumma in Takasaki (1934–36) und schrieb Bücher über japanische Kultur.
Im November 1936 erreichte Taut, nach Vermittlung durch seinen Kollegen Martin Wagner, die Türkei, wurde Dekan der Architekturabteilung an der Akademie der Künste in Istanbul und übernahm die Leitung des Architekturbüros im dortigen Unterrichtsministerium, wo er Schulen und Universitätsbauten, u.a. in Ankara, projektierte. 1938 erschien seine für den Unterricht geschriebene „Architekturlehre“.
Seit mehreren Jahren litt Taut bereits unter Asthma. Nach einem Anfall verstarb der 58-Jährige am 24. Dezember 1938 in Istanbul und wurde als bislang einziger Ausländer und Nicht-Muslim auf dem Ehrenfriedhof Edirnekapı bestattet.

[AHo, 2021]

Literatur:

· Akademie der Künste, Barbara Volkmann (1980): Bruno Taut 1880–1938, Berlin (West).
· Akademie der Künste, Oswald Mathias Ungers (1963): Die gläserne Kette: Visionäre Architekturen aus dem Kreis um Bruno Taut 1919–1920, Berlin (West).
· Ralph Musielski (2003), Bau-Gespräche: Architekturvisionen von Paul Scheerbart, Bruno Taut und der „Gläsernen Kette“, Reimer Verlag, Berlin.
· Bruno-Taut-Archiv in der Akademie der Künste, Berlin.